, jeder Erinnerung hin, wie das leichte Gesträuch der Birke, zärtlich bei jedem Lüftchen flüstert. – Ich bin hier auf Nanettens Gut; in wenig Tagen wird sie mit ihrem Gemahl hier ankommen; und ich will sie hier mit einem ländlichen fest empfangen. Wie wird sie meine Gegenwart, meine Erklärung überraschen! Wie ist nun alles zwischen uns wieder so neu, so jugendlich geworden! Eine Menge Freuden sind wie junge Blumen, um mich aufgesprosst! Gönne mir das Vergnügen, Dir mit froher Umständlichkeit, meine kleine Reise zu schildern.
Ich reis'te gestern Morgen von *** ab; der muntre Ton des Postorns bewegte wieder mein Herz wie sonst; ich sah das Leben wieder in dem schönen Gewand der Jugend, der Ahndung, der Liebe, und meine Sinne konnten die Sprache der natur verstehen. – Nach einer langen, verheerenden Trockenheit, war jetzt gerade der erste Regen gefallen, und ein unnennbar frisches Grün labte mein Auge. Die klaren Regentropfen hiengen an den Bäumen, wie Freudentränen. Wir kamen durch Buchenwälder, die mich in grosser, schauerlicher Majestät umwölbten. In den Tälern zogen Wolken, weiss und dicht, wie Schnee; oft sahen hoch oben, noch Bäume hindurch, und der Himmel schien herabgefallen, die Erde hinangestiegen zu sein.
Aber von dem sehr heftigen Regen war der Fluss schnell angeschwollen, und wir waren genötigt, einen weiten Umweg zu machen, der uns sehr verspätete, und wo wir uns von einer ganz andern Seite dem Ziel meiner Reise näherten. Schauerlich krümmte sich der Weg durch einen unendlichen Wald. Hoch stiegen düstre Tannen an der einen Seite gegen Himmel; unabsehbar auf der andern in die Tiefe. Endlich ward es lichter; die Strasse senkte sich, und wir hielten vor einem kleinen wirtshaus still. – Ich sah mich um, und es war als rauschten Schleier hinweg. Auf der einen Seite kühne, grosse Bergmassen; auf der andern ein seeliges Tal, von Bächen umarmt, aus dessen Mitte ein Eichenwald würdevoll empor stieg. – O, Julie! was fühlte ich, als ich es nun gewiss wusste, dass ich in *** war, dem Ort, wo ich mich einst so seelig fühlte! Ein wunderbarer Wahnsinn befiel mich; alle Büsche, alle Felsen verklärten sich; aus den Wolken, aus den Blumen sah' die Liebe mich mit trunknen Augen an, in mir tönten freundliche Melodien, und ich konnte nicht mehr anders als in Rhytmus denken. Die Wirtin erinnerte sich, mich gesehen zu haben; ich erkannte sie wohl, sie war mir sehr lieb! – Ich setzte mich in dem dunkeln Buchengang, nicht weit vom haus, der zu zärtlichen Gesprächen einzuladen schien. Der Mond warf aus seiner Wolke einen Silberblick auf den Berg, dass der weisse Fels am Gipfel desselben, wo ich einst Eduard gesehen, mir wie ein weisses Blütenblatt der Vergangenheit in die Seele schien; Alles erhöhete meine Stimmung. Und als nun später der Wirtin Mann zurückkam, und ein liebliches Kind ihm entgegen lief, er es liebevoll im Arm nahm, und die beiden in schöner Freundlichkeit vor der kleinen Tür des Hauses sassen, da schien es mir, als blickten selbst die Sterne zärtlich über diese Gebürge, und es war wohl kein Wunder, dass ich die ganze Nacht von Wiedersehn und Freude träumte? – Welch ein seeliger Morgen war der folgende! – Ich setzte mich unter eine hohe Linde, in deren weiten, grünen Welt ein fröhliches Summen lebte. Die heitre Herbstluft strich durch die Täler, und strahlte in der Ferne, wie Silber. Es war Sonntag; die rührende stimme der ländlichen Glocke tönte durch die stillen Ebnen und rief die Bewohner der niedern Dörfer herauf. – Der Wald lockte mich unwiderstehlich mit seiner Kühlung, und ich ging hinein. über mir blickte die Sonne nur verstohlen, wie durch grüne Wolken hindurch, aber mein Herz war mit so freudigen Bildern erfüllt, dass ich die tiefe Einsamkeit und das wunderliche Rufen der Waldvögel nicht achtete, und ohne Furcht den Weg verfolgte. Und bald, bald stand ich wieder da, unter den Klippen wie einst, und unter mir der herrliche Grund in einem Meer von Sonnenstrahlen schwimmend. dicht neben den Klippen, plauderte ein Maienwäldchen, mit dessen kindischen Zweigen und Blättern ein leichter Morgenwind sein Spiel trieb. Ich blickte auf sie hinüber, wie in das Land der Kindheit; die Klippen, die undeutlich und wild sich um mich drängten, wurden mir zur Allegorie der späteren Zeit, und ich flüchtete mich schnell in die leichten Schatten des Wäldchens, wo ich mit dem lebendigsten Bewusstsein, alle holden Träume des Kinderlebens mir zurückrief.
Ich ging weiter. Am Fluss stand ich lange still, von dem Geräusch der Wellen angenehm betäubt. Träumend sah ich an den hohen Bäumen des Ufers hinab, und ihr kräftiges Ansehen, das Leichte, Gefällige ihrer Blätter, bewegte mich mit freudiger Rührung. Die festen, starken Stämme, standen ruhig in der sichern Erde, indess die hohen, leicht bewegten Gipfel in reinerm Aeter und Sonnenschein sich wiegten. So, dachte ich, ist der vollendetere Mensch; mit seinem Willen fest auf sich selbst gestützt, steht er im Leben da, indess die feinsten Getriebe der Seele, die holden Kinder der Phantasie und des Geschmacks, leicht, wie die Blätter und Blüten in höhern Regionen säuseln und leben dürfen!
Ich kam nach haus, und mein freundliches Stübchen umfieng mich. Mir war sehr wohl! Es war in mir das Gefühl