nichts dagegen, dass ich mich dort einem ruhigen Leben und den Studien überlasse, nur sollte ich meine Zeit zweckmässig benutzen. Zuletzt kam wieder dasselbe Versprechen, er wolle auch in Rom auf meine Aufführung wachen lassen, und nach den Berichten, die darüber einliefen, würde er mich behandeln.
Ich ärgerte mich entsetzlich über diese Aussicht, die so unsichtbar wie die Allwissenheit über mir schwebte, ohne dass sie mit der Allweisheit verbunden gewesen wäre, wie diese; denn sie hatte mir in Venedig auf die verkehrteste Weise von der Welt den grössten Schaden zugefügt. Ich fand kein Mittel, mich von ihr zu befreien, ohne den Marchese zu erzürnen; er war mir zu wert, niemand als er hatte noch so viel für mich getan. Ich glaubte aber, man würde es bald müde werden, mich zu beobachten, da ich äusserst eingezogen, und bloss mit meiner Absicht beschäftigt lebte. Mit den beiden Lords, die ich noch in Rom fand, und die mir sehr lästig wurden, musste ich noch viel umherstreifen und ihnen helfen die Beweise ihres Kunstverstandes zusammentreiben, die sie für ihre baren Guineen einhandelten. Sie hatten mir meinen Geldbeutel zurückgegeben, ich fand die geliehene Summe dreifach verdoppelt darin; was mir gehörte, nahm ich davon, das übrige gab ich ihnen zurück; nicht etwa, als ob ich es unter meiner Würde gehalten hätte, Geld anzunehmen: unter den Umständen, in denen ich lebte, wäre dies lächerlich und zwecklos gewesen. Mein kleines Vermögen war aufgezehrt, dem Marchese Geld abzufordern, dazu hielt ich mich nicht berechtigt, ob er es mir gleich durch Manfredi hatte anbieten lassen, mich im Fall der Not an ihn zu wenden. Diese Not schien mir aber noch nicht eingetreten. Ich machte den Cicerone, sobald es mir an Geld fehlte, und lebte wieder bei meinen Studien, solange es vorhielt. Von den Fremden, die meiner bedurften, nahm ich unbefangen meinen Lohn an, es war kein andres Verhältnis zwischen mir und ihnen, als dass ich ihnen meine Dienste, sie mir ihr Geld gaben: Mit den Lords stand ich aber nicht auf demselben Fuss; der Dienst, den ich ihnen geleistet, den konnten sie mir mit Geld nicht bezahlen. Diese Herren aber fühlten meinen Unterschied nicht, sie waren, beleidigt, und taten aufgebracht, dass ich ihre vollwichtige Dankbarkeit verschmähte; ich konnte sie nur mit dem Versprechen beruhigen, sie in England zu besuchen, wenn ich einst Italien verlassen möchte, und in jeder Geldverlegenheit von ihrer Freundschaft Gebrauch zu machen. Sie reisten endlich nach England zurück.
Unterdessen waren meine guten deutschen Künstler aus Venedig angelangt, und nun hob eine Zeit für mich an, die wohl immer zu den glücklichsten Epochen meines Lebens gehören wird. Ich ging mit niemand um, als mit Künstlern, besonders mit den ausländischen, und unter diesen zeichnete ich besonders wieder die deutschen aus. Unter ihnen fand ich jederzeit den hellsten Sinn, das treulichste Bestreben, und am meisten innere Freiheit. Mein angestrengtester Fleiss brachte mich in kurzem so weit, dass ich mit meinen gefährten wetteifern konnte. Sobald meine Gemälde verkäuflich waren, legte ich das Gewerbe eines Cicerone völlig nieder, zeichnete und malte ununterbrochen. Um den Verkauf meiner Bilder, meistens Landschaften, bekümmerte ich mich ebensowenig, als um die Anwendung des gelösten Geldes. Das erste besorgten meine Freunde, und die Summen, die zu meiner wenig kostbaren Lebensart vollkommen ausreichten, händigten sie meiner Frau ein." – "Ihrer Frau?" rief Juliane erstaunt; "doch wahrscheinlich bloss Ihrer Haushälterin?" – "Nein, meiner Frau!" – "Wie? Sie sind verheiratet?" – "Wirklich getraut?" fragte Eduard. – "Wahrscheinlich traute sie mir, und ich habe ihr nur zuviel getraut. Es war ein sehr schönes Mädchen, eine Römerin, die uns lange zum Modell gesessen hatte. Sie hielt sich klug und bescheiden, so dass sie von uns allen hochgehalten, und wegen ihrer grossen Schönheit sehr bewundert ward. Einige Tage fanden wir sie niedergeschlagener als gewöhnlich, ich bat sie, uns etwas vorzusingen, um sich selbst damit zu erheitern. Sie sang uns nun ein Lied, dessen Inhalt ungefähr war: wenn sie einen Mann hätte, der sie liebte, und für sie sorgen wollte, so möchte sie einzig für ihn und seine Wünsche leben, das würde dann ihr grösstes Glück sein. Sie sang das Lied mit einer solchen süssen Unschuld, so schüchterner Innigkeit, und sah dabei so entzückend schön aus, dass ich, da sie während des Gesanges ihre Blicke am meisten auf mich geheftet hatte, ihren Wunsch erfüllen musste. Sie blieb gleich bei mir. – Ich hatte meine grosse Freude an dem kind, wie gut sie sich nahm, und mit welchem Anstande sie dem Hauswesen vorstehen konnte. Ich muss aber gestehen, sie hätte es weit schlechter machen können, sie würde mir doch nicht weniger gefallen haben, denn ihr kleidete alles, was sie unternahm; man kann sich nichts Reizenderes erdenken, als dieses kleine anmutige Wesen. Meine grösste Lust war es, sie zu schmücken, und sie jeden Tag in unsern Zirkel in immer neuem Kostüme und unerwarteten Abänderungen aufs kostbarste zu kleiden, darauf verwandte ich nicht eben den kleinsten teil meiner Einkünfte. Ich malte sie unter jeder Gestalt, und in allen ersinnlichen Stellungen, als Göttin, als Heilige, als Priesterin, als Nymphe: diese Bilder sollen mir sehr gut gelungen sein. Wir führten