, mein guter Manfredi wollte mein Meister sein. In unsern heissen Köpfen fand dieser ganze Plan nicht die geringste Schwierigkeit, mein Freund versprach mir alles, was ich verlangte; was am Ende daraus werden sollte, das wollten wir ein andermal überlegen, in diesem Augenblick hatten wir vor aller Herrlichkeit keine Zeit dazu. Ich war bei meines Freundes Fechtübungen zugegen, und sogleich ward beschlossen, auch ich sollte heimlich teil daran nehmen. Jetzt wusste ich bestimmt, dass ich Soldat werden wollte, und Manfredi bestärkte mich in diesem Vorsatz. Ich lief ganz voll von allem, was ich gesehen, und betäubt von tausend Empfindungen zu meinem ehrwürdigen Hofmeister, den ich antrieb mir das Nötige herbeizuschaffen.
Als ich das nächste Mal zu Manfredi kam, fand ich seinen Vater bei ihm, und er stellte mich diesem so vor, dass ich merken konnte, er hätte ihm von mir etwas gesagt. Ich war ängstlich, ich hatte noch immer eine gewisse Furcht vor allen erwachsenen, älteren Leuten, als den Feinden der jungen. Der Marchese flösste mir aber bald Zutrauen ein, er begegnete mir freundlich und mit Schonung. Als ich einigen Mut gefasst hatte, fragte er mich nach den genauern Umständen meiner geschichte, Manfredi hatte ihm nur das Allgemeine davon mitgeteilt. Ich erzählte nun meine Lebensart, klagte über den Zwang zu Studien, die mir Langeweile machten; dass ich zum Kloster bestimmt, aber entschlossen wäre, mich bis in den Tod zu widersetzen; dass an dieser Härte und diesem Zwang niemand schuld wäre, als der mir fatale Prior, der Beichtvater meiner Mutter, dem sie nicht allein das Heil ihrer Seele, sondern auch die Führung aller weltlichen Dinge anvertraut hätte. 'Ja', rief ich mit dem grössten Affekt, 'ich will lieber den Tod als das Kloster! ich will die abscheulichen Mönchskleider nicht länger tragen! ich will nicht aussehen wie diese Mönche, und nicht werden wie sie; dazu hat man mich schon seit der zarten Kindheit gewöhnen wollen.' Ich klagte sogar mit der grössten Bitterkeit, dass mir schon angekündigt wäre, mir in den nächsten Tagen die Haare abzuscheren, die ich, eitler törichter Weise, zu sehr liebte. Bis jetzt hatte sie meine Mutter trotz der Vorstellungen des schrecklichen Priors immer noch erhalten, weil sie selbst sie liebte; nun sollten sie aber herunter, weil sie befürchtete, ihr Herz zu sehr an diesen weltlichen Schmuck zu hängen. –
Sie lächeln, Juliane, über die Wärme, mit der ich dieser kindischen Eitelkeit erwähne! Sie können aber wohl schwerlich denken, wie entsetzlich mir die idee war, ebenso auszusehen wie die Mönche mit ihren geschornen Köpfen: meine Haare hielt ich noch für das einzige, was mich von dieser verhassten Klasse unterschied, das Seil, das mich noch in gewissem Sinn an die Welt knüpfte, die ich durchaus nicht verlassen wollte, die ich erst wollte kennenlernen; diese Haare sollte ich nun lassen!" – "Nun, lieber Florentin", rief Juliane, "halten Sie sich nicht auf, was sagte der Marchese zu Ihrer tragischen Erzählung?" – "Dem Marchese schien sie Vergnügen zu machen, er lächelte einigemal mit Bitterkeit, als ich vom Einfluss des Priors auf meine Mutter sprach. In der Folge erfuhr ich, dass er durch die Einmischung der Geistlichen in Familienangelegenheiten schon eine schreckliche Zerrüttung bei einem seiner Freunde erfahren, und seitdem allem, was zum Mönchstume gehörte, den unversöhnlichsten Hass geschworen habe. Er ist sowohl durch seine Herkunft als durch sein Vermögen von grossem Einfluss, und gebraucht diesen soviel er vermag, und mit der grössten Vorsicht und Klugheit, um allen Orden zu schaden, wenigstens ihrem zu grossen Einfluss entgegenzuarbeiten.
Er fragte mich, wozu ich entschlossen wäre, und was ich zunächst tun wollte? Ich entdeckte ihm mein Verständnis mit dem Pater, und wie ich, sobald mich Manfredi in den notwendigsten Stücken würde unterrichtet haben, gesonnen sei, davonzugehen, und im Auslande Soldat zu werden. Mit dem letzten war der Marchese zufrieden, aber die Heimlichkeit wollte er nicht billigen. Er drang darauf, mich meiner Mutter zu entdecken. Ich erinnerte ihn, wie meine Mutter so ganz von ihrem Beichtvater abhinge, und dass ich von diesem ja auf keine Weise etwas hoffen dürfte. 'Gegen jeden Mann von Ehre', setzte ich keck hinzu, 'und der mit gleichen Waffen gegen mich ficht, werde ich offen und ohne Rückhalt handeln und sprechen, aber gegen diese Menschen halte ich die List für erlaubt, sie ist mein einziger Vorteil gegen sie.' Den Marchese belustigte wahrscheinlich mein kindischer Eifer, denn er liess mich eine gute Weile deklamieren. Endlich sagte er: 'Nun gut, mein junger Freund! beruhigen Sie sich nur. Sie haben recht, Sie dürfen sich nicht aussetzen, ich werde Ihre Sache führen, hoffentlich soll es mir gelingen Sie freizumachen, nur versprechen Sie mir, nichts ohne mein Vorwissen zu unternehmen.' Ich versprach alles, was er wollte, in der Freude einen Beschützer an dem Vater meines Freundes gefunden zu haben. Jetzt gedachte ich auch meiner armen Schwester, die, wie ich mir einbildete, in derselben angstvollen Lage seufzte. Der Marchese erkundigte sich näher nach ihr; da nahm Manfredi das Wort, und beschrieb ihre rührende Schönheit, ihre Sanftmut und Geduld mit einiger Wärme. Der Marchese hörte ihn ernstaft an, und sagte dann: 'Es tut mir leid, für Ihre Schwester kann ich nichts tun; Familienverhältnisse machen