junge Mann, "wie kommen Sie zu dem gefährlichen Abenteuer, mein Vater?" – "Ganz zufällig!" antwortete dieser. "Du weisst, dass der Jäger schon seit einigen Tagen angewiesen war, das Lager aufzusuchen, weil die Klagen über Verwüstungen sich täglich mehren; es war aber bis jetzt noch immer nicht geschehen. Zufällig entdeckte ich es, da ich eben einen Vogel aufnehmen wollte, den ich heruntergeschossen. Ich bezeichnete den Ort, um ihn dem Jäger anzuzeigen, und ging etwas näher hin zum Lager, weil die Alte nicht dabei war; in dem Augenblick kam sie aber aus dem Dickicht, wo der Schuss sie aufgeschreckt hatte, und gerade auf mich los." – Und nun erzählte er ferner in prächtigen Ausdrücken den ganzen Hergang und was der Fremde so glücklich ausgeführt hatte. Der junge Mann suchte sich zu entschuldigen, dass er sich so weit von ihm entfernt; und nun erzählte auch der Jockei seinen Schrecken, als er Ihre Gnaden hätte fehlschiessen sehen; wie er gleich nach hülfe gerufen habe, und dem fremden Herrn begegnet sei, und wie auch dieser fehlgeschossen; wie er dann in grosser Angst umhergeritten, um den jungen gnädigen Herrn zu suchen, den er endlich auf dem Berge am Ende des Waldes gefunden, wo die Aussicht nach dem Schlossgarten frei sei.
Während dieser weitläufigen Erzählungen, die alle nacheinander gehört wurden, die niemanden etwas Neues lehrten, und wovon doch keiner ein Wort verlieren wollte, und die alle mit den grössten Lobeserhebungen für den Fremden anfingen und endigten, war dieser still und nahm auf keine Weise Anteil daran.
Man kann doch, dachte er, in der Welt nicht einmal mehr zu seiner Lust, oder weil es einem gerade in den Weg kommt, ein Tier erlegen, oder man muss dann viel Langeweile dafür erleben! Zu seinem Glücke ist der gute Mann gerettet worden: ist es meine Schuld, dass sein Leben an meinem Spiele hing? Den weitläufigen Dank könnten sie einem grösseren Verdienst aufsparen... Ich hätte die grösste Lust von der Welt, ihnen das mit eben dem Patos vorzutragen, wie sie einander die wundervolle Begebenheit. Bei Gott! mich machen diese Leute sehr ungeduldig. Der feierliche, umständliche, höfliche Alte! der empfindsame exaltierte Knabe! Repräsentanten ihrer Zeit und ihres Standes,... wenn ich ihre Porträte zu einer Ahnengallerie zu machen hätte, so malte ich den ersten, wie er mit grosser Devotion ein von Pfeilen durchbohrtes Herz darbringt, und den andern in erhabenen und rührenden Betrachtungen vertieft über ein Büschel Vergissmeinnicht. Es ist das Lächerlichste von der Welt, ausser ich selbst, der ich mich verleiten lasse, ihnen zu folgen, und mich in Prozession aufzuführen... Was will ich dort? Was ich nun schon hier bis zum Überdruss anhören musste, etwa mir von der ganzen Familie wiederholen lassen? Oder bilde ich mir nicht schon wieder ein, ein geheimer Zug im inneren meines Herzens ziehe mich hin?... Ich war mein eigner Narr von jeher. –
Der alte Herr unterbrach sein Selbstgespräch. "Der Name eines Mannes", fing er an, "kann uns zwar wenig mehr lehren, als wovon uns der erste Anblick und sein ganzes Benehmen unterrichtet: indessen haben Sie keine Gründe den Ihrigen verschwiegen zu halten, so möchte ich Sie ersuchen, uns damit bekannt zu machen. Mir sind die besten Familien unsers Landes auf eine oder die andre Weise bekannt... so wie ich selbst den meisten nicht unbekannt sein werde"; setzte er mit einer Art von Selbstbewusstsein hinzu. "Mein Name ist Graf Schwarzenberg, ich bin General in Diensten des Kaisers. Dieser junge Mann Eduard von Usingen, ein Sohn meines verstorbenen Freundes, und bald mein geliebter Sohn, Gemahl meiner Tochter." – "Ich heisse Florentin." – "Der Name war mir bis jetzt nicht bekannt." – "Ich bin ein Fremder." – "Ihre Bekanntschaft ist mir überaus wert, ich darf voraussetzen, dass Sie mein Haus als das Ihrige ansehen werden; als Ausländer dürften Sie einmal sich in dem Fall befinden, Gebrauch davon zu machen." – "Ihr Anerbieten", erwiderte Florentin verbindlich, "fordert meine ganze Dankbarkeit; ich wünschte nur dieses Mal schon Gebrauch davon machen zu können." – "Wieso?" – "Ich will meine Reise durch Deutschland abkürzen, und auf dem kürzesten Wege zum nächsten Hafen, wo ich mich nach Amerika einschiffen will, um den englischen Kolonien dort meine Dienste anzubieten." – "Nach Amerika?" rief Eduard. – "Ihr Vaterland hält Sie nicht?" fragte der Graf. – "Wo ist mein Vaterland?" rief jener in wehmütig bitterm Ton; gleich darauf halb scherzhaft: "So weit mich mein Gedächtnis zurückträgt, war ich eine Waise und ein Fremdling auf Erden, und so denke ich das Land mein Vaterland zu benennen, wo ich zuerst mich werde Vater nennen hören." – Er schwieg, und sein blick senkte sich trübe und ernst.
Bescheiden drang der andre nicht weiter in ihn, und unter Gesprächen verschiednen Inhalts, die bedeutend genug waren, gegenseitig ihre Begierde zu näherer Bekanntschaft zu reizen, langten sie im Park an, der durch eine blosse Weissdornhecke vom wald getrennt war; sie überliessen hier ihre Pferde dem Knaben. "Meine Gemahlin", sagte der Graf, "hat durch diese Hecke einen teil des Waldes als Park erklärt,