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von Freude macht. – "Bei ihr," schreibt er, "finde ich noch die liebe alte Fröhlichkeit, die, von uns entflohen, einst der Genius besserer zeiten war, die nicht erst lange fragt, warum? und ob mit Grund? und ob alles in der ganzen Welt dazu passt? nein, frei aus dem Herzen herausquillt, und gleich einer erwärmenden Frühlingssonne, auch in Andern, manche ferne, erstorbene Freude weckt. Nanette plagt sich nicht mit Vorbereitungen zum Lebensie lebt. Von andern wenig fodern, auf sich selbst rechnen, übrigens so wenig als möglich, an sich denken, und lustig fortleben, dies ist ihre Weisheit, die einzigen Regeln, die sie befolgt."

Ich danke Dir, Amanda, dass Du mir nichts von Albret schreibst, denn ich verheele Dirs nicht, dass sein Name mir stets, wie ein glühendes Eisen, durchs Herz fährt. Ich verehre Deine Handlungsart, aber das vermindert meine Schmerzen nicht, ich werde kalt und warm, und taumle zwischen Wehmut und Ungestüm, wenn ich an ihn denke. – O! warum warst Du so fremd, mit Deinem eignen Herzen? Und, warum mussten wir uns jetzt erst finden? –

In wenig Tagen reise ich aufs Land, an den Ort, wo ich die ersten, goldnen Tage des Lebens zubrachte. Dort werde ich auch meinen Vater einen Tag früher sehen können, der mit seiner Ankunft mir schon viel zu lang zögert. Aber ich habe nicht den Mut, mich darauf zu freuen, vielmehr fürchte ich, irgend ein Hinderniss könnte mir dort die Nachrichten von Dir, länger vorentalten, und diese sind jetzt das höchste Ziel meiner sehnsucht. Schreibe mir Verbannten bald. Gute Nacht, mein Leben, meine Seligkeit, mein Allesach! warum antwortest Du nicht? –

Zwei und zwanzigster Brief

Amanda an Eduard

Eduard! ich bin alleindie romantische Stille der Nacht, ruht auf allen Wesen. Vor gerissnen, dunklen Wolken, steht einsam der Stern der Liebe; Ein geistiger Schein verklärt das ferne Gebirge, indess tiefe ambrosische Nacht, das vor mir liegende Tal bedeckt.

Ach! aus allen Wesen ist die Bedeutung gewichen; ein kaltes Licht strömt von dem Stern hernieder, und in den leisen, durch die Nacht verstreuten Tönen, liegt Trauer und Wehmut. – Eduard, ist dies die Welt, die einst so schön, so heiter war? – Welch ein allmächtiger Zauber lag in Deiner Nähe! – Du wusstest es nicht, nein! Du wusstest nicht, wie Du geliebt wurdest. – Die Luft hauchte mir Deinen Atem, in dem Geflüster der Blätter hörte ich Deine stimme, der Mond beleuchtete nur Deinen Pfad. Ich wusste es, eine solche Nacht liess Dich nicht ruhen. Du eiltest hinaus, in die natur, vor Deinen Augen entfaltete sich eine neue Welt, himmlische Freiheit und Liebe empfing Dich, und die heiligen Stimmen der Nacht, riefen wunderbare Bilder vor Dein Gemüt.

Dann, ach! das wusste ich auchzog Dich ein allmächtiger Zug zu mir hin. Du wandeltest durch blühende Haine, blühender und lebendiger als sie, und eine stärkere sehnsucht entflammte Dich. Wenn ich dann hinaus sah, in die nächtliche, liebeatmende Welt, und hinter jedem Gesträuch Dich ahnen durfte, wie ward mir dann die Gegend so lieb, so heilig! Wie strömte aus Deinen Blicken ein neuer, himmlischer Reiz über sie hin! – Deine Wünsche waren jugendlich wie die Frühlingsblumen, Deine Phantasie himmlisch, wie das Licht der Sterne, Deine Gefühle lebendig, wie der rauschende Bach. – Jetzt überfällt mich namenlose Wehmut, wenn ich die blühende natur um mich erblicke, und mich von Dir getrennt, in dieser blühenden natur. Vergebens sage ich mir, dass jedes Glückauch die Liebe, enden muss, besser gewaltsam durch Trennung als langsam durch die Zeitdas Innerste des Herzens widerspricht, und meine Tränen strafen mich Lügen.

Seit einigen Tagen ist Julie hier, und wie wohl mir ihre Gegenwart tut, wirst Du fühlen, da Du weisst, wie ich sie liebe; doch habe ich manches an ihr anders gefunden, als ich mir es dachte. – Sie will um ihre, nicht ganz feste Gesundheit, zu stärken, diesen Sommer das hiesige Bad brauchen, und hat sich gefreut, dies mit meinem Wunsch, sie bei mir zu sehe'n, vereinigen zu können. Die Jahre, während wir uns nicht sahen, haben den Duft der Jugend von ihrem Geist abgestreift, und sie hat manches in ihrem Wesen, was mir weh tut, was ich hart nennen möchte, wenn ich es nicht wegen der Uebereinstimmung des Ganzen gern ertrüge. Sie ist ganz das, was sie sein wollte, eine Frau, die Vergangenheit und Zukunft, stets im Bezug auf die Gegenwart denkt, mit ihren Verhältnissen in Eintracht lebt, den Lebensgenuss weise verteilt, um damit bis ans Ende auszureichen, und die Befriedigung des, allen Menschen eignen Triebes nach Glück, mehr von dem Verstand als dem Gefühl erwartet. Freilich lässt sich von einem solchen Gemüt schwerlich Billigung und lebhafte Teilnahme an einer leidenschaft erwarten, die wie die unsrige, alle Verhältnisse des Lebens vergisst, den ganzen Himmel in Momente zusammen fasst, und aus dem geheimnissvollen Quell der Gefühle, unendliche Freuden und unendliche Qualen schöpft. Gleichwol liebe ich sie, weil sie mir gibt, was sie mir geben kann, weil Jugendgefühle, Erinnerungen, mich an