dem Leben und den Menschen oft angehört, ohne viel darauf zu erwidern, aber als ich gestern von einem solchen Moment ergriffen, wiederum ausrief: "O! schöner Himmel und lachende Erde! O Leben und Liebe! warum seid ihr mir so fremd geworden? Mein Herz ist tot und vernimmt eure schöne Sprache nicht mehr!" da sagte er mit einer seltsamen Zuversicht: ich will Sie dem Leben zurückgeben; Morgen sollen Sie geheilt sein.
Heute kam er zu mir und sagte, dass er mich in eine sehr angenehme Gegend führen wolle. Wir kamen an eine Stelle, die romantisch schön war. Eine Grotte, aus deren Tiefe ein Quell mit kühlendem, klaren wasser hervor sprudelte. Der grüne, unbeschreiblich frische Rand des Ufers, und die rötliche Felswand der Grotte, welche mit überhangendem, grünen Gesträuch bewachsen war, spiegelten sich in der klaren Flut, und bildeten einen reizenden malerischen Anblick. Hohe Pinien, die mit ihren schlanken, königlichen Wuchs und dunkelgrünen, schön geründeten Kronen, jedem Ort, wo sie stehen, ein romantisches, feierliches Ansehen geben, verschlossen die Aussicht, bis auf eine kleine Oeffnung, durch welche der blick auf weite, helle Gegenden fiel, wo dichte Wälder von Fruchtbäumen, mit Saatfeldern vermischt, sich zeigten, wo das hohe Korn im Schatten der Bäume schwankte, und die Weinranken wie Kränze, von einem Baum zum andern voll Trauben hiengen, und eine immer fortgehende Laube bildeten. – Hier verweilten wir, und nach einem kurzen Schweigen sagte Antonio: "Ich habe ihnen ein Gemälde mitgebracht, und wenn es diesem nicht gelingt, ihr Gemüt zu erheitern, und sie wieder mit sich selbst zu vereinigen, so gibt es keinen Rat mehr für sie." – Hier zog er eine Rolle hervor, die er sorgfältig auseinander wikkelte, und dann an eine lichte Stelle der Grotte hielt, wo das Licht von oben herab, darauf fiel, und es mit einer unbeschreiblichen Glorie umgab. – Ich sah, und – erwarte nicht, Barton, dass ich Dir schildern soll, was in mir vorging! – es war Amanda! es war ihr Bild! – ihr Auge, in dessen wunderbare, süsse Nacht ich mich einst so gern verlohren hatte, blickte mich mit heiliger Liebe und sehnsucht an, und wiederum ganz wie vormals, hatte ich alles andre vergessen, sah' und fühlte in der ganzen Welt nichts mehr, als diesen blick, der mich zu ihren Füssen warf. Als ich nach einiger Zeit wieder zu mir selbst gekommen war, erhielt ich von Antonio alle Aufschlüsse, die ich nur wünschen konnte. Er erzählte mir, wie er Amanda's Bekanntschaft gemacht, wie er ihr Freund geworden sei, dem sie mit schöner Offenherzigkeit, die geschichte ihres Lebens und ihrer Empfindung vertraut habe. Er wusste mir ihre Handlungsweise, wodurch ich mich für so tief und bitter gekränkt hielt, in ein so helles, richtiges Licht zu stellen, dass alle Wolken, die mir ihr Bild so lange verdunkelt hatten, auf einmal zerrissen, und mir ihr Wesen, wieder so rein, so wahr, so menschlich erschien, wie in den glücklichsten Stunden meines Lebens. – Mein letzter Brief an sie, worin ich sie so herzlich um Aufschluss gebeten, muss durch Zufall, Gott weiss, in welche hände geraten sein, denn sie hat nie einen solchen Brief erhalten, und so fanden wir uns beide durch ein unwürdiges, wesenloses Missverständniss gekränkt und getrennt, das nur durch die Entfernung, Wesen und Gestalt erhalten konnte. – Doch warum noch länger an dieser quälenden Vergangenheit denken, da nun alles so neu, so schön und glücklich ist? –
Herrlich erscheint mir nun das Leben, jede Freude, jeder Eindruck findet mein Herz offen und fühlbar, seitdem ich es weiss, dass die alte Liebe in ihrem Herzen immer neu geblieben ist! Antonio ist mein Nebenbuhler und ich würde ihn fürchten, wenn ich mich jetzt nicht allzu glücklich fühlte; aber dem Glücklichen, wohnt Stolz und Kühnheit in der Brust. – Vor einigen Tagen sagte er mir mit einem scherzhaften Ernst, der ihm sehr wohl stand: "Mit der Vergangenheit sind sie nun abgefunden, aber nicht mit der Gegenwart. Denn sie wissen, oder könnten es doch leicht gemerkt haben, dass mir selbst das Herz für Amanda geglüht. Es dulden, dass Amanda in einem schiefen, ungünstigen und unwahren Licht vor Ihnen erschiene, dies konnte und wollte ich nicht. Auch wünschte ich sie von einem Irrtum zu heilen, der noch immer wie eine dunkle Wolke über Ihrem Leben hieng, aber weiter wollte ich nichts. Von diesem Augenblick an, wollen wir nichts mehr von einander wissen, denn zwei Nebenbuhler können nie Freunde bleiben. Ein jeder versuche nun, sich der Neigung der Geliebten zu versichern, und wir sind einander wieder eben so fremd wie vorher." – Mit diesen Worten verliess er mich, und ich habe ihn seitdem nicht wieder gesehen.
Achtzehnter Brief
Amanda an Julien
Mein ganzes Wesen wird jetzt von einer unbeschreiblichen, nie gefühlten Reizbarkeit beherrscht, die, wenn sie Krankheit ist, wie Manche behaupten, mich glücklicher, als die vollkommenste Gesundheit macht. Ich denke fast gar nicht an meine Verhältnisse und an die Zukunft; meine ganze Seele fühlt nur das schöne Bild von Antonios Wert und seiner Liebe, fühlt nur das Glück zu wissen, dass Eduard lebt, und dass er nicht der Liebe unwert war. Empfänglich gibt mein Gemüt sich jedem Eindruck