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umher warf, fiel ihm das grosse Prachtbette auf, das dem vortrefflichen Kunstwerk gegenüberstand. Am Oberteil des Lagers sowohl, als zwischen den stolzen Federbüschen, die auf den reich mit goldnen Quasten verzierten schweren seidnen Vorhängen prangten, breiteten sich mit grosser Würde die Wappen, gleichsam der schwebenden, beinahe entkörperten Psyche erdrückend entgegen. – Wir wagen es nicht zu bestimmen, was dem Florentin für Bemerkungen eingefallen sein mögen, aber er lachte laut auf.

Juliane und Eduard begegneten ihm, als er zur tür heraustrat. – "Ich war im Begriff Sie beide aufzusuchen, Sie werden im Park erwartet." – "Von wem? Sind meine Eltern dort?" – "Sie wünschen im Park zu frühstücken, eh' die Gesellschaft zu gross wird, auch werden Sie eines erfreulichen Anblicks geniessen." – Sie eilten hinunter.

Eine jubelnde Symphonie von vielen Instrumenten, die zwischen den Bäumen versteckt waren, empfing sie. Juliane trug ein weisses Kleid von der feinsten Gaze, das in leichten Falten bis zu den Füssen herabfiel, unter der Brust war es von einer Reihe Smaragden zusammengehalten, ihre Haare in eigner Pracht, ohne allen Schmuck aufgesteckt; feine goldne Kettchen zierten Hals und arme, auf dem schönen Busen wiegte sich ein Stein von Diamanten. So schwebte sie aus dem Schatten der Bäume hervor, herrlich geschmückt, doch leicht und kunstlos. Augen und Herzen flogen ihr entgegen. Eine selige Heiterkeit verklärte ihr Gesicht beim Anblick der frohen Menge. Ihre Eltern an der andern Seite des Platzes erblickend, wollte sie sogleich zu ihnen herüberfliegen; ihre eiligen Schritte aber wurden von Kindern gehemmt, welche sie mit Blumenketten umgaben und festielten; zugleich näherte sich ihr mit Gesang der Trupp junger Mädchen. Sie hob Teresen zu sich hinauf, küsste sie, und liess sich den blühenden Kranz von ihr auf die Locken drücken. Mit nassen Augen lächelte sie beim Gesang der Mädchen, die einen Korb mit den schönsten Blumen zu ihren Füssen niedersetzten. Kaum hatte sie sich in den Armen ihrer Eltern von der freudigen Rührung erholt, als die beiden Knaben, Julianens Brüder, einen kleinen Wagen ganz von Rosen durchflochten herbeizogen, die Kinder zwangen sie scherzend hinauf, sie setzte sich unter eine Art von Rosentron. Terese stand ihr auf dem Schoss, der Blumenkorb zu ihren Füssen, so ward sie im Triumph und Freudengeschrei fortgezogen; das Ganze sah so reizend und zauberisch aus, dass man einen Feenaufzug zu sehen glaubte.

So ging es fort nach einem stillen entfernten teil des Parks, wo das Frühstück bereitet war. Zwischen den büsche standen blühende Orangenbäume, die einen balsamischen Duft verbreiteten. Wo man hinsah, erblickte man Julianens und Eduards Namen aus Blumengehängen. Die Bäume waren durch ebensolche Blumengehänge verbunden, und das Ganze bildete einen vollen bedeutenden Blütenkranz. Von verschiedenen Seiten in kleiner Entfernung liessen sich Oboen und Waldhörner bald wechselnd, bald zusammenstimmend hören, und wenn sie schwiegen, erschallte ganz von ferne die fröhliche Musik bei den Landleuten herüber. Jedes Geräusch war entfernt, alle sassen schweigend und horchend, jedes schien beschäftigt, die Freuden mit allen Sinnen in sich aufzunehmen. Florentin verglich im stillen den Eindruck dieses kleinen Tempels mit dem des prangenden Schlafgemachs, das er gesehen, und es ist leicht zu erraten, welches er sich von beiden am liebsten zum Allerheiligsten im Heiligtum der Liebe ausersehen hätte.

Von tausend süssen Gefühlen durchströmt, das Herz pochend von liebevoller Ahndung, lehnte Juliane das glühende Gesicht an den Busen ihrer Mutter, Eduards Lippen ruhten auf ihrer Hand, die er mit den seinigen umschlossen hielt. – "Meine Juliane, mein angebetetes Mädchen!" sprach er im Entzücken der Liebe, "werde ich dich jemals so glücklich machen können, als du in den Armen der Mutter bist?" – "Sie bleibt in den Armen ihrer Mutter", sagte Eleonore, sie sanft an sich drückend, "auch wenn sie die Ihrige sein wird! Sie rauben sie uns nicht, lieber Eduard!" – "Mögt Ihr beiden das höchste Glück jedes das seine im andern finden", sagte der Graf, indem er sie umarmte, "Ihr seid mein kostbarstes Kleinod. Gott verleihe euch seinen reichsten Segen in dem meinigen!" – Die Rede des Grafen schien erst bestimmt zu sein, noch mehreres zu entalten, er brach aber mitten darin ab, und sah nach seiner Uhr mit einiger Bedenklichkeit. "Ich hätte sehr gewünscht", fing er wieder an, "noch einige Zeit in diesem vertraulichen Kreise zu verweilen, aber ich sehe soeben, dass wir keine Zeit mehr zu versäumen haben: Juliane, du musst an deine Toilette denken, wir müssen uns ja noch alle umkleiden." – "Bleibt die Gräfin Juliane nicht so, wie sie da ist?" fragte Florentin; "das werden wir bedauern müssen; sie ist so schön in diesem Anzuge, dass keine Veränderung vorteilhaft für sie sein kann." – "Es ist wahr", sagte der Graf, "aber hier darf nicht die Rede von der Schönheit der Kleidung sein, sondern von der Schicklichkeit. In dieser kann sie nicht öffentlich getraut werden, heute müssen wir notwendig in Gala sein. Wenn uns nur die Fremden nicht überraschen, wir haben zu lange verweilt." – "Nun lasst uns zurückgehen", sagte Eleonore, "wir finden wahrscheinlich schon einige versammelt. Auch unser wunderlicher Obristwachtmeister wird wohl schon aufgestanden sein; es wird mich belustigen zu sehen, was er zu unserm Volksfeste sagen wird