das einfachste und doch tollste Leben, das sich erdenken lässt. Ich war der beste Ehemann von der Welt, und liess mich von ihr beherrschen, soviel sie wusste und vermochte; sie lernte es immer besser. Je mehr sie ihre Gewalt über mich kennenlernte, desto impertinenter und launenhafter ward sie; da es mir aber damals auch gar nicht daran fehlte und ich, wenn es darauf ankam, zehnmal launenhafter und tollköpfiger war als sie, so entstand nicht selten ein gar artiges Gepolter und Lärmen zwischen uns.
In unsern gewöhnlichen Abendzusammenkünften, die bei mir gehalten wurden, ward entweder über das Werk eines grossen Meisters, das wir denselben Tag gesehen hatten, gesprochen, oder es stellte einer unter uns, der eine Arbeit vollendet hatte, sie zur Beurteilung auf, oder man las auch wohl einen alten Dichter laut vor. Mitten in den ernstaftesten Beschäftigungen entstand dann nicht selten, zur grossen Verwunderung aller Anwesenden, ein plötzlicher lauter Lärm und Zank zwischen mir und meiner Frau, wovon niemand den Grund erraten konnte. gewöhnlich war es aber nichts anders, als dass sie mir, von den andern unbemerkt, ein Gesicht geschnitten, das mir, wie sie wohl wusste, verhasst an ihr war; dies beantwortete ich ihr dann mit einer impertinenten Gebärde, die sie nicht leiden konnte, so ging es eine Zeitlang hin und her, ohne dass es die andern bemerkten, bis wir dann laut aufeinander losfuhren. natürlich endigte der Krieg ebenso lustig, als er entstanden war. Unsre Haushaltung bestand aber herrlich, zur Erbauung und Belustigung aller Angehörigen.
Ich hätte füglich eine lange Reihe Jahre in denselben Beschäftigungen und denselben Freuden hinbringen können, aber eine geheime Unruhe im innersten Gemüt, ein Treiben nach einem unbekannten Gut liess es mich selten rein geniessen, dass es mir doch eigentlich recht wohl ging. Ich wünschte mir einen grösseren Wirkungskreis, es kam mir oft ganz verkehrt vor, dass ich Kraft und Jugend einer einseitigen Ausbildung hingegeben; es dünkte mir lächerlich, dass ich soviel angewendet hätte, um mich frei zu machen, und nun diese errungne Freiheit doch nicht in ihrem ganzen Umfang benutzte. Mein Bestreben schien mir kindisch und zwecklos, weil ich immer mehr inne ward, dass ich eigentlich gar kein Talent zur Malerei hatte; dennoch war es mir wieder gar nicht möglich, mich loszumachen, so wenig von meiner Lebensweise, als vom Anblick und dem Studium der grossen Wunder der Kunst. In manchen Stunden beunruhigte es mich wieder, nichts über meine Geburt und meine Eltern zu erfahren, ich musste bei jedem Schritt, den ich unternehmen wollte, befürchten, dass ich meiner eigentlichen Bestimmung entgegenarbeite. Oft fühlte ich mich zu diesen unruhigen Betrachtungen geführt, doch konnte ich mich nicht lange einer trüben Stimmung überlassen, meine Freunde sowohl als alle meine Übungen führten bald wieder Vergessenheit alles Grams herbei.
Endlich ward mir von meiner Kleinen die nahe Aussicht zur Vaterwürde verkündet. Wie soll ich euch beschreiben, wie mir ward bei dieser Nachricht! Es geschah eine plötzliche Revolution in mir. Alles, was ich bis dahin geglaubt, gedacht, gefürchtet, gehofft, geliebt und gehasst hatte, nahm eine andre, gleichsam glänzendere Gestalt in mir an. Jetzt wusste ich, was ich wollte; ich dachte nicht mehr an ein entferntes Glück, ich hatte meine Bestimmung gefunden. Doch mich selbst verlor ich völlig dabei aus den Augen, auf das Kind bezog ich alles: ich dachte unaufhörlich an die Art, wie ich es erziehen, wie ich für sein Glück sorgen, und wie ich in diesem kind erst meine Kindheit geniessen wollte, die mir selbst so getrübt worden war. Was ich von Kenntnissen besass, suchte ich zu ordnen und festzuhalten, um es dann nützen zu können, dabei strengte ich mich mehr als gewöhnlich an, immer neue zu sammeln. Meine Einkünfte, um die ich mich sonst nie bekümmert hatte, berechnete ich jetzt mit grosser Genauigkeit; jedes Goldstück, das ich beiseitelegen konnte, erhielt im voraus seine Bestimmung zum Besten des Ankömmlings. Lange Reden hielt ich an die Mutter, als sie mit einigen Einschränkungen unzufrieden war, die ich einführen wollte, in denen ich ihr Sinn für ihre neue grosse Würde zu geben versuchte. Ich merkte es nicht in meinem Eifer, dass sie sie mit grossem Leichtsinn aufnahm. Einigemal war ich gegen meine Freunde, die sich eines Lächelns und leichten Spottes über meinen gutmütigen Entusiasmus nicht entalten konnten, ernstaft aufgebracht: sie schwiegen und sahen mir gelassen zu. Kein rauhes Lüftchen durfte die Mutter anwehen, ich bekümmerte mich um jede Regel der Diät, ich dachte nur daran, sie in der besten und ruhigsten Stimmung zu erhalten, und vermehrte durch meine Ängstlichkeit ihre Ungeduld, so dass ich unaufhörlich von ihren Launen litt. Was habe ich nicht angewandt, sie vom Tanze abzuhalten, dem sie mit grosser leidenschaft ergeben war! Geliebt hatte ich sie wohl eigentlich nie, aber jetzt fühlte ich wahre Zärtlichkeit für sie; sie war mir heilig. Wie weit aber war sie von diesen Gefühlen entfernt, die mich so entzückten!
Ich war genötigt, eine Reise nach Florenz vorzunehmen, um eine angefangne Arbeit dort zu vollenden. Ich arbeitete mit solchem Eifer, dass ich in zwei Monaten vollendete, wozu ich sonst noch einmal soviel Zeit gebraucht hätte. Ich erhielt eine ansehnliche Summe, und eilte zurück zu meinen Freunden.
Ich fand meine Kleine etwas blass bei meiner Zurückkunft, ich erkundigte mich ängstlich nach ihrem Befinden, ihre Antwort befriedigte mich nicht, indessen schob