." – Die Müllerin war ganz besänftigt, und wollte ihn mit dieser Sitte aussöhnen: "Sie hören und sehen doch", sagte sie, "wenn sie so reisen, manches, was sie sonst nimmermehr erfahren würden, und dass die yielen Umstände und Weitläuftigkeiten wegfallen, ist bequemer für sie, und auch für unsereinen." – "Nun", sagte der Müller wieder, "manches brauchen sie auch nicht zu erfahren, und dafür, dass wir keine Umstände mit ihnen machen dürfen, machen sie auch wieder mit uns keine." – "Nun Vater, du wirst dich noch einmal um den Kopf reden, ich dächte doch, wir hätten nicht zu klagen." – "Wer spricht davon? Ich meinte nur." – "Ja dir macht man's nimmermehr recht! Mit deinem hässlichen Misstrauen machst du einen auch mit so argwöhnisch; hätte ich mich nicht beinahe ganz erschrecklich gegen die junge gnädige herrschaft vergangen? Und wer war schuld als du?" – "Ich will alles verantworten, was ich spreche, aber das können nicht alle, und darum müssen sie sich wohl in acht nehmen!" – "Ach und es ist doch gewiss eine liebe allerliebste herrschaft! Ich würde mich in meinem Leben nicht zufrieden geben, wenn ich sie beleidigt hätte." – "Beleidigt hast du sie doch, aber sie hat es dir wieder verziehen!" – "Ja so gütig ist sie, und so herablassend, wie eine Heilige, und dabei so zart und so schön! Vater, wenn du das so gesehen hättest, wie ein Wachsbild, man kann sie doch gar nicht genug ansehen!" – "Und die beiden jungen Herren sind wohl auch so gütig wie die Heiligen? Ja ihr Frauen!" – – "Nun, was fällt dir wieder ein? Du hast immer ganz besondere Gedanken." – "Ja vorzüglich der eine, der ist nun vollends lauter Güte! Nicht wahr?" – "Welchen meinst du denn, Väterchen?" – "Nun den, du weisst wohl, du hast ihn mir ja so schlau gezeichnet." – "Ich verstehe' dich nicht, mein Schatz!" – "Sieh doch nur seine grüne Jacke an, der linke Ärmel ist ja ganz weiss! Wo sollte er denn das wohl herhaben?" – "Weiss? der linke Ärmel? Wie soll ich's denn wissen? In der Mühle macht man sich leichtin weiss." – "Ja besonders, wenn die Müllerin so leicht rot wird!" – "Es muss auch alles zusammentreffen, um dich argwöhnisch zu machen." – "Behüte, lieber Schatz", sagte der Müller laut lachend, und küsste sie, "ich bin nicht im geringsten argwöhnisch, wenn ich deutlich alles sehe und höre, wo man mich nicht vermutet." – "Nun, wenn du alles gesehen hast, so wirst du auch wohl gesehen haben –" – "Dass du dich wakker gesträubt hast, als er einen Kuss von dir verlangte. Ja mein Kind, siehst du, daher ist er weiss am Ärmel!" –
Florentin gefiel die leichte gutmütige Art, womit der Müller über die kleine Begebenheit scherzte. Er selbst war gemeint; er hatte sich mit der jungen artigen Müllerin einige Schäkereien erlaubt, um sie bei guter Laune zu erhalten, als ihre Gäste ihr noch unbekannt waren, und er ihr mit immer neuen Forderungen für Julianen viel Mühe machen musste.
Er trat vom Fenster zurück und pfiff und rief den beiden Hunden, um sich vom Müller bemerken zu lassen. Dieser kam ans Fenster und nötigte ihn, noch ein wenig in die stube zu kommen. Florentin ging hinein und unterhielt sich mit ihm; der heitre, grade Sinn des Mannes und sein guter Verstand gefielen ihm immer besser. Florentin nahm, während er sprach, mit der grössten Unbefangenheit die Bürste vom Nagel, die unter dem Spiegel hing, und bürstete sich ruhig das Mehl vom Ärmel; die Müllerin lief ganz beschämt aus der stube, aber der Müller lächelte und liess sich nicht im geringsten aus der Fassung bringen. Er sprach viel von seinem stand und seinem Geschäft. Seine sparsamen, ruhigen Worte, und die Überzeugung der Wichtigkeit, mit denen er die Sorgen und Freuden davon schilderte, ohne irgendeinen andern Stand im Leben unnötig und mit affektierter Verachtung mit dem seinigen zu vergleichen, gab ihm eine Würde, der Florentin mit Ehrerbietung begegnen musste. Er gedachte dabei mit einem Gefühl von Beschämung an die Unruhe, mit der er selbst sich umtrieb, um einen Zweck zu finden, der seinem Leben Wert und Bestimmung gäbe.
Der Müller bemerkte endlich, es wäre nun wohl Zeit für ihn, sich zu Bett zu legen; Florentin bot ihm eine gute Nacht, und war im Begriff hinauszugehen, als Eduard hereintrat, und in Julianens Namen den Müller und seine Frau ersuchte, die Nacht mit den beiden Herren durchzuwachen, sie selbst wollte versuchen zu schlafen, sie wäre aber so ängstlich, dass sie gewiss nicht würde schlafen können, wenn nicht alles im haus wachte. Sie liess die Frau bitten, bei ihr im Zimmer zu bleiben, und den Müller, ja sobald der Tag anbräche, jemand aufs Schloss zu schicken. Die Müllerin ging sogleich zu ihr, und der brave Mann war ebenso willig, den Befehlen der jungen Gräfin zu gehorchen.
Florentin bemerkte etwas ungewöhnlich Heftiges und Leidenschaftliches an seinem