Freunde. Er liess sich in kein Gespräch mit hineinziehen, gab zerstreute oder gar keine Antwort, und ging hastig, und mit ungleichen Schritten in der stube auf und ab. Florentin glaubte sogar in seinen Augen Spuren von vergossnen Tränen wahrzunehmen. Diese Äusserungen waren bei dem sonst sanften stillen Eduard etwas befremdend, doch beunruhigten sie seinen Freund nicht weiter; er hielt es höchstens für Zeichen eines kleinen Zwistes zwischen ihm und Julianen, von denen, welche die Liebe ebenso schnell zernichtet, als sie sie erzeugte. Er redete ihn an und äusserte fein spottend seine Vermutung; Eduard blieb aber ernst und trübe, und bat ihn kurz darauf, mit ihm hinaus ins Freie zu gehen. Die Nacht war kalt und stürmisch, er bestand aber darauf dennoch hinauszugehen, und Florentin begleitete ihn.
Sie sassen schweigend nebeneinander auf der Bank vor dem haus. Florentin unterbrach die Stille zuerst: " – Immer höre ich doch wieder diese Töne des Waldes, des Stroms und der Mühle mit derselben angenehmen, gleichsam anregenden Empfindung. Beinah' möchte' ich glauben, dass ich eigentlich für das beschränkte häusliche Leben bestimmt bin, weil alles dafür in mir anspricht, nur dass ein feindseliges Geschick wie ein böser Dämon mich immer weit vom Ziele wegschleudert!" – "glaube mir", sagte Eduard, "es weiss selten einer, was er soll." – "Jawohl", fiel Florentin ein, "und es dauert lange, bis er weiss, was er will! – Es ist auch beinahe alles einerlei, und alles Tun ist das rechte. Nur dass man etwas tue! – Jawohl! Und darum will ich eilen. Ich will fort! Vielleicht habe ich schon zu lange verweilt." –
Eduard antwortete nicht, Florentin hörte ihn seufzen. "Was ist dir, Eduard?" fragte er ihn mit herzlicher Liebe, "du hast Schmerz, warum verhehlst du ihn mir?" – "Nein, ich will ihn dir nicht verhehlen", rief Eduard aus. "Sieh, Florentin! Eine Seele, wie die deinige, einen Freund, wie du bist, suchte ich, seitdem Freundschaft mir ein Bedürfnis ist, und das ist sie, seit ich mich meiner selbst bewusst bin. Unverhofft fand ich dich; ich vermutete gleich in den ersten Stunden, du seist der, den ich suchte, und diese Vermutung fand ich in der Erzählung deiner Schicksale mehr als einmal bestätigt. Und nun soll ich dich, kaum gefunden, wieder verlieren! Halte es nicht eines Mannes unwürdig, wenn ich dir mein Leid darüber gestehe. Ich kann dich nicht wieder lassen, es ist mir in manchen Augenblicken ganz unmöglich zu denken, dass ich dich wieder lassen soll! Ich bin sehr reich, ich weiss es, vielleicht ist es Unrecht, mehr zu verlangen, als ich besitze: aber ich bin in der Freundschaft unersättlich, und an dich fühle ich mich mit unnennbaren Banden geknüpft!" – "Ich begreife dein Gefühl, mein Freund! Dies sei dir Bürge, dass ich dessen wert bin; du bist mir teurer, als ich es sagen kann. Dass du bei allen Gütern, die dir nie fehlten, selbst in dem Besitz der Geliebten noch Raum für Freundschaft hast, und dir den Sinn dafür erhieltest, macht dich mir verwandt und ewig wert. Wie kann dich aber eine Trennung so wehmütig ergreifen, die doch eben durch keine besonders unglücklichen Umstände bezeichnet ist? Wie selten dürfen Freunde ihren Lauf beieinander beginnen und vollenden? Ist das Band, das Freunde verknüpft, durch die Trennung gelöst? Muss nicht, in der Welt zerstreut, von ihnen ausgeführt werden, was sie vereint beschlossen? O, dass ich Armer, Einsamer, dich Reichbegleiteten trösten soll! Verzeih meinem Zweifel, ich kann nicht glauben, dass meine Trennung von dir dieses Mal allein die ursache' deiner Traurigkeit ist." – "Es kann sein; aber wie es auch sei, Florentin, ich mag, ich werde dich nicht lassen! Höre, ich gehe mit dir; ich teile deine Unternehmungen, ich will die Stelle deines Manfredi ersetzen, ich verschmähe jedes andre Schicksal, als das deinige. Was mir fehlt, besitzest du so gross und frei! Du wirst auch in mir manche gute Gabe finden. Vereint, ungetrennt, wollen wir ersinnen und ausführen, fechten, leben und sterben, sterben für die Freiheit! Ich gehe mit dir nach Amerika!" – "Wie ist dir? Wie ist dir? Du schwärmst!" – "Nein, ich lasse dich nicht wieder, ich gehe mit dir!" – "Was kann ich dir anders zurufen, als Juliane! O Eduard, mir ist dieser ganze Auftritt wie ein Traum. Welches Rätsel! Du bist durch irgendeinen Vorfall aufgebracht, ja gereizt bis zum Wahnsinn. Mit fragen will ich dich nicht quälen. Aber ich beschwöre dich, sei gefasst, sei ruhig, und wenn du es vermagst, so entdecke mir, was dich so erschüttern konnte. Erinnere dich, was du so rasch verlassen willst! Mich lass aber ziehen, mir ein Glück zu erringen, für das und mit dem du geboren wardst, erfreue dich dessen, und bleibe in Frieden." – "So bleibe du bei mir, Florentin! Nur noch ein Jahr bleibe bei mir, dann ziehe ich mit dir, wohin du willst!" – "Ach, Eduard! Du solltest mich nicht halten wollen