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sorgte jede für die Ihrigen, brachte sorgsam das ererbte, lang geehrte Glas, das gewohnte Messer des Hausvaters, damit er keine häusliche Bequemlichkeit vermisse. Mit Braten, Wein und Kuchen waren die Tische reichlich besetzt, mit Blumen anmutig verziert. Die Mitte des Platzes, ein frischer dichter Rasen, war zum Tanz für die jungen Leute bestimmt; da konnten die Alten ruhig an ihren Tischen sitzend dem Tanze zusehen.

Früh war Eleonore hinausgegangen, um selbst noch einmal nachzusehen, ob alles nach ihren Befehlen eingerichtet sei, und ob nichts mangle? Nach und nach kamen alle zusammen in festlichem Anzuge. Junge Mädchen mit Bändern und Blumen geschmückt, versammelten sich, Terese an ihrer Spitze, um Julianen einen blühenden Myrtenkranz zu überreichen. Jetzt kamen auch einige Abgeordnete aus Eduards und des Grafen nah liegenden Gütern. Jeder Tisch war für einige Gäste mitberechnet, sie fanden also leicht einen Platz. Sie suchten sich sogleich ihre Verwandte oder Bekannte heraus, und wer keine zu finden hatte, wurde von allen eingeladen, er wählte selbst seinen Wirt; die freundliche Hausfrau, das netteste, sittsamste Töchterchen zählten die meisten Gäste, und entschieden die Wahl auf den ersten blick. Der Graf hatte einige Söhne aus dem dorf unter seinem Regimente, diesen hatte er heimlich Urlaub gesandt, nach ihrer Heimat zurückzukehren und sich mit ihren Mädchen zu verbinden, die schon längst auf diese Erlaubnis geharrt hatten. Jetzt kamen sie muntern Soldaten unvermutet zwischen den Bäumen hervor, und begrüssten die freudig erschreckten Eltern und die errötenden Bräute, die sich unter den versammelten Mädchen befanden, und welche heute ihre Aussteuer von Eleonorens Händen erwarteten. Herzlich froher lauter Willkommen schallte von allen Seiten; Umarmungen, Glückwünsche und Händeschütteln gingen im kunstlosen Reihentanz durcheinander, bei dem der freiere militärische Anstand und die hellen Farben der Uniformen lustig abstachen gegen das einfältige friedliche Betragen der Einwohner.

Der Graf und Florentin kamen dazu; er bezeigte Eleonoren seine Zufriedenheit, und lächelte vergnügt bei dem schönen Anblick. – "Sehen Sie, Florentin", sagte Eleonore, "wie das alles lacht und lebt." – "Mir ist", sagte Florentin, "als sähe ich eine Szene von Teniers lebendig werden! Es wäre noch der Mühe wert zu leben, wenn es immer so auf der Welt aussehen könnte!" – "Mutter", rief Terese, "wo bleibt denn Juliane? Ich werde ungeduldig." – "Es ist wahr", sagte Eleonore, "sie müsste schon hier sein, und wo bleibt Eduard?" – "Sie waren schon diesen Morgen mit ihm aus, Florentin", sagte der Graf, "ich sah Sie beide zurückkommen, was hatten Sie schon so früh vor?" – "Die Gesellschaft trennte sich gestern sehr früh, wir blieben noch zusammen, ein Buch, das wir vor einigen Tagen zu lesen angefangen hatten, zog uns so fort, dass wir nicht eher aufhören konnten, bis es geendigt war; es war nun nicht mehr Zeit sich niederzulegen, wir gingen hinaus, und erwarteten den Morgen." – "Seit einigen Tagen", fing der Graf wieder an, "habe ich ein nachdenklicheres, trüberes Wesen an Eduard bemerkt, als ihm gewöhnlich ist. Hat er Ihnen etwa die Ursache vertraut, Florentin? Oder haben Sie sonst gelegenheit gehabt zu bemerken, was ihn drückt? Sie müssen uns kein Geheimnis daraus machen, es ist vielleicht nicht unmöglich seinem Verdruss abzuhelfen, oder irgendeinen geheimen Wunsch zu erfüllen. Warum verbirgt er sich uns?" – "Mir ist nichts bekannt, Herr Graf, als was Sie selbst bemerkt haben, nämlich dass er nicht so heiter als gewöhnlich ist." – "Haben Sie sonst keine Vermutung?" – "Die steigende Ungeduld, vielleicht die Erwartung!" – "Unmöglich! Sein Glück ist so nah, so sicher." – "Vielleicht ist es etwas... mir hat er... wirklich... ich weiss nicht... Wenn Sie mir erlauben, so will ich jetzt die Gräfin Juliane aufsuchen." – Er ging zurück auf das Schloss. Die fragen des Grafen hatten ihn verwirrt. Entdeckt hatte Eduard sich ihm nicht, aber er war fest überzeugt, eine geheime Eifersucht, die er gerne unterdrücken möchte, marterte ihn, er war bis zur Peinlichkeit reizbar geworden; Juliane heiterte ihn freilich oft wieder auf, aber nur auf kurze Zeit, dann war irgendeine Kleinigkeit wieder imstande, ihn zu beunruhigen. Wie ein Gespenst trat es Florentin vor die Seele, er sei die Ursache dieser Zerstörung. Auch das, was in jener Nacht in der Mühle vorgegangen war, konnte er sich auf keine andere Weise sonst erklären.

Auf dem Korridor nach Julianens Zimmer sah er eine Tür geöffnet, die er bis jetzt immer verschlossen gefunden hatte; er trat hinein, es war das neu eingerichtete Schlafzimmer für Julianen, in dem die Kammerfrauen eben noch einiges ordneten. Ein Basrelief mit Figuren in Lebensgrösse über dem Kamine zog sogleich seine Augen auf sich. Es war eine Psyche, welche die Lampe in der Hand, den schlummernden Gott der Liebe mit staunendem Entzücken beschaute. Es war in edlem Stil gearbeitet, und von vollendeter Ausführung, Florentin betrachtete es mit innigem Vergnügen, und glaubte die Hand des Meisters darin zu erkennen; er freute sich es so unverhofft erblickt zu haben. Das ganze Zimmer war übrigens mit glänzender Pracht eingerichtet. Als er es eben verlassen wollte, und noch einen blick