gleichsam Durchsichtige, woraus ihr ganzes Wesen geformt zu sein schien: alles das waren ebenso viele Bezauberungen, von deren vereinigter Macht Florentin nicht ungerührt bleiben konnte. Auffallend war es ihm, wie ihr Bau und ihre Reize bei der beinah noch kindlichen Jugend doch schon so vollkommen aufgeblüht prangten; dieses Wunder glich einem Werk der Liebe, an deren Hauch sich diese junge Knospe eben zu entfalten schien.
Auch Eleonore war eine sehr schöne Frau. Ihn dünkte, wie er ihre hohe, etwas reichliche Gestalt erblickte, über die der Ausdruck der Milde, der inneren fröhlichen Ruhe, der mütterlichen Liebe und des Segens verbreitet war, als sähe er ein Bild der wohltätigen Ceres: alles an ihr, sogar die runden hände trugen das Gepräge dieses Charakters. In ihre schönen blauen Augen sah man wie in einen wolkenlosen Himmel, die blendend weisse Stirn umgaben freundlich blonde Haare in kleinen Ringeln; man konnte sie nicht ansehen, ohne vergnügt zu werden, und jedes Leiden lächelte sie tröstend aus der Menschen Brust.
Wer sich nach dieser vielleicht etwas zu ausführlichen Beschreibung ein deutliches Bild der beiden schönen Frauen machen kann, wird es nicht unnatürlich von Florentin finden, dass er seine Reise und seinen Plan etwas weiter hinausschob, und recht gern die Einladung des Grafen annahm, noch einige Zeit bis nach dem Hochzeitfeste bei ihnen zu verweilen. Es war ihm jetzt schauderhaft, an seine Einsamkeit zu denken, die ihm vor wenig Stunden noch so lieb war. Hätte er auch seinem ersten Vorsatz treubleiben wollen, der Einladung der wohlwollenden Eleonore, und dem schmeichelnden blick Julianens war nicht zu widerstehen, und so versprach er zu bleiben.
Nach der Tafel wurden einige schöne Pferde vorgeritten, Florentin lobte sie, und der Graf freute sich, einen Kenner in ihm zu finden. Die Gräfin führte sie nun nach dem Park, wo sie ihnen einige neue Anlagen zeigte, die unter ihrer Aufsicht gemacht wurden. Man ging auf dem Rückwege durch das grosse schöne Dorf am fuss des Hügels, worauf das Schloss lag. Auch hier verbreitete Wohlhabenheit und Reichtum sich wie Segen vom Himmel herab. Voll Ehrerbietung, ohne Furcht und ohne knechtische Erniedrigung wurden sie von den Landleuten, die ihnen begegneten, begrüsst. Gesundheit und Vergnüglichkeit leuchtete auf jedem Gesicht, Ordnung und Reinlichkeit glänzte ihnen aus jedem haus entgegen. Schöne fröhliche Kinder tanzten auf dem Rasenplatze im Schein der untergehenden Sonne; dem Fremdlinge ward das Herz gross, ihm war, als fände er hier die goldne Zeit, die er auf ewig entflohen geglaubt.
Man kam aufs Schloss zurück, nachdem sie im Vorbeigehen die schönen weitläuftigen Wirtschaftsgebäude und einige innere Einrichtungen besehen hatten. Florentin freute sich kindisch an allem, was er sah, und besonders an der freundlichen und leichten Ordnung, mit der alles geleitet wurde. Er hatte, was dahin gehört, immer in so trauriger und widerwärtiger Gestalt gesehen, dass er es für erdrückend und Geist ertötend halten musste: aber wie ganz anders fand er es hier! Jetzt erkundigte er sich mit Teilnahme beim Grafen nach mancherlei, was ihm fremd war. – "Wollen Sie sich nicht gleich", sagte dieser, "an den grossen Meister selbst wenden, dessen Schüler auch ich bin? Alles was Sie gesehen haben, was Sie hier freut, ist das Werk meiner Eleonore, mich hat sie erst zu dem Geschäft einigermassen gebildet. eigentlich leben wir wie unsre deutschen Väter: den Mann beschäftigt der Krieg, und in Friedenszeiten die Jagd, der Frau gehört das Haus und die innere Ökonomie." – "Glauben Sie nur", sagte Eleonore, "der Mann, der jetzt eben so kriegerisch und wild spricht, muss manche häusliche sorge übernehmen." – "Es geziemt dem mann allerdings", erwiderte der Graf, "der Gehülfe einer Frau zu sein, die im feld die Gefährtin ihres Mannes zu sein wagt." – "Wie das? darf ich erfahren?" fragte Florentin. – "Nichts, nichts", rief die Gräfin, "hören Sie nicht auf ihn! Er wird Ihnen bald eine prächtige Beschreibung meiner Taten und Werke zu machen wissen, die darauf hinaus laufen, dass ich ihn zu sehr liebte, um mich von ihm zu trennen. Wollen Sie mein Schüler in der Ökonomie werden, Florentin? dann setze ich mich zur Ruhe und übergebe Ihnen das Hauswesen." – "Es soll ja den Frauen angehören." – "Nun gut, so wählen Sie unter den Töchtern des Landes und leben hier in Frieden." – "Das Recht zu beidem werde ich erst mühevoll erringen müssen, Gräfin Eleonore, jetzt suche ich die Ferne und den Krieg." – "Bravo", rief der Graf; "auch bekömmt die Ruhe nicht eher, bis man ihrer bedarf." – Eduard schien hier in einiger Verlegenheit, Juliane blickte liebevoll zu ihm hin. Das Gespräch nahm eine andere Wendung, und man ging in einen Gartensaal, wo sich bald alles wieder versammelte, was sich von der Gesellschaft nach der Tafel zerstreut hatte.
Juliane setzte sich zum Fortepiano, Eduard und einige andre griffen nach andern Instrumenten: ein recht gut besetztes Konzert war bald zustande gebracht. Juliane spielte vortrefflich, und Eduard war Meister auf dem Violoncell. Eleonore fragte Florentin, ob er nicht musikalisch sei? – "Ich liebe die Musik als die grösste Wohltäterin meines Lebens", erwiderte er; "wie oft hat die Himmlische die bösen Geister zur Ruhe gesungen, die mich drohend umgaben