1802_Novails_082_55.txt

an unsern vollen Tischen

Einmal fröhlich sass.

Klagen sind nicht mehr zu hören,

Keine Wunder mehr zu sehen,

Keine Tränen abzuwischen;

Ewig läuft das Stundenglas.

Tiefgerührt von heilger Güte

Und versenkt in selges Schauen

Steht der Himmel im Gemüte,

Wolkenloses Blau;

Lange fliegende Gewande

Tragen uns durch Frühlingsauen,

Und es weht in diesem land

Nie ein Lüftchen kalt und rauh.

Süsser Reitz der Mitternächte,

Stiller Kreis geheimer Mächte,

Wollust rätselhafter Spiele,

Wir nur kennen euch.

Wir nur sind am hohen Ziele,

Bald in Strom uns zu ergiessen

Dann in Tropfen zu zerfliessen

Und zu nippen auch zugleich.

Uns ward erst die Liebe, Leben;

Innig wie die Elemente

Mischen wir des Daseins Fluten,

Brausend Herz mit Herz.

Lüstern scheiden sich die Fluten,

Denn der Kampf der Elemente

Ist der Liebe höchstes Leben,

Und des Herzens eigenes Herz.

Leiser Wünsche süsses Plaudern

hören wir allein, und schauen

Immerdar in selge Augen,

Schmecken nichts als Mund und Kuss.

Alles was wir nur berühren

Wird zu heissen Balsamfrüchten,

Wird zu weichen zarten Brüsten,

Opfern kühner Lust.

Immer wächst und blüht Verlangen

Am Geliebten festzuhangen,

Ihn im inneren zu empfangen,

Einst mit ihm zu sein,

Seinem Durste nicht zu wehren,

Sich im Wechsel zu verzehren,

Von einander sich zu nähren,

Von einander nur allein.

So in Lieb' und hoher Wollust

Sind wir immerdar versunken,

Seit der wilde trübe Funken

Jener Welt erlosch;

Seit der Hügel sich geschlossen,

Und der Scheiterhaufen sprühte,

Und dem schauernden Gemüte

Nun das Erdgesicht zerfloss.

Zauber der Erinnerungen,

Heilger Wehmut süsse Schauer

Haben innig uns durchklungen,

Kühlen unsre Glut.

Wunden gibt's, die ewig schmerzen,

Eine göttlich tiefe Trauer

Wohnt in unser aller Herzen,

Löst uns auf in Eine Flut.

Und in dieser Flut ergiessen

Wir uns auf geheime Weise

In den Ozean des Lebens

Tief in Gott hinein;

Und aus seinem Herzen fliessen

Wir zurück zu unserm Kreise,

Und der Geist des höchsten Strebens

Taucht in unsre Wirbel ein.

Schüttelt eure goldnen Ketten

Mit Smaragden und Rubinen,

Und die blanken saubern Spangen,

Blitz und Klang zugleich.

Aus des feuchten Abgrunds Betten,

Aus den Gräbern und Ruinen,

Himmelsrosen auf den Wangen

Schwebt in's bunte Fabelreich.

Könnten doch die Menschen wissen,

Unsre künftigen Genossen,

Dass bei allen ihren Freuden

Wir geschäftig sind:

Jauchzend würden sie verscheiden,

Gern das bleiche Dasein missen, –

O! die Zeit ist bald verflossen,

kommt Geliebte doch geschwind!

Helft uns nur den Erdgeist binden,

Lernt den Sinn des Todes fassen

Und das Wort des Lebens finden;

Einmal kehrt euch um.

Die Macht muss bald verschwinden,

Dein erborgtes Licht verlassen,

Werden dich in kurzem binden,

Erdgeist, deine Zeit ist um.

Dieses Gedicht war vielleicht wiederum ein Prolog zu einem zweiten Kapitel. Jetzt sollte sich eine ganz neue Periode des Werkes eröffnen, aus dem stillsten tod sollte sich das höchste Leben hervortun; er hat unter toten gelebt und selbst mit ihnen gesprochen, das Buch sollte fast dramatisch werden, und der epische Ton gleichsam nur die einzelnen Szenen verknüpfen und leicht erklären. Heinrich befindet sich plötzlich in dem unruhigen Italien, das von Kriegen zerrüttet wird, er sieht sich als Feldherr an der Spitze eines Heeres. Alle Elemente des Krieges spielen in poetischen Farben; er überfällt mit einem flüchtigen Haufen eine feindliche Stadt, hier erscheint als Episode die Liebe eines vornehmen Pisaners zu einem Florentinischen Mädchen. Kriegslieder. "Ein grosser Krieg, wie ein Zweikampf, durchaus edel, philosophisch, human. Geist der alten Chevalerie. Ritterspiel. Geist der bacchischen Wehmut. – Die Menschen müssen sich selbst untereinander tödten, das ist edler als durch das Schicksal fallen. Sie suchen den Tod. – Ehre, Ruhm ist des Kriegers Lust und Leben. Im tod und als Schatten lebt der Krieger. Todeslust ist Kriegergeist. – Auf Erden ist der Krieg zu haus. Krieg muss auf Erden sein." – In Pisa findet Heinrich den Sohn des Kaisers Friedrich des Zweiten, der sein vertrauter Freund wird. Auch nach Loretto kommt er. Mehrere Lieder sollten hier folgen.

Von einem Sturm wird der Dichter nach Griechenland verschlagen. Die alte Welt mit ihren Helden und Kunstschätzen erfüllt sein Gemüt. Er spricht mit einem Griechen über die Moral. Alles wird ihm aus jener Zeit gegenwärtig, er lernt die alten Bilder und die alte geschichte verstehn. gespräche über die griechischen Staatsverfassungen; über Mytologie.

Nachdem Heinrich die Heldenzeit und das Altertum hat verstehen lernen, kommt er nach dem Morgenlande, nach welchem sich von Kindheit auf seine sehnsucht gerichtet hatte. Er besucht Jerusalem; er lernt orientalische Gedichte kennen. Seltsame begebenheiten mit den Ungläubigen halten ihn in einsamen Gegenden zurück, er findet die Familie des morgenländischen Mädchens; (s. den I.T.); die dortige Lebensweise einiger nomadischen Stämme. Persische Mährchen. Erinnerungen aus der ältesten Welt. Immer sollte das Buch unter den verschiedensten begebenheiten denselben Farben-Charakter behalten, und an die blaue Blume erinnern: durchaus sollten zugleich die entferntesten und verschiedenartigsten Sagen verknüpft werden, Griechische, orientalische, biblische und christliche, mit Erinnerungen und Andeutungen der Indischen wie der nordischen Mytologie. Die Kreuzzüge. Das Seeleben. Heinrich geht nach Rom. Die Zeit der Römischen geschichte.

Mit Erfahrungen gesättigt kehrt Heinrich nach Deutschland zurück. Er findet seinen Grossvater, einen tiefsinnigen Charakter, Klingsohr ist in seiner Gesellschaft. Abendgespräche mit den beiden.

Heinrich begiebt sich an