dem Mädchen Dinge in den Kopf setzen, die ich in meinem Leben nicht wieder herausbrächte
Wollen da raisonniren! – wollen untersuchen, ob wir Recht haben die Herren zu spielen. Eine schöne geschichte! – Recht oder Unrecht! genug, was wir sind, das sind wir, und werden wir, so Gott will, schon bleiben.
So etwas ist unerhört – und noch dazu in unsern zeiten! wo das Elisiren ordentlich Mode wird. – Das kommt von dem vermaledeiten Aufklären. Könntet ihr dann nur zur rechten Zeit Einhalt tun. Ja! bändigt einmal den Strom; wenn ihr die Dämme eingerissen habt.
Aus grundsätzen sollten die Weiber gut sein? – Zum Henker mit euren grundsätzen! Der Spinnrocken und die Nähnadel, allenfalls die Bibel und das Gesangbuch, und statt aller Grundsätze ein männliches Du sollst! – So hiess es in alten zeiten, und unsere Väter befanden sich wohl dabei.
Wahrhaftig! dafür mögte ich noch lieber in Italien geblieben sein. Man gewinnt doch an Sinnlichkeit, was man an herrschaft verliert. Die kleinen spirituellen Satans halten doch in gewissen Augenblicken schadlos und zwingen einen nicht, wie die deutschen Jungfrauen, die Katze im Sacke zu kaufen und ihre ekelhafte Treue Jahre lang mit herumzuschleppen.
Nun, vergiss nicht meinen Auftrag! –
Zwölfter Brief
Reinhold an Olivier
Sollte mein Olivier wohl jemals recht gewusst haben was er wollte? – Also noch immer der Lobredner voriger zeiten, und alles dessen was er nicht hat? – In Italien sehnt er sich nach den deutschen Weibern, in Deutschland nach den Italienerinnen. Dort wurde die Treue, die Reinheit der deutschen Mädchen, das hohe Jungfräuliche in ihrem Wesen gepriesen; hier scheinen diese belobten Eigenschaften eben so viele Fehler zu sein.
arme Weiber! wann werdet ihr den männlichen Egoismus befriedigen? – Seid ihr eingeschränkt an verstand; so glauben wir uns berechtigt euch als blosse Mittel zur Befriedigung unserer Sinnlichkeit zu gebrauchen. Untersteht ihr euch zu denken; so beschuldigen wir euch der Unweiblichkeit und betrachten euch als Empörer. Behandeln könnt ihr uns mit der höchsten Vernunft, nur wissen dürft ihr nicht, dass ihr sie habt. Alles Grosse und Erhabene an euch dulden wir nur als Instinkt, nie als Raisonnement.
Aber Olivier, liegt dieser schreckliche Despotismus in der natur? und läge er darin, müssten wir ihn dann nicht eben so wie die Erbsünde bekämpfen? – Wahrlich ich glaube es ist einmal Zeit, wenn wir anders auf wahre Bildung Anspruch machen wollen. achtung der Weiber war immer der richtigste Maasstab für die kultur einer Nation.
Von Deinem Auftrage ein anderes Mal. Nur so viel zur Nachricht: ich kenne Deine Amazone. Sie ist ein höchst interessantes Mädchen. Eben deswegen habe ich mich aber sehr vor ihr gehütet. Unsere Angelegenheiten mit dem F...schen hof werden alle Tage ernstafter, der Gesandte wirft alles auf mich, und da muss ich schlechterdings jede Zerstreuung vermeiden. Doch so bald ich wieder Otem hole, besuche ich den Vater. Er ist ein alter ehrlicher Brausekopf, der seine Tochter und ihr ungeheures Vermögen gern in guten Händen wissen mögte. Aber das Mädchen hat ihm bis diesen Augenblick widerstanden, und scheint sich wirklich über alle Männer lustig zu machen. Auch Deinem gehorsamen Diener wird es schwerlich besser ergehen.
Dreizehnter Brief
Olivier an Reinhold
Welch ein verzweifelter Moderomtismus! – Lenke ein; wenn Dir an unsrer Freundschaft gelegen ist. Wahrlich! das käme mir recht! auch Du auf der Weiber Seite? – Gott verdamme mich! es scheint eine ordentliche Modekrankheit zu werden. Wo will das hinaus? – Und nun sogar Du! bist wohl in alten zeiten ein solcher Frauenlob gewesen. Aber jetzt! – Ein Mann, der sich acht Jahr in der grossen Welt herumgetrieben hat! – Was? – Stehe Rede! beichte! Du bist verliebt; aber in Wen? – In die Amazone! Pfuy! ein solcher Jungfernknecht! Ein Weib das alle Männer verachtet, sollte ich lieben? – Ich komme! ich komme! verlass Dich darauf! Mit meinen Augen will ich es sehen und ... Doch davon nachher.
Vierzehnter Brief
Reinhold an Olivier
Hat es noch immer nicht ausgebraust? Noch immer mit der ganzen Welt, und vieleicht mit sich selbst am meisten im Kriege! – Komme nur! Dann wirst Du sehen und hören was Du sicher nicht erwartest. Bis diesen Augenblick war ich noch immer einige hundert Schritte von Wilhelminen K... entfernt. Aber das willst Du ja nicht, und so möge Dein Wille geschehen. Für den Ausgang kann ich nicht bürgen.
Funfzehnter Brief
Olivier an Reinhold
Mit der ganzen Welt im Kriege? Ja! so bald sie sich meinem Genusse widersetzt. blick um Dich her! ist es anders in der grossen, ewigen natur? – Die abgeschmackten Friedensgedanken! Nur in Schafsköpfen können sie entstehen. Pestartig würde er wirken! euer belobter Friede. – Nur Stürme reinigen die Luft. dafür geben wir euch zu, dass es sich bei Zephyren sanfter einschlummern lasse.
Mit mir selbst im Kriege? O nein! vormals wohl, jetzt nicht mehr. Euer inkonsequentes Moralsystem verrückte mir den Kopf. Jeden Augenblick war es mit meinen Leidenschaften im Gedränge, und ich wusste mir nicht zu helfen. Jetzt weiss ich was ich will, oder vielmehr, was die natur durch mich will. Ich Tor wollte klüger sein als sie, die mich zu ihren Zwecken bildete! –
Gestern Abend war die moralische Dratpuppe, der Xavier bei