einander bald wieder zu sehen. Auf einem dieser Schlösser, wo sie gegen Abend hinkamen, ging es frölich zu. Der Herr des Schlosses war ein alter Kriegsmann, der die Musse des Friedens, und die Einsamkeit seines Aufentalt mit öftern Gelagen feierte und unterbrach, und ausser dem Kriegsgetümmel und der Jagd keinen andern Zeitvertreib kannte, als den gefüllten Becher.
Er empfing die Ankommenden mit brüderlicher Herzlichkeit, mitten unter lärmenden Genossen. Die Mutter ward zur Hausfrau geführt. Die Kaufleute und Heinrich mussten sich an die lustige Tafel setzen, wo der Becher tapfer umherging. Heinrichen ward auf vieles Bitten in Rücksicht seiner Jugend das jedesmalige Bescheidtun erlassen, dagegen die Kaufleute sich nicht faul finden, sondern sich den alten Frankenwein tapfer schmecken liessen. Das Gespräch lief über ehmalige Kriegsabenteuer hin. Heinrich hörte mit grosser Aufmerksamkeit den neuen Erzählungen zu. Die Ritter sprachen vom heiligen land, von den Wundern des heiligen Grabes, von den Abenteuern ihres Zuges, und ihrer Seefahrt, von den Sarazenen, in deren Gewalt einige geraten gewesen waren, und dem frölichen und wunderbaren Leben im feld und im Lager. Sie äusserten mit grosser Lebhaftigkeit ihren Unwillen jene himmlische Geburtsstätte der Christenheit noch im frevelhaften Besitz der Ungläubigkeit zu wissen. Sie erhoben die grossen Helden, die sich eine ewige Krone durch ihr tapfres, unermüdliches Bezeigen gegen dieses ruchlose Volk erworben hätten. Der Schlossherr zeigte das kostbare Schwerdt, was er einem Anführer derselben mit eigner Hand abgenommen, nachdem er sein Castell erobert, ihn getödtet, und seine Frau und Kinder zu Gefangenen gemacht, welches ihm der Kayser in seinem Wappen zu führen vergönnet hatte. Alle besahen das prächtige Schwerdt, auch Heinrich nahm es in seine Hand, und fühlte sich von einer kriegerischen Begeisterung ergriffen. Er küsste es mit inbrünstiger Andacht. Die Ritter freuten sich über seinen Anteil. Der Alte umarmte ihn, und munterte ihn auf, auch seine Hand auf ewig der Befreiung des heiligen Grabes zu widmen, und das wundertätige Kreuz auf seine Schultern befestigen zu lassen. Er war überrascht, und seine Hand schien sich nicht von dem Schwerdte losmachen zu können. Besinne dich, mein Sohn, rief der alte Ritter. Ein neuer Kreuzzug ist vor der Tür. Der Kayser selbst wird unsere Schaaren in das Morgenland führen. Durch ganz Europa schallt von neuem der Ruf des Kreuzes, und heldenmütige Andacht regt sich aller Orten. Wer weiss, ob wir nicht übers Jahr in der grossen welterrlichen Stadt Jerusalem als frohe Sieger bei einander sitzen, und uns bei vaterländischem Wein an unsere Heimat erinnern. Du kannst auch bei mir ein morgenländisches Mädgen sehen. Sie dünken uns Abendländern gar anmutig, und wenn du das Schwerdt gut zu führen verstehst, so kann es dir an schönen Gefangenen nicht fehlen. Die Ritter sangen mit lauter stimme den Kreuzgesang, der damals in ganz Europa gesungen wurde:
Das Grab steht unter wilden Heiden;
Das Grab, worinn der Heiland lag,
Muss Frevel und Verspottung leiden
Und wird enteiligt jeden Tag.
Es klagt heraus mit dumpfer stimme:
Wer rettet mich von diesem Grimme!
*
Wo bleiben seine Heldenjünger?
Verschwunden ist die Christenheit!
Wer ist des Glaubens Wiederbringer?
Wer nimmt das Kreuz in dieser Zeit?
Wer bricht die schimpflichsten der Ketten,
Und wird das heil'ge Grab erretten?
*
Gewaltig geht auf Land und Meeren
In tiefer Nacht ein heil'ger Sturm;
Die trägen Schläfen aufzustören,
Umbraust er Lager, Stadt und Turm,
Ein Klaggeschrei um alle Zinnen:
Auf, träge Christen, zieht von hinnen.
*
Es lassen Engel aller Orten
Mit ernstem Antlitz stumm sich sehen,
Und Pilger sieht man vor den Pforten
Mit kummervollen Wangen stehen;
Sie klagen mit den bängsten Tönen
Die Grausamkeit der Sarazenen.
*
Es bricht ein Morgen, rot und trübe,
Im weiten Land der Christen an.
Der Schmerz der Wehmut und der Liebe
Verkündet sich bei Jedermann.
Ein jedes greift nach Kreuz und Schwerdte
Und zieht entflammt von seinem Heerde.
*
Ein Feuereifer tobt im Heere,
Das Grab des Heilands zu befrein.
Sie eilen frölich nach dem Meere,
Um bald auf heil'gem Grund zu sein.
Auch Kinder kommen noch gelaufen
Und mehren den geweihten Haufen.
*
Hoch weht das Kreuz im Siegspaniere,
Und alte Helden stehen voran.
Des Paradieses sel'ge tür
Wird frommen Kriegern aufgetan;
Ein jeder will das Glück geniessen
Sein Blut für Christus zu vergiessen.
*
Zum Kampf ihr Christen! Gottes Schaaren
ziehen mit in das gelobte Land.
Bald wird der Heiden Grimm erfahren
Des Christengottes Schreckenshand.
Wir waschen bald in frohem Mute
Das heilige Grab mit Heidenblute.
*
Die heil'ge Jungfrau schwebt, getragen
Von Engeln, ob der wilden Schlacht,
Wo jeder, den das Schwerdt geschlagen,
In ihrem Mutterarm erwacht.
Sie neigt sich mit verklärter Wange
herunter zu dem Waffenklange.
*
Hinüber zu der heilgen Stätte!
Des Grabes dumpfe stimme tönt!
Bald wird mit Sieg und mit Gebete
Die Schuld der Christenheit versöhnt!
Das Reich der Heiden wird sich enden,
Ist erst das Grab in unsern Händen.
*
Heinrichs ganze Seele war in Aufruhr, das Grab kam ihm wie eine bleiche, edle, jugendliche Gestalt vor, die auf einem grossen Stein mitten unter wildem Pöbel sässe, und auf eine entsetzliche Weise gemisshandelt würde, als wenn sie mit kummervollen gesicht nach einem Kreuze blicke, was im Hintergrunde mit lichten Zügen schimmerte, und sich in den bewegten Wellen eines Meeres unendlich vervielfältigte.
Seine Mutter schickt eben herüber, um ihn zu