ich es in meiner Freude auf ihren Zustand, denn sie war übrigens wohl und fröhlicher, mutwilliger, als ich sie verlassen hatte. Wir sassen bei Tische, ich erzählte, fragte, überliess mein Herz den schönsten Eindrücken der Freude. Endlich fragte ich sie so schonend als nur möglich, wie es zuging, dass ihr Wuchs noch so unverändert wäre, ich hätte nicht geglaubt, sie noch so schlank zu finden? Meine zärtlichen bescheidenen fragen wurden mit lautem Gelächter beantwortet; ich liess nicht ab, sie ward übel gelaunt, einige heftig ausgestossne Worte vermehrten meine Besorgnis, ich drang in sie, endlich... sie hatte meine Abwesenheit benutzt... sie hatte sich durch künstliche Mittel von dem Zustande befreit. – Die lange Beschwerde,... die ewige Sorgfalt ward dem leichtsinnigen Geschöpfe sträflich zur Last... sie fürchtete für ihre Schönheit!... Gott! ich werde noch jetzt ganz verwirrt, wenn ich mich daran erinnere... Ich verlor alle Fassung, alle Gewalt über mich... Atem und Sinne vergingen mir... meiner selbst nicht mehr mächtig, warf ich mein Messer, das ich in der Hand hatte, mit solcher Gewalt zu ihr hinüber... es hätte sie auf der Stelle töten müssen, hätte die Wut mich nicht blind gemacht; es blieb über ihrem Kopf tief in der Wand stecken. Von meiner Wildheit erschreckt, schrie sie laut auf, und verliess eilends das Zimmer, ich war unvermögend, ihr zu folgen." –
"O Florentin", sagte Juliane, "wie fürchterlich erscheinen Sie mir! Sie hätten eine Mordtat begehen können!" – "Wie! war nicht sie eine harterzige, treulose, widernatürliche Mörderin? Mich, mich hatte sie höchst unbarmherzig gemordet! Still nur davon, und erlaubt, dass ich ende. –
Die Treulose hatte auf der Stelle das Haus verlassen, ich sah sie nicht wieder. Ein gewisser Kardinal hatte sich ihrer angenommen. Wie ich nun erfuhr, hatte Se. Eminenz, die übrigens ein Muster der Frömmigkeit für ganz Rom war, ihr schon längst nachgestellt, und wahrscheinlich während meiner Abwesenheit seine Absicht erreicht. Ein heftiger Blutsturz, den ich gleich nach jenem Auftritt bekam, drohte meinem Leben. Ich war zerstört, konnte meine Kraft, meine Fröhlichkeit und meinen Trieb zur Arbeit nicht wiederfinden. Die Lust zu reisen kam mir wieder an, ich durfte es aber nicht wagen, wegen meiner angegriffenen Gesundheit. Ich musste bei jeder etwas heftigen Bewegung Blut auswerfen. An dem Mädchen rächte ich mich weiter nicht; dem Kardinal konnte ich es aber doch nicht so hingehen lassen; ich machte einige Verse, in denen ich ihn eben nicht schonte. Es war Witz und Bitterkeit genug darin, sie kamen bald in Rom herum. Meine geschichte war bekanntgeworden, man erriet den Dichter, und zugleich die Eminenz. Er mochte es wahrscheinlich durch aufmerksame Diener erfahren haben, und für seinen Heiligenschein besorgt geworden sein.
Ich suchte nun diese Begebenheit zu vergessen, und strengte mich an, meine alte Lebensweise wieder einzuführen, als ganz unerwartet ein Billett von meiner treulosen Schönen an mich kam. Aus einem Rest von anhänglichkeit für mich, riet sie mir, so geschwind als möglich Rom zu verlassen. Se. Eminenz wären äusserst aufgebracht auf mich, und hätten beschlossen, mich auf die Galeeren zu schicken, ich wäre also keinen Tag sicher in Rom. Se. Eminenz hätten ihr versichert, ich hätte diese Strafe verdient, nicht allein wegen des boshaften Pasquills, wofür er sich niemals rächen würde, das er mir auch schon von Herzen vergeben habe, sondern sowohl wegen der abscheulichen Absicht sie zu ermorden, nachdem ich sie gewaltsam verführt habe, als auch wegen meiner Irreligiosität, und des gottlosen Planes, eine heidnische sekte zu stiften, zu welchem Ende ich geheime Zusammenkünfte mit jungen Künstlern gehalten habe, wobei wir lästerliche Reden gegen den katolischen Glauben ausgestossen, und verschiedene heidnische Gebräuche eingeführt hätten. Überdies wäre ich schon längst verdächtig, und ein Gegenstand der Aufmerksamkeit für die Polizei, weil von auswärts her von gewissen Leuten Nachfrage nach meiner Aufführung geschehen sei; ich müsste mich also schon längst verdächtig gemacht haben. –
Denkt euch! denkt euch diesen Abgrund von Absurdität! Es lag mir nichts daran, mich zu verteidigen, ich hätte es leicht gekonnt. Es war mir gleichgültig, wo ich lebte, Italien war mir aber verhasst. Ich verliess Rom noch in derselben Stunde. Weil ich die Bewegung des Fahrens nicht ertragen konnte, ging ich zu Fuss nach Civita Vecchia, einige von meinen guten gefährten gingen mit mir bis dahin. Hier schiffte ich mich nach Marseille ein. Dort war die Luft, und die ruhige Einförmigkeit meines Lebens meiner Gesundheit so zuträglich, dass ich in einigen Monaten wieder völlig hergestellt war. Auf wiederholte Briefe an Manfredi bekam ich keine Antwort. In der Folge erfuhr ich, dass sein Regiment die Garnison verändert habe, und meine Briefe wahrscheinlich nicht an ihn gelangt waren. Damals glaubte ich aber zu meinem tiefsten Schmerz, er habe sich von mir gewandt. Ich schrieb dies dem Marchese zu, der wahrscheinlich den Nachrichten aus Rom zufolge eine schlechte Meinung von mir bekommen, und sie seinem Sohn mitgeteilt hätte. An den Marchese selbst schrieb ich also nicht, ich glaubte seine Antwort vorher wissen zu können.
Nun durchwanderte ich einsam einen grossen teil von Frankreich; die schönen Träume und Bilder waren von mir gewichen, die sonst auf