leider der verlierende teil sein werde. –
Mein Glück hat mich berauscht, die Vergangenheit und die Zukunft habe ich vergessen. Nur so ist es möglich glücklich zu sein. – Aber der Rausch ist verschwunden, und dafür die Zweifelsucht mit allen Quaalen erwacht.
Wie? ist das Liebe, was sie mir zeigt? – Ist es Mitleid? Ist es Ergebung? – Zwar verzeihen wir den Weibern keine Ausbrüche der Sinnlichkeit; aber sollte sie sich darum niemals verraten? Ist es bei wahrer Liebe möglich, jede Aufwallung zu unterdrücken? Und wenn auch eine ganze Reihe menschlicher Empfindungen diesem schwärmerischen Herzen vormals unbekannt war; mussten sie nun nicht erwachen? Ach was soll ich glauben? – Ihre Aufführung ist untadelhaft. Selbst Antonelli wird mit einer Art Kälte empfangen. Aber ... ich weiss nichts hinzuzusetzen. Ich fühle es, ich bin ungerecht, und doch ruft eine stimme in meinem inneren: es ist nicht so wie es sein sollte.
Auch Antonelli ist verändert. Alle seine Munterkeit ist verschwunden. Was fehlt ihm? – Ich vermeide die Antwort auf diese Frage.
Siebenter Brief
Reinhold an Olivier
Und, setze ich hinzu, Du wirst wohl tun, sie zu vermeiden. – Doch nein! lieber gleich das Messer an den Schaden! er könnte unheilbar werden.
Also – denn warum soll ich nicht schreiben, was Du denkst? – Antonelli hat seine Munterkeit verlohren, heisst mit andern Worten; er ist sich seiner Empfindung bewusst, seine Unschuld ist dahin, er wünscht Julie zu besitzen, das ist nicht möglich, und er fühlt sich elend.
Julie? ob sie Dich liebt? – Aber hat sie Dir Liebe versprochen? Ich achte Sie, und werde nie einem Andern gehören. Das waren ihre Worte. Hast Du sie vergessen? Woher kommen nun mit einemmale die Träume von Liebe?
Fasse Dich! was hilft der Zorn? was hilft die Reue? – Ich kenne Dich, und will Dich vor Dir selbst zu retten suchen.
Siehe, was vermagst Du über die Vergangenheit? nicht einen Gedanken, viel weniger eine Handlung kannst Du zurücknehmen. Aber die ganze Zukunft, in so fern Dein Wille auf sie wirken kann, hängt von Dir ab. Darum nun fasse sie unerschrocken ins Auge! Was lässt sich von ihr erwarten?
Entweder Du erhebst Dich zur Gerechtigkeit, Du foderst nicht mehr, als sie versprach, und suchst zu verdienen, was Du wünschest. Mag immerhin ihre Sinnlichkeit für einen Andern sprechen, mag es ihr unmöglich sein, lebhafter für Dich zu empfinden; ihre Pflicht wird die Oberhand behalten. Es ist nicht gedenkbar, es ist schlechterdings unmöglich, dass sie sich jemals zu etwas Unedlem herablasse. Worauf soll nun ein anderer Mann seine Hoffnung gründen? Und was wird aus einer männlichen Liebe ohne Hoffnung? – Sie erstirbt, sie muss ersterben, und alles kehrt wieder in die ruhige Ordnung zurück.
Vielleicht bist Du so glücklich Vater zu werden. Dann ist sie mit tausend Banden an Dich gefesselt. Die ganze Kraft ihres Herzens wird sich in der Mutterliebe erschöpfen. Ihre Welt ist in Deiner Nähe, Du bist der Gott in dieser Welt, und was ausserhalb ist wird ihr fremd.
So empfindet eine Julie; oder alles müsste mich täuschen.
Aber wie wird sie bei aller Reinheit und Vortrefflichkeit empfinden, wenn Du der leidenschaft folgst?
Du ahnest Mangel an Liebe, und fühlst Dich unglücklich. Aber wird Misstrauen, Härte und mürrische Kälte, das gewöhnliche Gefolge der Eifersucht, diesen Mangel ersetzen? – Wirst Du glücklicher sein, wenn Du Furcht, dann Missfallen und zuletzt Abscheu erregst? – O fort, fort mit den Greueln die ich jetzt ahne! Nein! nein! Du wirst, Du musst das Beste erwählen.
Achter Brief
Olivier an Reinhold
Es ist alles gut was Du sagst; aber es passt nicht. Sie ist nicht so rein, wie Du glaubst. Grade diese Kälte verrät sie. Wenn sie mich, wenn sie ihr eigenes Herz nicht fürchtete, warum blieb sie nicht wie vormals? Nur seit dieser abschreckenden Kälte ist Antonelli traurig, leidenschaftlich geworden.
Ach! ihre Sinnlichkeit ist erwacht! sie hat sich auf ihn gewendet, und seine Unschuld ist ihr lästig. Er soll wünschen, kämpfen, ein Roman soll es werden! und das unter meinen Augen! Tod und Teufel! Ich müsste nicht ich selbst sein, wenn ich es duldete!
Empfindungen kann ich nicht gebieten, das weiss ich; aber die Ehre kann ich retten, und bei meinem Leben! das werde ich nicht unterlassen.
Neunter Brief
Olivier an Reinhold
Du antwortest nicht? – ich verstehe Dein Schweigen. Aber höre! höre und erstaune.
Ich wollte mit ihr auf meine Güter. Alles war zur Abreise bereit. Ich hatte sie gebeten, sich wegen der lästigen Besuche, für krank auszugeben.
Gestern wünscht sie in den Garten zu gehen. Auf meinen Befehl war er verschlossen. Aber der Gärtner glaubt, weil sie es ist, den Augenblick öffnen zu müssen, und, der Dummkopf schliesst nicht wieder zu.
Antonelli kommt, frägt nach mir, der Bediente sieht den Garten offen, glaubt, ich sei darin, und lässt ihn hinein gehen.
Jetzt kehre ich von einem Besuche zurück, und höre das Alles. Seit einer Stunde war Antonelli in dem Garten. Seit einer Stunde! – Ich fasse mich, ich gehe hinein.
Es war seine stimme. laut rief er ihren Nahmen. Mein Blut