Ihnen mit meinen Angelegenheiten beschwerlich zu fallen. Kommen Sie fräulein! – indem er sich zu mir wendet – Sie müssen Ihr Versprechen erfüllen, und mir die neue Anlage zeigen."
Ich wusste von keinem Versprechen und von keiner Anlage. Aber in ein dummes Hinbrüten versunken, lasse ich mich halb bewusstlos mit fortreissen.
"Mein fräulein – sagt der König – lösen Sie mir das Rätsel! Eine Braut, die vor ihrem Geliebten erblasst?" –
"ihr Majestät! fräulein S... ist nicht Braut."
"Sie ist es nicht?" – ruft er, und weckt mich erst jetzt aus meiner Betäubung. Ich will mir helfen – Vergebens! er lässt nicht nach mit fragen, treibt mich von einer Unbesonnenheit zur andern, und verwickelt mich endlich so sehr in meine Antworten, dass mir bald nichts mehr zu gestehen übrig bleibt.
Mit tödtlichem Schrecken sehe ich ihn jetzt meine hände in unbändiger Freude ergreifen und sie mit Küssen bedecken. Höre ihn mich beschwören, seine Freundin zu sein, Julie zu bewegen, seinen Schutz anzunehmen, zu glauben, dass er mein Vertrauen auf keine Weise missbrauchen werde. – O Gott! ich weiss nicht mehr, was er mir alles sagte. – Mir war, es habe der Donner vor mir eingeschlagen. Stumm, zitternd und taumelnd liess ich mich von ihm bis zu meinem Zimmer begleiten.
Julie fand mich im Fieber. Noch jetzt bin ich nicht davon befreit. Das Reisen hat uns der Arzt verboten. Haben sie die Güte meine Mutter zu benachrichtigen. Fort müssen wir, das ist gewiss. Aber wann? wohin? kann ich noch nicht entscheiden.
Juliens Gesundheit scheint unverwüstbar. Sie spricht mir Mut ein, und versichert, es werde noch alles gut gehen. Ach woher nehme ich die Kraft, ihr meine Unbesonnenheit zu gestehen? Ich suche die gelegenheit und zittre davor. Auf jeden Fall melde ich Ihnen unsre Abreise.
Acht und dreissigster Brief
Olivier an Reinhold
Wäre ich nur in dem Gewühle des Krieges geblieben. Hätte irgend ein feindlicher Säbel, eine wohltätige Kugel sich meiner erbarmt; dann wäre ich jetzt im Frieden. – Doch wer weiss – Wahrhaftig! man könnte versucht werden schon hier an eine Vergeltung zu glauben. Wie oft hat mich die Eifersucht der Weiber amüsirt – und jetzt! – Der König hat sie gesehen – und in meinem Herzen ist die Hölle mit allen ihren Quaalen.
Ob ich für sie fürchte? O denke es nicht! Es ist Lästerung. Nein sie ist und wird ewig bleiben was sie war. Aber er sieht sie, er untersteht sich ihre Hand zu berühren. Begreifst Du, was ich leide? – Ob ich ihrer denn würdiger bin? Das sage ich nicht! Keiner ist ihrer würdig. Aber er – er mag es wagen einen seiner Gedanken laut werden zu lassen.
sonderbar müssen wir uns neben einander ausnehmen. Er schmeichelt mir, und ich, natürlicher Weise, bin gezwungen ihn zu schonen. Aber unsre Blicke mögen einen schönen Kommentar abgeben. – Weswegen er mit seinem Auftrage noch nicht hervorrückt? ist mir unbegreiflich. Ich warte darauf, um das Entscheidende zu wagen.
Sieh! was hat nun all Eure Vorsicht geholfen? – Das Schicksal führt uns trotz Euch wieder zusammen. unfehlbar habt Ihr statt zu verbessern verschlimmert. Wahrlich! Ihr mögtet was darum geben, dass alles im vorigen Gleise noch fortschlenderte. Dann wüsste ich noch nicht, was es heisst, ohne sie zu leben. Dann wäre vielleicht eine sanfte allmählige Trennung noch möglich. Jetzt ist es Raserei daran zu denken. Sie oder den Tod. Darauf könnt Ihr Euch verlassen.
Neun und dreissigster Brief
Reinhold an Wilhelmine
Bestes fräulein! ich beschwöre Sie, nichts zu übereilen. Oft wirkt das, was wir Zufall nennen, mehr, als wir bei dem besten Willen vermocht hätten.
Versuchen Sie einmal, sich eine kurze Zeit leidend zu verhalten. Besonders handeln Sie nicht gegen den Obristen. Es ist gefährlich. – Meine teure Freundin! Lassen Sie uns auch gegen ihn gerecht sein. Wahrlich! er leidet sehr viel; gewiss mehr, als wir begreifen.
"Aber Julie?" – Julie, bestes fräulein! ist sicher. Und wäre sie es nicht – in der Tat, dann zweifle ich, dass wir ihr Sicherheit verschaffen können. – Nur Zeit gewonnen! dann ist alles gewonnen. Wenigstens, alles was uns zu gewinnen übrig bleibt.
Vierzigster Brief
Olivier an Reinhold
Ganz richtig! ich soll wieder Tausende zur Schlachtbank führen; weil es dem Herrn, weil es seiner allmächtigen Dame so beliebt. Meine braven Kerle lassen sich in Stücken hauen, ich stürze ihnen nach, wie ein Verrückter, und das alles wird, gegen eine Nation die für Eigentum und Freiheit kämpft, zu nichts dienen, als ein paar Lücken in den Zeitungen auszufüllen.
Sollte nicht eine Zeit kommen, wo die armen hungrigen 4 Groschen Helden, ihren an der Verdauung laborirenden Gebietern die Waffen zu Füssen legen, und in Demut anhalten würden: Höchstdieselben mögten, wenn irgend etwas zwischen Ihnen und Dero Herren Vettern auszumachen sein sollte, die Gnade haben, solches mit eignen hohen Händen zu bestreiten. Besagte Helden wären indessen gesonnen das Feld zu bauen und auf diese Weise zu den Tronverzierungen das Ihrige beizutragen; wofern nur die Hasen und Hirsche der Herren Gebieter nichts dawider einzuwenden hätten. – – Ja ich glaube, sie wird kommen diese Zeit. Die Herren Gebieter werden sie selbst herbeiführen und