– "Verlassen Sie sich auf mich." – Er sprang fort; Florentin ging wieder auf sein Zimmer. – "Du hältst es nicht aus", rief er unmutig; "was soll dir das widersinnige Wesen? Immer wieder die alte Weise: wieder einige bessere Menschen, die vom Haufen der Gewöhnlichen bestimmt werden! Halte es nicht aus!... aber die wenigen Stunden noch; es ist kindische Ungeduld,... nicht einen Augenblick will ich mir selbst zur Last sein... Was werden sie aber dabei denken?... Gut gefragt, wer steht mir in irgendeinem Falle für die Gedanken der Menschen?... Es ist aber ungesittet, wenn ich gehe... es ist aber unwürdig, wenn ich bleibe. Eduard! wirst du mich verstehen? wirst du dein schwankendes, zweifelndes Gemüt bald beruhigen können?... Wie hat sich aber auch die Szene verändert! Wie sind die lieblichen Farben der Morgenröte hingeschwunden, und haben dem lärmenden Tage Platz gemacht! Wie werden vom schweren Geschütz der Konventionen deine zarten Freuden zertrümmert, göttliche Liebe! Alles ist zerstört! Julianens holde Gestalt durch ein Gewicht angefesselt, verzerrt; das eigne, schöne, bewegliche Leben von versteinertem Kristall umstarrt. Eduard! was will der blasse Mondschimmer der heimlichen Kränkung auf deinem Gesicht, worauf der Sonnenschein der glücklichen Liebe sonst glänzte? O es ist wahr, dass Friede und Freude bald entfliehen, wo ich verweile. Fort will ich, fort muss ich! Alles wird bald gut werden für dich, Eduard. Nur der Verbannte wird oft seine arme umsonst nach einem Freunde ausstrecken, und sie ohne Trost wieder sinken lassen. Aber fort, fort; allein will ich den Fluch tragen, der über mich verhängt ist!" –
Während diesen bald hastigen, bald zögernden Worten war er, indem er sich zu gleicher Zeit zur Reise anschickte, im Zimmer unruhig auf und ab gegangen. Jetzt war er ganz reisefertig und stand in der geöffneten Tür, den Hut in der Hand; er besann sich, es war ihm, als müsste er Abschied nehmen. Zu Eleonoren will ich noch einmal gehen, dachte er, ich finde sie vielleicht noch allein. –
Eleonore war mit ihrem Putze ganz fertig, und siegelte eben den Brief an Clementinen, um ihn noch fortzuschicken. – "Mich dünkt, es ist jemand im kleinen Korridor", sagte sie zur Kammerfrau, "sieh zu." – Florentin ward ihr gemeldet, und trat gleich darauf selbst hinein. – "Was ist das?" rief die Gräfin; "Stiefel? Sporen? Was wollen Sie in diesem Aufzuge?" – "geben Sie mir Ihren Segen, teuerste Gräfin, ich will fort! " – "Träumen Sie? oder träume ich? Ich verstehe Sie nicht.""Gütige Eleonore, fragen Sie nicht, Ihre segnende Hand lassen Sie mich zum Abschied küssen." – "Was ist Ihnen, um himmels willen, was ist Ihnen widerfahren? Wo wollen Sie hin?" – Die Kammerfrau kam wieder hinein: "Gnädige Gräfin werden erwartet, es ist geschickt worden." – "Den Augenblick! Florentin, Sie dürfen nicht so rätselhaft sein, was wird mein Gemahl sagen?" – "Ihnen überlasse ich meine Verteidigung, Eleonore, und deswegen komme ich eigentlich zu Ihnen, leben Sie wohl, ich darf Sie nicht länger aufhalten." – "Aber wo wollen Sie hin? Wir sehen Sie doch wieder?" – "Soll ich einst noch so glücklich sein? Der Ort, wohin ich gleich zuerst komme, ist Ihnen bekannt." – "Mein Gott! freilich, Sie reisen zu Clementinen. Wollen Sie uns dort erwarten? Sobald es hier wieder ruhig ist, werden wir zu ihr reisen." – Florentin verbeugte sich: "geben Sie mir irgendein Zeichen für die Gräfin Clementina mit, das mich ihr empfiehlt." – "Hier nehmen Sie diesen Brief, ich hätte nicht gedacht, dass er durch Sie würde bestellt werden, Ihrer ist nicht darin erwähnt, aber Sie sind ihr sonst schon bekannt. Sie dürfen nur Ihren Namen nennen." – "Gnädige Gräfin!" rief die Kammerfrau wieder. – "Leben Sie denn wohl, Florentin, auf Wiedersehen!" – "Leben Sie wohl, Eleonore, Ihnen trage ich es auf, Eduard zu beruhigen, und mein Andenken bei Julianen zu erhalten!" – "Wie, diese wissen nicht?" – Florentin war wieder zur kleinen Tür hinaus, ohne weiter zu hören, oder zu antworten. Die Kammerfrau schloss hinter ihm zu; in dem Augenblick führte von der andern Seite der Graf einige Damen herein.
Florentin ging durch den Park, wo er hoffen durfte, niemandem zu begegnen, und sofort zum dorf hin, wo er Heinrich, mit dem Schimmel ihn erwartend, fand. Er nahm Abschied von dem Knaben, drückte ihm eine Belohnung für seinen Diensteifer in die Hand, setzte sich auf den getreuen Schimmel, und fort sprengte er im Galopp, ohne sich umzusehen. Heinrich sah ihm noch nach, als er ihn plötzlich stillhalten und das Pferd herumwenden sah; er kam wieder zurück. – "Warte noch einen Augenblick", rief er ihm zu. Heinrich trat hinzu und hielt das Pferd; Florentin zog seine Schreibtafel heraus, und schrieb mit Bleistift auf ein Blatt: "Des Schicksals Schläge stählen und