, ihrer Stärke, mir Lästerung zu sein schien. – Indessen, was mir auch darinnen missfällig sein konnte, so fand ich doch, Albrets Benehmen, in diesem Fall untadelich, ja! edel. – Seitdem
hat er nie wieder über diesen Gegenstand, mit mir gesprochen, aber täglich verwickelt er mich absichtlich, immer mehr in einen Wirbel von Zerstreuung und Lustbarkeiten, wo ich ihm nicht glänzend genug erscheinen kann. Ich gestehe Dir, dass ich nicht weiss, was ich davon denken soll. Bin ich das Spielzeug seiner Eitelkeit, oder neuer, mir unbekannter Absichten? – Ach! die Liebe macht mich für alles andere ungeschickt, und raubt mir alles Urteil! Eduard hat mir geschrieben. Seitdem weiss ich, dass die Welt noch Reiz für mich hat; ich ahne wieder einen leisen Einklang im Spiel des Lebens, und bin mir selbst wieder gegeben. Seine Klagen haben mich geweckt, und die sorge, ihn zu trösten, führt meinem eignen herz Beruhigung zu. Wie sehr wünschte ich, meine Julie, dass Deine Einrichtung, Dir jetzt verstattete, zu mir zu kommen. Deine Gegenwart ist mir nie so notwendig gewesen, und sie würde das begonnene Werk vollenden. – Nanette ist seit einiger Zeit wieder hier, aber sie scheint sich von mir zu entfernen, wenigstens ist sie so unbefangen nicht mehr, wie vormals. Zuweilen blickt sie mich liebevoll an, und ein fremder Zwang scheint ihren Mund zu verschliessen; dann aber glaube' ich auch, Misstrauen und Zweifel in ihren Augen zu lesen. – Und, soll ich Dirs gestehen? – beinah' ist es mir jetzt gleichgültig. – Ach! seit ich ihn verloren habe, welchen Verlust kann ich noch fürchten?
Neunzehnter Brief
Eduard an Amanda
Wir halten hier in einem elenden Ort, weil mein Bedienter krank geworden ist. Nur mit Mühe konnte sich Barton, der mich einige Tagereisen mit begleitet, entschliessen, diese Nacht hier zuzubringen, denn rastlos lies er mit mir dahin jagen, und der Wagen flog ihm nie schnell genug. Ich lasse mir alles gefallen, ich habe keine Kraft, keinen Willen mehr. Amanda, Amanda, was ist aus mir geworden? – O! wie wenig wusste ich, was Trennung war, wie frevelnd war der Mut, mit dem ich sie zu ertragen hofte! – Ich fürchte in eine gänzliche Melancholie zu verfallen, und wird es nicht besser mit mir, so kehre ich, trotz allen Gründen, allen Verhältnissen zu Dir zurück. Du bist das einzige Wesen auf der Welt, dem ich ausschliessend angehöre. Andre bildeten mich zum Menschen, aber Du erhobst mich zum Gott; von Dir getrennt, sinke ich tiefer hinab, je höher ich stand. – Die ganze natur scheint fühllos gegen meine Qual. Der blaue Himmel und die lachenden Fluren, spotten meines Kummers, die Menschen können mein unendliches Leid nicht fassen, und ihre unselige Kunst, entfernt mich schnell, und immer schneller von dem Ort, der all' meine Liebe, mein Leben, meine Freiheit in sich schliesst. – Vergolde nur immer, Abendsonne! die träumende Erde, du vergoldest die Träume meines Herzens nicht mehr! Ich bin tod, ohne gestorben zu sein. Der magische Ring. ist zerbrochen, womit mein Sinn alle Erscheinungen in lieblicher Einheit zusammen hielt, und die Harmonie des Weltalls, ist mit der Harmonie meiner Seele entwichen. Die Unendlichkeit hat Grenzen, und ein kaltes Schicksal ist in dem Kreis meiner Gedanken an die Stelle der göttlich freien Willkühr getreten. Ich hasse die Welt, und in der Welt mich selbst am meisten. Amanda! schöne Seele! – Deine Wirkungen sind allgegenwärtig, wie die Gotteit und begegnen mir da, wo ich es nicht im geringsten vermutete. Eine arme Vertriebene, die tiefer als viele andere ihres Gleichen gebeuget zu sein schien, kam zu uns, und klagte uns ihr Leid. Als sie aus einer unscheinbaren Brieftasche eine kleine Schrift hervorzog, die als Beglaubigungsschein ihres Unglücks gelten sollte, entfaltete sich ein andres Papier, worauf ich Deine Hand zu erkennen glaubte. Kaum bemerkte sie meine Aufmerksamkeit, als sie mir es überreichte, und mit ungewöhnlicher Rührung Dein Lob anstimmte. Ich las Deine freundlichen Worte, deren feine Wendung ein grössrer Balsam auf die Wunde der Unglücklichen war, als selbst Dein ansehnliches Geschenk. Ich küsste die geliebte Schrift; es war das erste, was ich seit unsrer Trennung von Dir sah; ich wünschte, sie zu besitzen, und bot der Frau eine beträchtliche Summe. Sie schlug sie aus, jedoch mit sichtbarer Resignation. Ach! es ist traurig, wenn das feinere Gefühl gegen Mangel zu kämpfen hat! – Ich gab ihr das Geld, und liess ihr Deine Schrift, jedoch auch nicht ohne Resignation. Wir sind wieder weiter gereisst, da der Kranke sich bald gebessert hatte. Unsre Pferde laufen unerträglich schnell vorwärts, und der Raum schmilzt vor unsrer fliegenden Eil behende hinweg, indess er zwischen mir und Dir immer mehr anwächst. Ach! Amanda, ich kann die Trennung von Dir, immer weniger ertragen! Meine Gesundheit leidet, und nur die Hoffnung auf einen Brief von Dir, hält mein fliehendes Leben noch fest. – Doch, sorge nicht, Geliebte, ängstige Dich nicht! es wird besser werden, oder ich kehre, so bald ich meinen Vater ein einzigmal umarmt habe, unaufhaltsam zu Dir zurück.
Ich bin so stolz geworden, und so demütig, dass ich mich selbst nicht mehr