auf der Erde; wie man z.B. an den Mann im mond recht gut so adressieren kann. Die schönste Adresse hat jener allein, an den man bloss die Aufschrift machen braucht: an Den im Universum.
Reise klug wie eine Schlange, Bruder. Habe viele Weltkenntnis und glaube nicht – wie Du Dir einmal merken lassen –, es sei tunlich, dass sich auf der Briefpost blinde Passagiere aufsetzen könnten oder auch sehende, und lass ähnliche Fehlschlüsse. Sei verdammt selig und lebe von den alten Friedrichsd'oren, die der Maulwurf ausgeworfen, in einigem Saus und Braus. Erkies, o Freund, nur kein Trauerpferd zu einem Stekkenpferd; da ohnehin jedes Kreuz, vom Ordenskreuze an bis zum Eselskreuz herab, entweder genug trägt oder genug drückt. Meide die grosse Welt möglichst; ihre Hopstänze sind aus F-moll gesetzt. Das Schicksal nimmt oft das dicke Süssholz, an welchem die Leute käuen, als einen guten Prügel vor und prügelt sie sehr – Ich wünschte doch nicht, dass Du gerade auf der ersten Stufe des Trons gleich neben dem Fürstenstuhlbein ständest, wenn ihn der neue Regent zur Krönung besteigt, und dass er Dich dann zu etwas erhöbe, in den Adelstand, zu einem kammer- oder Jagdjunker oder so; wie ein solcher Regent wohl pflegt, weil er in seiner neuen Regierung gerade nichts früher macht als das Edelste, nämlich Menschen, d.h. kammer-Herrn, Edelleute usw., und erst später den Staat und dessen Glück, so wie die alten Teologen34behaupten, dass Gott die Engel vor der Erde und zwar darum erschaffen, damit sie ihn nachher bei deren Schöpfung lobten –
Ich wünscht' es nicht, sag' ich, dass Du dem jungen neugebacknen und neubackenden Fürsten die gedachte Ehre antätest und eine annähmest – wahrlich ein Tron wird, wie der Vesuv, gerade höher durch Auswerfen von Höhen und Hohen um ihn her –; und mein Grund ist dieser: weil Du, gesetzt, Dir würde irgendeine bedeutende männliche oder weibliche Hof-, ja Regierungs-Charge zuteil, doch nicht eher ein ruhiges Leben und eine starke Pension bekämest als nach einem tapfern, verflucht grossen Fehltritt oder bei gänzlicher Untauglichkeit zu irgend etwas, worauf der Hofmensch Abschied und Pension begehrt und nimmt, gleich dem verurteilten Sokrates, der sich eine ähnliche Strafe vor Gericht diktierte, nämlich lebenslänglichen Freitisch als Prytan; wie untüchtig aber Du zu rechter Untüchtigkeit bist, das weisst Du am besten – Kannst du wählen auf deiner Spannen-Reise, so besuche lieber den grössten europäischen Hof als die kleinsten deutschen, welche jenen in nichts übertreffen (in den Vorzügen am wenigsten) als in den Nachteilen, wie man denn wahrgenommen, dass auch die Seekrankheit (was sie gibt und nimmt, kennst Du) viel ärger würgt auf Seen als auf Meeren – Suche dein Heil an Höfen mehr in groben Taten als in groben Worten; diese werden schwerer verziehen – Ein Hofmann vergibt zwar leicht, aber mit Gift – Auf diesen schlüpfrigen Abhängen des Trons betrage Dich überhaupt ganz trefflich und bedenke, dass man da, wie die Griechen zu Homers35Zeiten, die Verwünschungen nur leise zu tun habe, weil die lauten auf den Urheber zurückspringen – Sage Fürsten, Markgrafen, Erzherzogen, Königen zwar die Wahrheit, aber nicht gröber als jedem ihrer Bedienten, um Dich von republikanischen Autoren zu unterscheiden, die sich lieber vor Verlegern als vor Potentaten bücken – Gegen Malteser-Damen, Konsulesse, Hof- und andere Damen vom höchsten Rang sei kein Pariser Bisamschwein, d.h. keine parfümierte Bestie, kein verbindlicher Grobian, der auf die manierlichste Weise von der Welt des Teufels gegen sie ist – Sei der schönste, langgewachsenste, schlankeste Mann von 30 Jahren, der mir noch vorgekommen – Kurz, bleibe ein wahres Musterbild, bitte' ich Dich als Bruder! Überhaupt, sei passabel!
Ich schliesse den längsten ernstaften Brief, den ich seit zehn Jahren geschrieben; denn es schlägt 10 1/2 Uhr, und er soll durchaus noch fort. Himmel aber! wo magst du jetzt sein? Vielleicht schon mehr als wersten-weit von unserm Hasslau, und erfährest nun an dir selber, wie leicht es grossen Reisen wird, den Menschen auszubälgen und umzustülpen wie einen Polypen, und was es auf sich habe, wenn Häfen und Märkte und Völker vor uns vorübergehen, oder wir, was dasselbe ist, vor ihnen – und wie es einem ziemlich schwer ankommt, nicht zu verächtlich auf Stubenhokker herabzusehen, die vielleicht noch nie über 10 Meilen weit von ihrem Sparofen weggekrochen und für welche ein Urteil über ein paar Reisende wie wir eine Unmöglichkeit ist. Solche Menschen sollten, Freund, nur einmal an ihrer eignen Haut erfahren, wie schwer das britische Gesetz, dass Leute, die aus der Stadt kommen, denen ausweichen sollen, die in selbige reisen36, manchem Weltmann moralisch zu halten falle: sie sähen uns beide anders an. – Fahre wohl! Folge mir, noli nolle!
v. d. H.
Postscr. Hebe diesen Brief, im Falle du ihn bekommst – sonst nicht –, auf, es sind Gedanken darin für unsern Hoppelpoppel."
Nr. 45. Katzenauge
Ess- und Trink-Wette – das Mädchen
Es mag nun hinter dem Traum ein Geist oder ein Mensch stecken, dachte Walt, eines der grössten Abenteuer bleibt er immer. Das schwang ihn über die ganze stube voll Gäste weg; er fuhr auf dem romantischen Schwanzstern über die Erden hinaus