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süssesten Beifall zu. Sie selbst sprach nicht viel, aber alles was sie sagte, schien mir einfach, gefühlvoll und zärtlichgenug, es gefiel mir, denn es lag fast immer etwas Schmeichelhaftes für mich darinnen. Beinah' glaubte ich, sie im Ernst zu lieben. Schon malte mir in manchen Stunden, meine Phantasie, ein reizendes Bild der Zukunft. Hierin lieblicher Wildniss, beglückt durch die Liebe der schönen, unschuldigen Geliebten, in Einsamkeit, das Leben zu verträumenkonnte dies Glück, das mir so freundlich entgegen kam, nicht das unruhige Herz befriedigen? – Ach! nur quälte es mich, dass ich bei allem diesen, so leicht die Gränze sah, dass ich hinter den Armen der Liebe, der jugendlichen Begeisterung, die um das ganze Landleben ein frisches, entzückendes Colorit verbreiteten, gleich die dumpfe, leere Einförmigkeit, das Drückende der Eingeschränkteit, musste hervorblicken sehen! – Auch Agnes schien mir nicht ganz zufrieden, oft hörte ich ihre stillen Seufzer, und ich dachte mir sogleich, dass sehnsucht, nach einem geliebten Wesen, der Grund dieser kleinen Verstimmung sein müsste, denn nur eine schöne Trauer, war mir bei ihr denkbar. Und wenn ich dann diese Vermutung leise äusserte, dann bestärkte mich ein süsses Lächeln, das halb zufrieden, halb verlegen war, ganz fest in meinen Ideen. – Soll ich Dir sagen, dass ich mir oft, dem Mädchen gegenüber, die so sanft und tief zu fühlen schien, bittere Vorwürfe darüber machte, dass ich, aller vorigen sehnsucht, all' der schönen Bilder, die mich umgaben, zum Trotz, oft eine tiefe, unerträgliche Leere in meinem Herzen empfand? – Ach! dachte ich, und meine eigenen Gedanken stimmten mich zur Wehmut, du kömmst mir entgegen, liebende Seele, mit allen deinen Blütenträumen von Lebensglück, die vom schmeichelnden Hauch der Hoffnung verführt, zum erstenmal lieblich erwachenund die Kälte, die oft wie ein schneller Nachtfrost aus meinem einst so tief gekränkten Herzen dringt, wird vielleicht die schönsten dieser Blüten verderben!

Nach einiger Zeit, erhielt Agnes einen Besuch aus dem benachbarten Städtchen; es war ein Mädchen, die sie ihre vertrauteste Freundin nannte. Sie schien von einem neuen Geist belebt, nie war sie mir so schön, so lebhaft, so anziehend erschienen. Das halblaute Geschwätz, die Neckereien, das frohe Gelächter der beiden Mädchen, nahm kein Ende, und kaum war das Mittagsmahl vorbei, so sprangen sie beide in den Wald. Wie süss, wie reizend dünkte mich der frohe Sinn dieser harmlosen Geschöpfe! und wie freute ich mich, diese einzige, liebe Gabe des himmels, auch bei dem geliebten, von der natur so reich ausgestatteten, Mädchen zu finden!

Ich ging von einer andern Seite gleichfalls in den Wald, und suchte mir ein romantisches Plätzchen zu meinem Ruheheert. Ich lag auf weichen Rasen, und ein dichter Busch, entzog mich allen Blicken. Der wohlbekannte, frische, geliebte Waldduft kam mir entgegen, und drang in mich mit allen den stillen, dunkeln Bildern von Einsamkeit, von ländlichem Leben und einfachem Glück, und mit der Gegenwart, schmolz die Vergangenheit in meinem Sinn wunderbar zusammen. – Ich fühlte auf Augenblicke ganz das süsse, reine Leben, das nichts will, und alles in sich trägt. – Da hörte ich Stimmen, und erkannte bald Agnes und ihre Freundin. Es freute mich, etwas von ihrem schuldlosen, vertrauten Geschwätz zu erfahren. Sie sprachen sehr lebhaft, und blieben nicht weit von mir stehen. O! ja, sagte Agnes, ich bin Wilhelm gewiss sehr gut, aber sage mir selbst, was habe ich denn für Aussichten mit ihm? – wer weiss, ob er die Stelle bekömmt, und wenn auchsoll ich mich denn ewig auf dem land begraben? Warum soll ich denn nicht auch das Leben geniessen, wie die Mädchens und Weiber in grossen Städten, wovon mir so viele erzählt haben? – Nein! ich muss Dir sagen, ich sehne mich recht von hier weg; und ich glaube, was mir auch schon viele versichert haben, dass ich ganz für die Stadt geschaffen bin. Ach! schweig nur, sagte die andere, Wilhelm gefällt dir nicht mehr, weil du den Fremden lieber hast. – Nein, antwortete Agnes lebhaft, ich kann dir versichern, dass ich Wilhelm weit mehr liebe, als ihn. Aber die Mutter hat erfahren, dass der Fremde sehr reich, und der Sohn eines vornehmen Mannes ist, und wenn er mir nun wirklich gut wäre; so könnte ich ja durch ihn, ein sehr grosses Glück machenund Wilhelm, könnte ich deswegen doch immer noch sehen.

Wie schneidend dies Gespräch mit meinen Gefühlen und mit dem einfachen Reiz der Waldgegend abstach, brauche ich Dir nicht zu beschreiben. – Mit meiner Liebe war es aus. Dieses Mädchen war Alles das, nur noch unausgebildet, was verdorbene Weiber in grossen Städten vollendet sind. Die schaale Bewunderung, der Flittertand, die leeren, rauschenden Freuden, galten ihr für das Höchste, wofür sie alles hingeben möchte. Ihre Seufzer, die mir so süss, so gefühlvoll geschienen hatten, galten der Einsamkeit, welche sie hinderte, ihre Vorzüge zu zeigen, die, wie sie meinte, hier keinen würdigen Schauplatz hätten, und für die Reize ihrer Lage, für die Freuden des Gefühls, der Einfachheit, hatte sie keinen Sinn. Das kluge Mädchen war mir