hielt die kleine Fabel, die beinah umgesunken wäre. Eros Helmbusch wallte empor, Wirf das Schwerdt weg, rief Fabel, und erwecke deine Geliebte. Eros liess das Schwerdt fallen, flog auf die Prinzessin zu, und küsste feurig ihre süssen Lippen. Sie schlug ihre grossen dunkeln Augen auf, und erkannte den Geliebten. Ein langer Kuss versiegelte den ewigen Bund.
Von der Kuppel herunter kam der König mit Sophien an der Hand. Die Gestirne und die Geister der natur folgten in glänzenden Reihen. Ein unaussprechlich heitrer Tag erfüllte den Saal, den Pallast, die Stadt, und den Himmel. Eine zahllose Menge ergoss sich in den weiten königlichen Saal, und sah mit stiller Andacht die Liebenden vor dem Könige und der königin knieen, die sie feierlich segneten. Der König nahm sein Diadem vom haupt, und band es um Eros goldene Locken. Der alte Held zog ihm die Rüstung ab, und der König warf seinen Mantel um ihn her. Dann gab er ihm die Lilie in die linke Hand, und Sophie knüpfte ein köstliches Armband um die verschlungenen hände der Liebenden, indem sie zugleich ihre Krone auf Freias braune Haare setzte.
Heil unsern alten Beherrschern, rief das Volk. Sie haben immer unter uns gewohnt, und wir haben sie nicht erkannt! Heil uns! Sie werden uns ewig beherrschen! Segnet uns auch! Sophie sagte zu der neuen königin: Wirf du das Armband eures Bundes in die Luft, dass das Volk und die Welt euch verbunden bleiben. Das Armband zerfloss in der Luft, und bald sah man lichte Ringe um jedes Haupt, und ein glänzendes Band zog sich über die Stadt und das Meer und die Erde, die ein ewiges fest des Frühlings feierte. Perseus trat herein, und trug eine Spindel und ein Körbchen. Er brachte dem neuen Könige das Körbchen. Hier, sagte er, sind die Reste deiner Feinde. Eine steinerne Platte mit schwarzen und weissen Feldern lag darin, und daneben eine Menge Figuren von Alabaster und schwarzem Marmor. Es ist ein Schachspiel, sagte Sophie; aller Krieg ist auf diese Platte und in diese Figuren gebannt. Es ist ein Denkmal der alten trüben Zeit. Perseus wandte sich zu Fabeln, und gab ihr die Spindel. In deinen Händen wird diese Spindel uns ewig erfreuen, und aus dir selbst wirst du uns einen goldnen unzerreisslichen Faden spinnen. Der Phönix flog mit melodischem Geräusch zu ihren Füssen, spreizte seine Fittiche vor ihr aus, auf die sie sich setzte, und schwebte mit ihr über den Tron, ohne sich wieder niederzulassen. Sie sang ein himmlisches Lied, und fing zu spinnen an, indem der Faden aus ihrer Brust sich hervorzuwinden schien. Das Volk geriet in neues Entzücken, und aller Augen hingen an dem lieblichen kind. Ein neues Jauchzen kam von der Tür her. Der alte Mond kam mit seinem wunderlichen Hofstaat herein, und hinter ihm trug das Volk Ginnistan und ihren Bräutigam, wie im Triumph, einher.
Sie waren mit Blumenkränzen umwunden; die königliche Familie empfing sie mit der herzlichsten Zärtlichkeit, und das neue Königspaar rief sie zu seinen Stattaltern auf Erden aus.
Gönnet mir, sagte der Mond, das Reich der Parzen, dessen seltsame Gebäude eben auf dem hof des Pallastes aus der Erde gestiegen sind. Ich will euch mit Schauspielen darin ergötzen, wozu die kleine Fabel mir behülflich sein wird.
Der König willigte in die Bitte, die kleine Fabel nickte freundlich, und das Volk freute sich auf den seltsamen unterhaltenden Zeitvertreib. Die Hesperiden liessen zur Tronbesteigung Glück wünschen, und um Schutz in ihren Gärten bitten. Der König liess sie bewillkommen, und so folgten sich unzählige fröliche Botschaften. Unterdessen hatte sich unmerklich der Tron verwandelt, und war ein prächtiges Hochzeitbett geworden, über dessen Himmel der Phönix mit der kleinen Fabel schwebte. drei Karyatiden aus dunkelm Porphyr trugen es hinten, und vorn ruhte dasselbe auf einer Sphinx aus Basalt. Der König umarmte seine errötende Geliebte, und das Volk folgte dem Beispiel des Königs, und liebkoste sich unter einander. Man hörte nichts, als zärtliche Namen und ein Kussgeflüster. Endlich sagte Sophie: Die Mutter ist unter uns, ihre Gegenwart wird uns ewig beglücken. Folgt uns in unsere wohnung, in dem Tempel dort werden wir ewig wohnen, und das geheimnis der Welt bewahren. Die Fabel spann ämsig, und sang mit lauter stimme:
Gegründet ist das Reich der Ewigkeit,
In Lieb' und Frieden endigt sich der Streit,
vorüber ging der lange Traum der Schmerzen,
Sophie ist ewig Priesterin der Herzen.
Zweiter teil: Die Erfüllung
Das Kloster, oder der Vorhof
Astralis
An einen Sommermorgen ward ich jung
Da fühlt ich meines eignen Lebens Puls
Zum erstenmal – und wie die Liebe sich
In tiefere Entzückungen verlohr,
Erwacht' ich immer mehr und das Verlangen
Nach innigerer gänzlicher Vermischung
Ward dringender mit jedem Augenblick.
Wollust ist meines Daseins Zeugungskraft.
Ich bin der Mittelpunkt, der heilge Quell,
Aus welchem jede sehnsucht stürmisch fliesst
Wohin sich jede sehnsucht, mannichfach
Gebrochen wieder still zusammen zieht.
Ihr kennt mich nicht und saht mich werden –
Wart ihr nicht Zeugen, wie ich noch
Nachtwandler mich zum ersten Male traf
An jenem frohen Abend? Flog euch nicht
Ein süsser Schauer der Entzündung an? –
Versunken lag ich ganz in Honigkelchen.
Ich duftete, die Blume schwankte still
In goldner Morgenluft. Ein innres Quellen
War ich, ein sanftes Ringen, alles floss
Durch mich und über mich und hob mich leise.
Da sank