raubt sie unserm Kreise noch nicht, er selbst ist ein teures Mitglied desselben geworden. Wir wollen nun alles aufbieten, um ihn seinen neuen Entschluss nicht bereuen zu lassen. fest soll sich an fest ketten, und eine Lust die andere verdrängen. Wärst Du nur hier, die bange sorge würde bald von Dir weichen! Dein Bruder ist in der besten Laune von der Welt;
Du weisst, wie liebenswürdig er in seiner Heiterkeit sein kann; und überhaupt sind wir so fröhlich und ausgelassen wie die Kinder, haben alle Sorgen weit abgeworfen.
Nun ernstlich an meine Toilette, Juliane ist sicher schon fertig; der Lärm wird immer lauter, ich darf doch nicht zuletzt erscheinen. Bald siehst Du uns bei Dir, ich habe Dir viel zu erzählen von den lieblichen Festen, die hier begangen werden, vorzüglich von einem hier im Park, meinem Fenster gegenüber. Dies wird Dir gefallen, es ist ganz in Deinem Sinn; das kommt daher, weil ich nichts anordne, ohne in meinem Sinn den Deinigen zu Rate zu ziehen.
Eleonore.
Fünfzehntes Kapitel
Florentin war allein geblieben. Er ging auf den Platz im Park: er war leer, die Leute waren hinausgegangen auf den Weg zur Kirche, dort wollten sie, in zwo Reihen geordnet, die herrschaftlichen Wagen durchfahren lassen. Er ging verdrüsslich ins Schloss zurück. Auf Gängen und Treppen war alles voller Tumult und Gedränge von wichtig tuenden, mit nichts lärmend beschäftigten Menschen. Allentalben begegneten ihm fremde Gesichter. Unmutig floh er auf sein Zimmer. Das Gerassel der Wagen zog ihn ans Fenster. Eine lange Reihe von vier- bis sechsspännigen Equipagen, mit goldbedeckten Lakaien behangen, leerte sich, eine nach der andern. Unerträgliche Figuren wurden maschinenmässig aus dem glänzenden Kasten gehoben, und ins Schloss gefördert. Florentin schauderte bei dem Anblick. Endlich ward er von den prächtigen Kleidungen erinnert, dass er sich wohl auch noch anders anziehen müsse, und nun fiel es ihm erst ein, dass ihm die wesentlichen Stücke zum gehörigen Anzug mangelten. Halb verlegen, halb lustig, war er noch unschlüssig, was er zu tun habe, als ihn ein Bedienter zu Julianen rief. Er fand sie in ihrem Zimmer völlig angekleidet.
"Kommen Sie her, Florentin", rief sie ihm entgegen, "ich will nicht allein bleiben. Haben Sie die Mutter nicht gesehen? Ist Eduard nicht bei Ihnen? Es kommt auch kein Mensch zu mir. Aber wie Sie mich anstaunen! Nicht wahr, es kleidet mich nicht?" – Sie war mit fürstlicher Pracht gekleidet. Sie blitzte und funkelte vom köstlichen Geschmeide und reicher Stikkerei. An der Stelle des frischen Morgenkranzes war eine kleine Krone von Juwelen gesetzt, die arme und der freie Hals waren mit den auserlesensten Perlenschnüren geschmückt, und diesen angemessen schimmerte der übrige dazugehörige Schmuck.
"Wundert Sie mein Erstaunen?" fragte Florentin, "Sie sind blendend, Juliane!" – "Aber ich gefalle Ihnen nicht, nicht wahr?" – "Ich suche vergebens den leichtfüssigen schalkhaften Knaben im wald; wo ist die gedemütigte Übermütige hin, im geliehenen Wams und kurzen Rock? Wo sind die Umrisse der gewohnten Gestalt vom heutigen schönen Morgen?" – "Ich glaube es Ihnen gern", sagte Juliane. "Der Himmel behüte mich auch vor einer Existenz, wo ich oft so gekleidet sein müsste; ich glaube, am Ende könnte man das lachen dabei verlernen." – "Ja, es mag wohl ernstaft machen, aber was zwingt Sie dazu?" – "Wir haben herzlich gewünscht, diesen Tag mit Festen ganz anderer Art zu begehen; aber Sie wissen, der Vater lässt nicht leicht eine alte Sitte abändern; um ihm nun seine Freude auf keine Weise zu stören... wären nur erst diese Tage vorüber!" – "Sie werden durch sie auf alle künftige glücklich!" – "O über alles glücklich werde ich sein! Ohne diese Hoffnung müsste ich der glänzenden Last erliegen. Es ist schön von Ihnen, dass Sie meine augenblickliche schlechte Laune durch diese Erinnerung verscheuchten. Wie man doch oft so undankbar sein kann!" – "Üble Laune ist freilich am ersten dazu aufgelegt." – "Lieber Florentin, Sie müssen ein Andenken von mir nehmen, um sich dieser Stunde und meines Glücks zu erinnern." – Sie suchte einen Augenblick unschlüssig in einigen Schubladen. – "Nehmen Sie diese Brieftasche, die Stickerei darauf ist von mir, dies mag ihr einigen Wert in Ihren Augen verleihen." – Er kniete nieder vor ihr und küsste ihre Hand: "– So empfange ich den Dank aus Euren Händen, schöne Jungfrau; wäre mir doch der erste Dank bestimmt, so dürfte ich ihn von den holden Lippen einsammeln!" – Die Tür ward geöffnet, Eduard trat herein, Florentin stand auf. – "Was hast du vor, Florentin?" – "Anbetung, mein Freund!" – "Tolle Possen! und noch nicht anders gekleidet? Fort, fort, es kommt Gesellschaft." –
Florentin ging hinaus. Auf der Treppe begegnete ihm der Jockei, der ihn noch vom ersten Augenblick an, da er ihn im wald gesehen, zugetan war. – "Sattle mir gleich den Schimmel, mein guter Heinrich", sagte er ihm leise, "reite ihn durch das Hintertor hinaus vor das Dorf, und erwarte mich dort, dass dich aber niemand sieht; sage es auch niemanden! Hörst du?"