des freudigsten Wiedersehens. Ich hatte meine liebsten Wünsche, meine glücklichsten Träume, meine schönsten Bilder, ich hatte mich selbst wieder gefunden. –
"Wieder mich wähnend,
droben in Jugend,
in der vertaumelten lieblichen Zeit,
in den umduftenden
himmlischen Blüten,
in den Gerüchen, seeliger Wonne
die der Entzückten, der Schmachtenden ward!"
Diese Worte kamen mir so lebhaft und unwillkührlich in den Sinn, dass ich sie laut sagen musste. Sie begeisterten mich; es war, als flögen die Wände des Stübchens auf, und es ward zum Tempel. Zauberische Irrgänge, Myrtenhaine und ein griechischer Himmel umgaben mich von allen Seiten; in der Mitte des Tempels erschien der Genius der Liebe mit flammen der Fackel; schön bekränzte Jünglinge und Mädchen tanzten im frohen Gewühl durch einander. – Und sieh'! das ist die Gewalt des Dichters, dass er durch Eine wahre Empfindung, die er in das Zauberkleid der Dichtung hüllt, und an ein fremdes Schicksal knüpft, in dem ähnlich empfindenden Gemüte, eine schöne Kette von Bildern, ein magisches Gemisch von Wahn und Wirklichkeit hervorrufen kann! –
Ich dachte nun mit Ernst an die Anordnung der Feierlichkeiten. Die Erfindung einiger Inschriften, die Verteilung einzelner Gruppen, die Wahl der Plätze und der Vergnügungen kostete mir wirklich des Nachdenkens genug, denn ich wollte nicht allein Nanettens Geschmack huldigen, sondern sie sollte auch meinen eigenen, in diesen Anstalten finden; und beides war nicht eben leicht zu vereinigen. Indessen hoff' ich doch, dass es mir ziemlich geglückt ist. Die reizende Gegend hat mir herrliche Dienste getan; manche Stellen scheinen ganz eigen für meine Ideen geschaffen zu sein, und auf der andern Seite lebt hier so ein muntres, lustiges Volk, das sich mit ganzem Herzen, einem frohen Tage hingeben kann, so dass Nanette ohne Zweifel nach Wunsch an die Wirklichkeit erinnert werden soll. – Bis sie kommen, will ich mich noch ganz an den Reizen dieser Gegend sättigen; denn nach meinem Sinn, kann ich eine schöne natur weniger geniessen, wenn ich sie in geliebter Begleitung sehe. Der reine Genuss der natur, ist für Einsamkeit, für Erinnerung und Hoffnung, und da wird selbst die sehnsucht zur Wollust. Sie sind nun da, und uns vergehen die schönsten Tage. Ich genoss die Genugtuung, Nanetten sogar einige Augenblicke lang gerührt zu sehen. Aber bald erlangte sie ihre alte Dreistigkeit wieder, mit der sie über Alles scherzen kann. Ihre Ansichten sind, wie ihr Ansehen, unverändert geblieben, alles Lebendige, Geschmackvolle, Scherzhafte reizt sie, gefällt ihr, ja sie behauptet sich in ihren Ideen fast mit grösserer Heftigkeit, aber mit noch eben so viel Anmut, wie vor dem. – Sie liebt Umgang, und kann nicht ohne ihn leben; doch treibt sie ihre Laune oft an, über Andre zu spotten; aber sie tut dies mit so viel Witz und Gutmütigkeit, dass diese Neigung an ihr ein neuer Reiz wird, so sehr auch andre oft durch sie verunstaltet werden. – Denn öfters habe ich Menschen, die stets von fremden Fehlern sprachen, geistreich nennen hören, die mir immer äusserst geistarm vorkamen. Denn wie viel leichter ist es, die Unterhaltung mit dem Tadel andrer, zu würzen, da dadurch der geheimen Schadenfreude andrer, und dem süssen Wahn der Ueberlegenheit geschmeichelt wird – als gespräche zu führen wissen, die ohne diesen Kunstgriff reizen und unterhalten. Nein, nur wer mit so viel Laune, Geist und Virtuosität wie Nanette zu spotten weiss, nur der sollte es sich erlauben!
Recht sehr überrascht fand ich mich, als ich in Nanettens mir noch unbekannten Gatten, eine wohlbekannte Gestalt wiederfand. Barton war es, er, den ich von allen Männern am wenigsten an Nanettens Seite zu sehen erwartet hätte! Wie sehr sich Nanette an meiner Befremdung ergötzte, kannst Du Dir denken. Sie scheinen sehr glücklich zu sein; Barton ist ein feiner Mann, der mir jetzt weit besser gefällt, sei's, weil unsre Verhältnisse oder meine Forderungen an die Menschen sich geändert haben. Es ist nun alles zwischen uns zur Sprache gekommen. Und Eduard! – O Julie! wie wahr, wie innig hat er mich geliebt! – Auch alles, wie er sich nachher benommen hat, da er von meiner Unzuverlässigkeit überzeugt war, ist ganz so wie es mir gefällt. – Er ist ganz, das geworden, wie ich mir ihn stets gewünscht, stets gedacht habe. – O! beschützt ihn, gute Geister der Ferne! beschützt meinen Freund! dass ich ihn nur einmal sehen, einmal noch in seiner Nähe atmen kann! –
Und nun Julie! siehst Du, wie alles aus jener Zeit der Verwirrung so licht, so geordnet geworden ist? O! lass immer das Gefühl walten, es erwählt stets das Wahre, das Sichre! – Lass uns diese Sphäre lieben, und lächeln, wenn ein teil der Männer mit stolzem Mitleid, uns darauf beschränkt glauben. – Mann und Weib erscheint mir oft, wie Musik und Mahlerei. Der Mann muss alles aufzuhellen streben, und sein Wesen deutlich und schön darstellen, indess das Weib ihr Gefühl in heiliges Dunkel hüllt, und mit kindlichem Vertrauen, ihrem Schicksal entgegen geht! Heute erhielt ich diesen sonderbaren Brief von Wilhelm, der, wie ich Dir vielleicht schon geschrieben habe, seit einiger Zeit mich verlassen hat, um sich in einer andern Stadt auf eine zweckmässigere Weise, auszubilden:
Liebe Mutter!
"Ich bin nun von