Hier war ich oft als Jüngling, mit Wunsch und Gefühl. Oefters weinte ich da an einem schönen Abend oder Morgen, Tränen, deren Quelle ich nicht kannte. Ach! es waren schon damals Tränen der sehnsucht, die ich Dir weinte, obwol ich Dich nicht kannte, einzige Amanda! warum sah ich Dich damals nicht, warum verband uns nicht Ein Himmel, Eine Flur? – Und als ich Dich endlich fand, als mich die Liebe mit Dir vereinigte, wie war es möglich, Dich wieder zu verlassen? – Ich habe viel darüber nachgedacht, was mich ans Leben hält, und was überhaupt den Menschen so ans Leben fesselt, und ich weiss es, ich habe es gefunden, es ist die Liebe, einzig sie allein. Wenn ich aufhöre zu lieben, so höre ich auch gewiss auf zu leben. Nur Liebe oder Eigennutz sind die Bande, die alle menschliche Gesellschaft zusammen halten, und wenn ich mich in schwarzen Stunden der Selbstqual ungeliebt und ohne Liebe denke, so schaudert mir, und ich ergreife rasch Dein Bild oder Deine Briefe. – Ich bin jung, und habe wenig Leiden erprüft, aber doch nicht selten schmerzlich die Nichtigkeit aller Freude gefühlt. Meine lebhafte Phantasie zauberte mich in alle noch ungeprüfte Lagen bis zur Wirklichkeit hinein. Ehe ich Dich kannte, fühlte ich öfters unbeschreibliches Verlangen, banges Gefühl von Alleinsein. Die natur war damals meine Geliebte. Wie oft bin ich auf die Knie gesunken, den Busen voll Sturm, das Auge voll Tränen, und habe die Blumen geküsst und die Erde! – Dann schwärmte ich rastlos umher, und ich brauche Dir nicht zu sagen, dass es kein gemeiner Taumel, kein gewöhnlicher Durst nach Vergnügen war. Eine Art von Verzweiflung jagte mich, und bei allem Reichtum meiner Gefühle, dünkte ich mich arm. Da führte mein Genius Dich zu mir – und alles, was ich je empfunden, wiederholte sich schöner bei Dir. Der sehnsucht Träne, der Wehmut Seligkeit, die tiefe Ehrfurcht, das stumme Entzücken, – das alles gab ich nun Dir, und Du warst reicher als die natur, Du nahmst und gabst. – O! Einklang der Seelen! Mitteilung ohne Worte! O! selige, selige, selige Zeit! – Gleich einer glücklichen Insel ragt sie aus dem Strom des Lebens hervor. Die Liebe leitete uns auf geheimnissvollem Weg dahin; aber wir mussten sie verlassen, unser Weg hat weiter keinen Zusammenhang mit ihr, und einsam und getrennt treibt der Strom den öden Nachen hinab. – Was soll ich nun allein auf den dunklen Wellen, wo Du, leuchtendes Gestirn! mir fehlst? – Ach! ich bin so kleinmütig! und das macht die Entfernung allein, die Entbehrung, die mich alles Sinnes und Mutes beraubt! – Die Welt weicht von mir zurück. Leiser, und immer leiser verhallen in dem weiten All die Töne der Liebe, der Freude, unvermerkt löset sich ein Band nach dem andern, und an dem grossen Accord menschlicher Wünsche und Freuden schliesst sich der Ton meines Herzens nicht mehr an. Dein Brief taut Balsam auf mein wundes Herz, und gräbt die Wunde doch tiefer. Ich denke mich bis zum Wahnsinn in alle verschiedenen Lagen hin, worin ich Dich so oft gesehen. Ach! dass ich die Träume, die die sehnsucht Deinem Auge entlockt, wenn Du einsam in die nächtliche Gegend blickst, nicht von Deinen Wangen küssen kann! dass ich nicht mehr gegenwärtig bin, um die Musik Deiner Rede zu vernehmen, wenn Deine Lippen sich so anmutsvoll bewegen, dass ich oft selbst das hören darüber vergass! – Kann der tote Buchstabe mir ersetzen, was einst so lebensvoll, so göttlich vor mir stand? – Nein! meine Empfindung gleicht der Empfindung eines Greises, der aus dem Schatten der Ruhe noch einmal auf den schimmernden Blumenpfad seiner Jugend zurückblickt. Alles Glück liegt hinter ihm, und vor ihm, eine stille, leere, dunkle Gegend.
Ein Plätzchen habe ich hier gefunden, heimlich zwischen Bergen und Gesträuch, dem Garten ähnlich, wo einst Engel zu mir herabstiegen. Hier will ich mir eine kleine Kapelle bauen, einfach, prunklos und mit weichem Boden, dass man leise geht, wie der verstohlne Tritt der Liebe. über dem Altar hängt Dein Bild; auf ihm liegt alles, was ich je in seligen Stunden von Bändern, Blumen und Briefen von Dir erhielt. Vier Säulen sind darinnen, der Phantasie, Erinnerung, Hoffnung und Liebe geweiht, und jede trägt das Gemälde einer Sonne aus der kurzen Blütenzeit meines Glücks. Zuweilen muss ich auch einen Menschen mit mir dahin führen, um dort zu beten, denn welcher Genuss ist ungeteilt? – Aber behutsam, sehr behutsam werde ich sein in meiner Wahl, und wohl manches Jahr wird hingehen, dass keiner in den Tempel meiner Allgegenwärtigen tritt. Und wenn auch einer der Erste seines Jahrhunderts wäre, so müsste er dennoch geliebt, glücklich geliebt haben, wenn er mich begleiten dürfte. Aber grosse Menschen werden nicht ohne Liebe; sie allein bringt uns den Vollkommnen näher. – Wäre nur meine Kapelle schon fertig, dass ich mich in den heissen Augenblicken der Unruhe und der sehnsucht, dahin verbergen könnte! Amanda! ich bin in Verzweiflung! – In meiner Zerstreuung hab' ich vergessen, dem Boten, der Briefe in die Stadt trägt, diesen Brief an Dich mitzugeben. Das Aussenbleiben desselben wird Dich beunruhigen, und ich kann diesen Gedanken nicht ertragen. Ich