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mit einigen jungen deutschen Malern, die ich in der Zeit kennenlernte, brachten mich auf den Gedanken, die Kunst zu studieren und dann nach Rom zu gehen, um seine Wunder der Kunst zu sehen und zu verstehen. Diesen Gedanken ergriff ich nun aus ganzer Seele und schob das Soldatwerden weit, weit zurück. Ich sann und tat und träumte nichts anders, als Zeichnen, die Werke des Altertums studieren, und mit meinen Malern Kunstgespräche führen. Mit diesen war ich auch entschlossen, nach Rom zu reisen, und mit ihnen dort zu leben: durch einen sonderbaren Vorfall sah ich mich aber genötigt, früher noch, als diese es bewerkstelligen konnten, Venedig zu verlassen.

In einem grossen haus ward eines Abends während dem Karneval ein Ball gegeben; ich ward von den Engländern beredet, mit ihnen hinzugehen. Man spielte, der eine von meinen Lords spielte hoch, und verlor ansehnlich gegen eine Maske, die durch ihr anhaltendes Glück wohl Verdacht gegen sich erregen mochte. Mein ehrlicher Grossbritannier verstand das Ding unrecht, und schimpfte etwas zu laut, und in der gewohnten kräftigen Manier. Nach einem kurzen heftigen Wortwechsel warf der Lord seine Karte der Maske an den Kopf. Ich befand mich an einem andern Ende des Saals in einer Unterhaltung mit ein paar mir unbekannten Masken, die mich neugierig machten, weil sie mich zu kennen schienen, wenigstens wussten sie viel von mir; plötzlich hörte ich Tumult, sah Stilette blinken, die Maske sank nieder; in demselben Moment kam der andre Lord hastig auf mich zu, nannte höchst unvorsichtig meinen Namen laut, und rief mich seinem Landsmann zu hülfe. Ich, noch unvorsichtiger, folgte ihm hin. Man hatte dem Niedergesunkenen die Maske abgenommen, man erkannte den Sohn eines Nobile, er war tot. Der Lärm nahm zu; der Lord hatte ganz den Kopf verloren, bewegte sich nicht von der Stelle, und liess das Gedränge um sich her anwachsen. Ich riss ihm das blutige Stilett, das zum Glück noch kein andrer bemerkt hatte, aus der schlaffen herunterhängenden Hand, liess es fallen, indem ich mich zu gleicher Zeit danach bückte, und es wieder aufnahm. Dem Mörder nach! rief ich aus, dort nach jener Tür! er hat hier neben mir das noch blutige Stilett fallen lassen, soeben drängt er sich dort hinaus! Alles folgte mir nach der Tür, die ich bezeichnet hatte. Der Lord ward verlassen. Seinem Landsmann gab ich einen Wink, und im Vorbeigehen sagte ich ihm: zu mir! Alsdann mischte ich mich in den dichten Haufen, der nach der Tür strömte; ich trieb und drängte mit der Menge und kam glücklich hinaus. Ich mietete sogleich selbst eine Gondel, die ich an einem bestimmten Ort warten liess, und eilte nach meiner wohnung, wo ich die beiden Lords schon fand. Ich kündigte ihnen an, dass sie unverzüglich fort müssten, bezeichnete ihnen den Ort, wo sie die Gondel in Bereitschaft finden würden, und riet ihnen, gleich nach Rom zu reisen. Sie waren wegen Geld in Verlegenheit; was sie bei sich gehabt, war im Spiel verloren und nach ihrem haus durften sie sich nicht wagen, weil man dort gewiss schon auf sie wartete. Ich gab ihnen alles, was ich an barem Gelde hatte. Sie versprachen mir mein Darlehn gleich wieder auszahlen zu lassen, denn auf ihr zurückgelassnes Vermögen in Venedig war nicht mehr zu rechnen. Sie gingen fort, und kamen glücklich nach Rom. Ich hatte alles so schnell und vorsichtig getrieben, dass es selbst vor meinem Bedienten ein Geheimnis geblieben war.

Ich hatte mir eine Erkältung zugezogen, und musste einige Tage zu haus bleiben. Als ich zum erstenmal den Abend wieder in Gesellschaft ging, kam mir die Dame vom haus, die meine Freundin war, entgegen, und führte mich, sobald sie unbemerkt war, in ein Kabinett, 'Sein Sie auf Ihrer Hut', sagte sie, 'es ist bekannt, dass Sie dem Mörder des jungen Nobile durchgeholfen haben, und dass er Ihr Freund ist. Sie erinnern sich, dass zwei Masken mit Ihnen sprachen, als einer von den Engländern Sie bei Ihrem Namen zu hülfe rief. Der Ermordete ist ein Anverwandter und Freund der einen von den beiden Masken: er erfuhr erst, wer der Ermordete sei, nachdem Sie sich schon hinausgedrängt hatten. Der Mörder war gleich nicht zu finden, Sie haben ihm fortgeholfen, und der Freund des Nobile hat beschlossen, Sie für Ihre unzeitige hülfe büssen zu lassen. Sie sind angeklagt, und man wird einen Verhaftsbefehl auswirken. Was diese Massregel gegen Sie erleichtert, und jeden Verdacht bestärkt, ist: dass man aus Ihrem Geburtsort einigen Leuten von Bedeutung aufgetragen hat, über Ihre Aufführung genau zu wachen. Einer von denen, welchen es aufgetragen worden, ist eben der Ermordete, und dieser hatte es wieder seinem Freunde aufgetragen. Ihre Bekanntschaft zu machen, um Sie besser zu beobachten; dieser nimmt nun diesen Umstand als einen Beweis, dass Sie Anteil an der Ermordung gehabt, um sich von seiner Aufsicht zu befreien.'

Ich beklagte mich gegen meine Freundin über diese sinnlose Beschuldigung. 'Sinnlos oder nicht', fiel sie mir ein, 'Sie wissen, es ist genug, dass man den leisesten Verdacht erregt, um Sie zu verderben. Sie haben dem Mörder fortgeholfen, dies ist genug, und mehr als genug gegen Sie. Ihr Feind hat sich auf das Zeugnis der andern Maske berufen, dass Sie