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während er mit aller Arbeit es nur bis zum Streit und zur Verwirrung zu bringen wisse. Er hatte auf seinem Wege nach dem Schloss sich mit einem alten Landmann aus dem Schwarzenbergischen dorf in eine Unterredung eingelassen, der die eingeführten Neuerungen und Verbesserungen seiner herrschaft nicht genug loben und segnen konnte. Dieses unverdächtige Lob hatte ihn ganz wild gemacht; er polterte und sprudelte nun eine Anrede an den Grafen heraus, wo neben recht kräftigen derben militärischen Ausdrücken die Worte Bildung und Verfeinerung äusserst drollig hervorstachen, und endigte mit dem Anliegen: der Graf solle ihm Unterricht in der neuesten Verbesserungsmetode geben.

Um ihn etwas zu besänftigen, und ihn von seiner Mutlosigkeit zu heilen, erinnerte ihn der Graf an seine Verschönerungen des Parks, des Gartens und des Wohnhauses. –

"Ja, ja", sagte er mit Selbstzufriedenheit, "das ist freilich etwas! Es hat mir doch auch, muss ich sagen, viel Arbeit und Kopfzerbrechen und viel schweres Geld gekostet. Nun freilich! so etwas wie mein Ermenonville, meinen otaheitischen Pavillon, meine chinesischen Brücken, dergleichen haben Sie noch nicht ausgeführt, das ist wahr! Apropos, ich muss Ihnen doch erzählen: ich habe von meinem Neffen, der vorigen Sommer von seiner Reise um die Welt zurückgekommen, eine ganz vortreffliche und genaue Zeichnung von den ägyptischen Pyramiden erhalten, die ich, sobald ich mit meinem Vesuv zustande bin, ebenso nachzuahmen gedenke; unter uns, ich hoffe, es soll gewiss ein Meisterwerk und ein seltnes Glück werden. Dabei habe ich den Gedanken, in diesen Pyramiden ein Monument für mein seliges Lottchen zu stiften. Ich habe auch schon den Platz mit Trauerweiden und wilden Rosen bepflanzen lassen, und der Neveu will die alten Inschriften, die er mitgebracht hat, hinein besorgen. Dahin will ich mich dann in melancholischen Stunden in die Einsamkeit begeben, mich meinen Gedanken überlassen, und das Andenken meines lieben seligen Lottchens feiern.

Jetzt meinte ich aber nur die Ökonomie, Ihre Verbesserung des Ackerbaues, und das ehrbare folgsame Betragen Ihrer Bauern. Sehen Sie, das war's, dahin bringe ich's mit aller Arbeit nicht. Wie ich es mir sauer werden lasse, das werden Sie wohl nicht glauben; wie ich mich Tag und Nacht damit beschäftige die Bestien auszubilden; und wie sollt' es einen nicht dreifach ärgern, wenn man dahinter kommt, dass sie ihrem Wohltäter Gutes mit Bösem vergelten, und lügen und betrügen, wo sie nur immer können. Blutsauer habe ich's mir werden lassen! Ja sollten Sie sich vorstellen, ich bin so weit gegangen: als ich neulich etwas von ihnen verlangte, wobei ich, wenn es mir gelungen wäre, auf ein paar tausend Tälerchen jährlich mehr hätte rechnen können, mussten nicht allein meine Töchter, bei einem fest, das ich veranstaltete, mit ihnen tanzen, ja ich ging so weit, dass ich sie selbst in ihren eignen Häusern überraschte, mich mit ihnen zu Tische setzte, und von ihrer miserablen (Gott verzeih mir die Sünde) Kocherei aus einer Schüssel mit ihnen verzehrte! Ich tat nicht anders, als ob es mir ganz vortrefflich schmeckte, dankte ihnen und unterhielt mich mit ihnen, als ob sie meine Kameraden wären. Ich sage das eben nicht darum, als ob es so besonders tugendhaft von mir wäre, ich weiss recht wohl, dass es gegen die Aufklärung und gegen die reine Menschlichkeit liefe, wenn ich anders handelte, aber ich vermutete, die Halunken würden von meiner Herablassung gerührt sein, und in alles einwilligen, was ich von ihnen verlangte, es wäre denn doch ein Beweis ihrer verfeinerten Sitten und ihrer edlen Herzen gewesen. Aber mir nichts, dir nichts! sie blieben bei ihrem starren Eigensinn, es fehlte nicht viel, so hätten sie sich gegen mich zusammengerottet, bloss aus Egoismus, weil mir, wie sie sagten, allein der Vorteil zufliesse, und sie freilich wohl ein wenig mehr Arbeit und einen kleinen Zeitverlust dabei gehabt hätten. Anfangs wollte ich's nun doch mit Gewalt durchsetzen, aber sie waren so undankbar, mir mit einem Prozess zu drohen! Ich liess es gut sein und war zufrieden; aber geärgert hat es mich, dass ich aus der Haut hätte fahren mögen! Nun, Herr Graf, sagen Sie mir nur, Sie richten ja aus, was Ihnen beliebt! Tun Sie denn noch mehr?" – "Bei weitem nicht so viel, als Sie, Herr Obristwachtmeister", sagte der Graf beruhigend. "Aber Sie haben selbst sehr richtig bemerkt, ich bin so glücklich, einen Schlag sehr guter Leute auf meinen Gütern zu besitzen, die mir allentalben kräftig die Hand bieten. Ich suche nur zu verhüten, dass sie nicht durch zufälliges Unglück bis zu dem schauderhaften Elend gebeugt werden, wo sie hülfe in der Niederträchtigkeit und Vergessenheit ihres Elends in der Völlerei zu suchen haben. Sie werden erfahren haben, wie meine Schwester für die Kranken sorgt. Auf eine ähnliche Weise werden sie jedesmal unterstützt, wenn es nötig ist. Da sie nun für die ersten Bedürfnisse nicht so hart und unablässig zu sorgen brauchen, so kommen sie von selbst und ganz ohne Zwang darauf, ihren Zustand immer mehr und mehr zu verbessern. Sie tun mir also zuviel Ehre an, Herr Obristwachtmeister, wenn Sie mir allein alle Verbesserungen und manches ungewöhnlich Gute zuschreiben, das Sie auf meinen Gütern bemerken wollen. Sehr viele, ja die meisten Ideen dazu, kommen von meinen Landleuten selbst; sie kennen den Boden