jeder neuen Reise vor mir herflogen. Mein Herz hatte sich verschlossen, und so blieb ihm auch alles verschlossen. Ich lebte vom Porträtmalen. Hatte ich mir an einem Orte einiges Geld erworben, so reiste ich weiter. Manches zog mich an, aber nirgends wurde ich festgehalten. Allentalben fand ich dieselben Gewohnheiten, dieselben Torheiten wieder, denen ich soeben entgehen wollte. Ein Vorurteil hing am andern, und an dieser Kette sah ich die Welt gelenkt und regiert. Allentalben fand ich Sklaven und Tyrannen; allentalben Verstand und Mut unterdrückt und gefürchtet, Dummheit und niedrige Gesinnung beschützt von denjenigen, denen sie wieder als Pfeiler diente.
Ich trieb mich in Paris umher, es war mir nach und nach ein gar schlechter Spass geworden, Gesichter aller Art für bare Bezahlung zu konterfeien, und für dieses sündlich erworbene Geld ein leeres törichtes Leben weiter hinauszuspinnen, und die Erfahrung immer zu wiederholen, dass ich nirgends hinpasse.
An einem öffentlichen Ort kam ich zufällig in ein Gespräch mit einem englischen Manufakturisten, der auf Frankreich schimpfte, und mir die englische Freiheit rühmte; mir fiel das Versprechen ein, das ich meinen Lords in Rom gegeben hatte, – in wenigen Tagen war ich in London. Hier fand ich nur den einen Lord, der andre, der den Nobile getötet hatte, wohnte auf seinem Landsitz. Eine Zeitlang lebte ich nun mit jenem im Zirkel der Londoner Eleganz. Ich fand aber keine Lust an ihren Routs und Punsch und tollen Wetten, worin sie den Ehrgeiz des guten Tons setzten. Die Gesellschaft ihrer Frauen erfreute mich nicht; ihre Fabriken, Manufakturen, ihr Geld, ihr Hochmut, ihre Nebel und ihre Steinkohlen machten mich traurig und schwermütig. Und ihre Freiheit, die mir so oft gepriesene?... Ich war bei einer Debatte im Unterhause zugegen... und nun war ich bestimmt entschlossen, und es bleibt unwiderruflich dabei, ich gehe zur republikanischen Armee nach Amerika. Es muss jenen Menschen gelingen, sich freizumachen, da sie nicht von falschem Schimmer geblendet sind, den man ihnen anstatt des echten Goldes aufdringen will. Meine Kraft und meine Tätigkeit sei ihnen geweiht. Bei diesem Gedanken erwachten Mut und Freudigkeit wieder in mir, für die amerikanische Freiheit fechten, dünkte mir ein würdiger Endzweck.
Ich setzte einen Tag fest, an dem ich wieder nach Frankreich wollte. Den Tag vorher hatten meine Londoner Herren ein Pferderennen, zu dem sie mich mitzogen; ich folgte mit einigen andern den Rennern, mein Pferd stürzte, ich ward heftig heruntergeschleudert; ohne es zu achten, stieg ich wieder auf, fühlte mich aber, nach einer kurzen Anstrengung ihnen zu folgen, so angegriffen, dass ich mich nach haus musste bringen lassen. Meine Brust war durch den Fall aufs neue verletzt worden, ich war krank, allein und verlassen. Mein Geldvorrat war erschöpft, was noch übrig war, reichte kaum hin, mich wiederherzustellen. Um dieses zu beschleunigen, wollte ich einige Zeit auf dem land leben; die Luft in London war mir höchst schädlich. Sobald ich es nur wagen durfte, soweit zu gehen, machte ich mich auf, um meinen Lord auf seinem Landhause zu besuchen, und mich bei ihm völlig zu erholen.
In seinem mit der gewöhnlichen Pracht der englischen Landpaläste errichteten Wohnsitz fand ich alles in bunter, lauter Freude und Lustbarkeit. Der Lord hatte sich vor wenigen Tagen mit einer reichen Erbin vermählt, und man war noch sehr mit den Festen beschäftigt. Ich kam zu Fuss, war matt, bleich und im Kostüm eines Fussgängers. Ich musste lange stehen, eh' ich jemanden fand, der mich Sr. Herrlichkeit melden wollte. Es gab eine Zeit, wo ich es nicht so geduldig abgewartet hätte, aber ich war krank, und mein Geist gebeugt. Des Stehens im lärmenden Vorsaal endlich müde, schickte ich eine Karte mit meinem Namen hinein, und setzte dazu, ich wäre im Garten. Ich ging wirklich dahin und setzte mich auf die erste Bank, die ich fand. Bald darauf kam auch der Lord mit einem wahren Festtagsgesicht, das immer länger ward, je näher er mir kam, und mein Aussehen und meinen Aufzug gewahr ward. Seine ganze Haltung schwebte zwischen Erstaunen und Verlegenheit. In jeder andern Stimmung hätte mich Se. Herrlichkeit sehr belustigt, jetzt war es mir aber ganz gleichgültig; es war ein schöner warmer Herbsttag, der Sonnenschein tat mir wohl, ich legte mich bequem auf den schönen Sitz und liess den Lord sich wundern und nicht begreifen. Seine fragen beantwortete ich ihm zur höchsten Notdürftigkeit; er wusste bald, wie es gegenwärtig mit mir stand, und mein Begehren, einige Zeit lang bei ihm auf dem land zu wohnen. Nach einigem Husten und Räuspern, und einem sehr bedeutenden Spiel mit Uhrkette und Hemdkrause, erzählte er mir endlich: während seiner Rückreise nach England sei sein Vater plötzlich gestorben, und habe viel Schulden und die Güter in Unordnung gelassen. Auch er habe nach gemachter Rechnung, auf seinen Reisen weit mehr ausgegeben, als ihm eigentlich erlaubt gewesen. Schon auf dem Punkt, ganz ruiniert zu sein, habe er seine gesammelten Schätze der Kunst und die grössten Seltenheiten alle verkaufen müssen, was doch nicht zugereicht habe, ihn wieder in Ordnung zu bringen; er sei aber jetzt so glücklich gewesen, eine sehr reiche Frau zu finden, durch deren Vermögen er sich wieder in den Stand gesetzt sähe, seinen alten Glanz anzunehmen. Er finde sich überaus glücklich; nur auf das Glück