, den sie bearbeiten müssen, durch ihre Erfahrung am besten, daher sind sie am ersten imstande und berechtigt, sich die vorteilhafteste Behandlungsart zu ersinnen; ich reiche ihnen nur hülfreich die Hand, wenn etwa die Ausführung ihre Mittel übersteigt. Der Vorteil des Gelingens gehört ihnen unbezweifelt, sowie auch billig der Schaden des Irrtums oder des Verfehlens, der jedoch ihre ganze Bestrafung ausmacht." – "Das Wichtigste", fing Eleonore an, "hat mein Gemahl Ihnen noch nicht erwähnt, Herr Obristwachtmeister: ich meine den abgeschafften Frondienst. Die Leute haben nun, was ihnen so wichtig ist, Musse, ihre eignen Geschäfte desto besser zu besorgen." – Der Obristwachtmeister hatte, während der Graf gesprochen, mit komischer angestrengter Aufmerksamkeit zugehorcht, um etwas zu lernen, auch einigemal Beifall genickt, indem er die Umstehenden nach der Reihe anguckte. Als aber Eleonore vom Abschaffen des Frondienstes anfing, sprang er ungeduldig auf. "Gut, dass Sie davon anfangen, Frau Gräfin! Ich hatte es mir schon längst vorgenommen, Ihnen meine Meinung darüber zu sagen. Sie haben Ihren Bauern den Frondienst erlassen, der jedem Gutsbesitzer von Gott und Rechts wegen zukömmt, dadurch haben Sie aber allen Ihren Nachbarn vielen Schaden zugefügt. Herr Graf! Es ist nicht ein jeder gesonnen, seinen gerechten Vorteil so mutwillig zu verschleudern, und nun wird uns alles erschwert. Nein, erlauben Sie mir, dass ich's Ihnen sage, daran taten sie sehr unrecht! Eine alte Gerechtigkeit muss man nicht aufheben. Unsere Vorfahren haben den Frondienst eingerichtet, und das waren auch keine Narren; die Nachkommenschaft sollte nur mehr Respekt vor ihren Einrichtungen haben! Einzelne Verbesserungen, ja einzelne lasse ich mir gefallen, aber das Ganze darf nicht niedergerissen werden! Alle Teufel! Bei der Ordnung muss es bleiben. Und nehmen Sie mir's nur nicht übel, Herr Graf, auf diese Weise geht es Ihren Bauern freilich herrlich und in Freuden, da Sie sich das Ihrige entziehen! Aber damit wäre mir noch gar nicht gedient, meine Bauern sollen sich nicht aus Eigennutz vervollkommnen, und meinen Willen ihres eignen Vorteils wegen vollziehen, sondern aus reiner Liebe und Dankbarkeit sollen Sie mir meinen Willen tun. Weltlichen Vorteil sollen sie gar nicht vor Augen haben, sondern Moralität, feine Ausbildung des Kopfs und des Herzens! Lieben sollen mich die Halunken!" – In diesem Ton fuhr der gute Obristwachtmeister noch ein Weilchen fort, zur grossen Belustigung der Gesellschaft, die über diesen Freund der Kultur sich nur mit Mühe das laute lachen entielt. Eleonore musste einigemal das Gesicht wegwenden; der Graf versuchte es, ihn zu unterbrechen, und ein anderes Gespräch auf die Bahn zu bringen, aber das ging nicht so leicht. Er kramte mit grossem Eifer alles durcheinander aus, und schwieg nicht eher, bis man zu Tische ging, wo er sich dann wieder beruhigte. Beim Anblick der mannigfaltigen Flaschen ward er vollends wieder friedlich und freundlich gesinnt, vergass Kultur, Ökonomie und Moralität, liess es sich trefflich schmecken, und prüfte so lange die einheimischen und fremden Weine gegeneinander, bis man ihn nach einem andern Zimmer führte, wo er den Rest des Tages ruhig verschlief.
"Wie gefällt dir die herrliche Karikatur?" fragte Eduard. – "Dieses ist einer der umfassendsten Geister, die es gibt", erwiderte Florentin; "er vereinigt in sich alle die Narrheiten, die man sonst in der ganzen Welt ausgebreitet findet; jedes Rätsel, das uns in ihr verwirrend und ängstigend entgegenfährt, ist aufs belehrendste in ihm allein aufgelöst." – Juliane bedauerte spottend die armen fräulein, die aus ökonomischpolitisch-menschenfreundlicher Absicht mit den unwilligen, aufgebrachten Bauern tanzen mussten, und stellte die Not, sich nach ihrer Weise fügen zu müssen, sehr komisch und lebhaft vor. Sogar Terese und die Knaben übten ihren Mutwillen an dem ehrlichen Obristwachtmeister, bis der Graf ihnen endlich Einhalt tat, der sich bei diesen Gesprächen erinnert hatte, dass seinen Bauern am Vermählungstage ein Gastmahl auf dem Schloss bereitet werden müsse, und war verwundert noch keine Anstalten dazu machen zu sehen. – Eleonore gestand ihm: Sie hätte es zwar nicht vergessen, könnte sich aber immer nicht entschliessen etwas anzuordnen, was noch jedesmal ihr Missfallen erregt, so oft sie dabei gewesen. – Der Graf erwiderte: Es lasse sich schwerlich etwas Gegründetes gegen eine so ehrwürdige Sitte einwenden, die von jeher in seinem haus stattgefunden, und die er nicht gern ohne Grund abschaffen würde. – "Verzeih mir, mein Bester!" sagte Eleonore, "aber ich konnte mir nie weder Gutes noch Erfreuliches dabei denken, wenn ich diese Leute an einer langen Tafel, schnurgerade gereiht sitzen sah, Zwang und staunende Langeweile auf allen Gesichtern, die Männer an der einen, die Frauen auf der andern Seite; zufällig Feinde sich nah, Freunde und Liebende getrennt, fremd, ängstlich, unbehaglich! Von der Dienerschaft, wo nicht gar von der herrschaftlichen Familie selbst bedient, fühlen sie sich in nicht geringer Verlegenheit, so oft ihnen etwas gereicht ward, und nahmen sich dann natürlich so ungeschickt und link dabei, dass die übermütigen Lakaien sich berechtigt glauben, sie hohnlachend zu verspotten. Irgendein Lächeln, oder das Ansehn von Superiorität, das man doch nicht unterdrücken kann, und das nur auffallender wird, je mehr man's unterdrücken will, macht ihnen vollends diesen ostensibeln Akt von Herablassung zur Pein. Es kann nicht fehlen, dass das demütigende und zugleich erniedrigende Bewusstsein sich nicht