, wie schwer es mir oft wird, in Gesellschaft die nötige Fassung zu behalten. Meine Seele ist jetzt in einem so hohen Grad zur Wehmut gestimmt, dass alles, was nur den leisesten Bezug auf Dich hat – und wo fände ich ihn nicht? – mich unbeschreiblich erschüttert. Gestern sagte einer bei Tische die Stelle aus Carlos:
"Gehört die süsse Harmonie, die in
Dem Saitenspiele schlummert, seinem Käufer,
Der es mit taubem Ohr bewacht? Er hat
Das Recht erkauft, in Trümmern es zu schlagen,
Doch nicht die Kunst, den Silberton zu rufen,
Und in des Liedes Wonne zu zerschmelzen.
Die Wahrheit ist vorhanden für den Weisen,
Die Schönheit für ein fühlend Herz.
Sie beide gehören für einander."
Dies ergrif mich so gewaltig, dass ich hinaus gehen musste. So geht es mir sehr oft, und das Schrecklichste dabei ist, dass ich dann noch Vorwände suchen muss, wenn ich nicht für einen Toren gehalten sein will. Dann bringe ich bald der Wirtin Blumen, oder werfe irgend eine sonderbare Frage auf, und muss so noch an kalte Gesellschaftsregeln denken, indess meine ganze Seele von sehnsucht nach Dir glüht!
Endlich Nachricht von Dir – das ist der erste, lichte Moment meines ganzen, fern von Dir verträumten Daseins. Jeder Buchstabe von Dir, ist mir heilig. Was für ein Himmel liegt in Deiner Liebe, einzige, geliebte Amanda! Ich bin eifersüchtig auf Dich, denn gewiss hat Dir mein Brief nicht das Entzücken gewährt, wie mir der Deinige. In Allem möchtest Du mich übertreffen, nur hierinnen solltest Du mich nicht zurücklassen. Und dennoch möchte ich um Alles in der Welt nicht, dass Dein Brief mir weniger Freude gemacht hätte. So ist kein Zustand im Leben so voll Widersprüche, wie der Zustand der Liebe; die Zeit der Liebe ist nicht die Zeit der Ruhe. Wie ist es doch möglich, dass wir bei diesen Widersprüchen, bei dieser Unruhe so glücklich sind?
Ich beneide Dich, Amanda, obwol ich Dir es gönne, obwol ich alle Freuden meines Daseins hingeben möchte, um Dich froher zu wissen. Ich beneide Dich, dass Du dort lebst, wo jede Aussicht, jedes Plätzchen neue Schwärmereien weckt, und süsse Qualen nährt. Was gäbe ich darum, wenn ich ungestört meinen Träumen nachhängen könnte! Du weisst, wie wenig ich über die Aeusserungen meiner herrschenden Stimmung zu gebieten vermag, und hier, im Kreise meiner Verwandten und ältern Bekannten, muss ich es fast immer. Mein einziger Trost ist oft, von Dir zu sprechen, so wie sich nur die entfernteste gelegenheit darbietet. Alle kleine, von Dir gesammelten Züge, alles Freie, Hohe, Interessante, Schöne, wird erzählt, und da ich nicht von einer Einzigen sprechen will, so verteile ich Deine Vorzüge auf alle die Weiber, die in Deinem Kreise leben, und es ist für alle genug, reicht vollkommen hin, um hier die weibliche Eitelkeit durch eure Unerreichbarkeit zu kränken. Sieh', meine Amanda so reich bist Du; und dass man Dir das erst sagen muss, das macht Dich eben noch reicher.
Aufrichtigkeit – wie hat mich das Wort ergriffen, als ich es in Deinem Briefe fand! Jener Stunde, worin Du Dich so schön hierüber erklärtest, gedenke ich noch oft und gern. Ich lag auf den Knieen vor Dir, das Herz voll Qualen der Eifersucht. Es war spät; ich hatte Dich aus einem glänzenden Zirkel nach haus begleitet, wo Dein Reiz, Deine Anmut, alle Weiber überstrahlt, alle Männer geblendet hatte. Ich sah die trunknen Blicke nach Dir hintaumeln, und wie selbst kältere Herzen, Dir unwiderstehlich zuflogen, als Du mit seelenvollem Ausdruck, zu den schmelzenden Tönen einer Laute sangst. Ich stand in einiger Entfernung, und atmete kaum. Meine Blicke irrten auf Deiner Gestalt umher, und liebten alles, bis auf die schimmernden Ketten, die Deine arme umschlossen. Diese schöngebildete Hand ist mein, sagte ich mir freudig, dieser Arm, dieser Nacken, diese Wange, dieser Mund – und mir schwindelte vor Entzücken. – Aber es wird, es kann nicht mein bleiben, dachte ich weiter. Die Ansprüche, die ein jeder an sie tut, ihr jugendlicher Sinn, ihr vorzüglicher Geist – genug, ich sagte Dir alles, was mich quälte, als wir allein waren, und Deine süssesten Versicherungen konnten mich nicht beruhigen. Da sprachst Du: Vertrauen ist das einzige Band, was die liebenden Seelen in fester, zarter Gemeinschaft erhält. Aller Zauber der Phantasie, vermag nichts über die Herzen, wenn nicht Wahrheit des Gefühls zum grund liegt. Sollte ich je anders für Dich fühlen, als jetzt – was mir unmöglich scheint, so sage ich Dir es frei, und auch Dich halte keine vermeinte Zarteit ab, die immer Falschheit bleibt, mir alles, was in Dir vorgeht, zu vertrauen. – Da gelobten wir einander stete Aufrichtigkeit, und es tröstete und labte mich dieser Bund über Alles.
Barton hat mir geschrieben, doch was ich so sehnlich von seinem Briefe wünschte und erwartete, fand ich nicht. Er schreibt wenig und nichts Befriedigendes von Dir; aber wie sollte er anders? – Habe ich nicht durch meine hartnäckige Verschlossenheit seinen Unwillen verdient? Ist es nicht an mir, alles wieder gut zu machen? – Dagegen schreibt er mir von Nanetten, mit einer feurigen Beredsamkeit, die mir an ihm fremd ist, und mir eine sonderbare Art