Wetter, und er fuhr mit den Mautners-Suchnadeln seiner Empfindungen in alle Schönheiten der natur, in Sterne und Käfer. Fahland, wie seine ganze Diebesbande, hält das Abendrot und ganze Haine bloss als Springwurzeln an das weibliche Herz, damit dieses Vorlegeschloss der person aufspringe; mit der Erdkugel und einigen Himmelskugeln und der zweiten Welt beeren sie die Schlinge für das dumme Schneussvögelein vor.
Es charmierte mich, dass der Zensor im ästetischen Fache auf der empfindamen Reise zur Rotonde verblieb; ich half oben dem schwachen Wind mit Rudern nach als dessen Vorspann. Der Zensor liess schon die Korsarenflagge, das weisse Schnupftuch, flattern und trocknete seinen Augapfel; die Schwarze steckte die weisse auf und trocknete damit auch. – O guter Himmel, treibe sie in die Rotonde und mich oben gerade über das Loch! – Man nehme solchen Zensoren in ästetischen Fächern das Unglück und also die Klage darüber: so hat man ihnen ihr Liebesglück genommen; wie an dem Räucherstecken der Speck der Schweine, die in die Buchmast gegangen, so tropfen Tropfen dieser Art unaufhörlich und höhlen sich das Herz aus, worauf sie fallen. Ich habe ein Mandel davon beiderlei Geschlechts aufgerechnet, das jetzt ganz verdrüsslich und erkältet wird durch zärtliche Musik, bloss weil das Mandel die besten erotischen Qualen längst verscherzet hat und sich also aller Verluste verlustig sieht, denen etwa in klagenden Arien nachzuweinen wäre.
Das Schnupftuch – dieses Geifertüchlein bärtiger Kinder – ist die beste Herzensflossfeder, die ich je an solchen Fischen gesehen; die Mädchen sind wie Kalk, den der Freskomaler so lange bearbeiten und bemalen kann, als er nass ist. O warum bin ich nicht der Teufel oder seine Grossmutter, um solche Neptunisten – die zu Vulkanisten zu erbärmlich sind – abzuholen und abzutrocknen in der Hölle? –
Der halbe Mond stand mitten auf der Himmelsmoschee wie ein türkischer. Das Paar sah sich nicht um, sondern nur nach dem Mond, der wie ein Juwelenschmuck über dessen Haaren stand; es nahm also geblendet mich und meinen nur noch 100 Schritte von ihnen gehenden Weltkörper nicht wahr. Es war so wind- und landstill, dass ich Fahlanden hinaufhören konnte, da er sagte: "Die Gewalt des ungeheuern Schicksals, Edle, etwa? – Nein, dagegen bin ich löwenstark, sobald nur mein Herz an deinem klopft." Dieses Zusammenklopfen möchte schwerlich – ohne verrenkte Gruppierung – tulich sein, es müsste denn eines von beiden Herzen rechts vorgeschoben werden.
Endlich besah er den Mond und fragte ihn – oder den bekannten Mann im Mond, wenn er nicht den Mann unter demselben meinte, nämlich mich –, ob er (der Mond, oder der Mondmann oder ich) vielleicht so still und heilig glänze, weil er mit ihm schwelge und leide und wandle. "Ich will dich aber allein und abgesondert anschauen, du Heiliger, in deinem Tempel; komm du mit, du Heilige!" Mit diesen Worten, womit er sich und das einsame Besehen des Monds durch das Rotonden Spundloch introduzierte, war er mit der Schwarzen in den Tempel hinein. – Ich fuhr oben nach.
Matrosen, wie sie sein sollten, wofür dieser Almanach geschrieben, braucht die unsägliche Mühe nicht langweilig abgemalt zu werden, die sich ein Luftschiffer geben muss, wenn er den geizigen Wind – die waagrechte Ferne – die steilrechte – das Öffnen beider Luftähne – und den Bogen, den er halb sinkend, halb wie eine Bombe zwischen beiden Fernen beschreibt – gerade so berechnen will, dass er zuletzt auf einmal (die Hähne sind ganz aufgedreht) in das Rotondenloch hineinschiesset. Verdammt! ich schoss freilich so und ankerte; aber nie verfluchter. Ich blieb mit meiner Sänfte im Introitus stecken, der sie zwischen den beiden Türgriffen so in der Mitte fing, dass ich nicht aufmachen und mich durch Auswurf einiges Ballastes wieder aus dem Schweissloch heben konnte; – ich hatte meinen Ballon gleichsam als eine Peterskuppel auf diesen Tempel gebauet.
Vor allen Dingen sucht' ich mehrere Bannstrahlen aus meinem Souffleurloch auf das mäuschenstille Paar hinunterzuschleudern, eh' es davonlief, und drückte mich in der Sänfte so aus: "O mein Herr Zensor im ästetischen Fach, der Passagier, der hier in der kläglichen Fassung über Ihnen schwebt – ich meine nicht meines Geistes, sondern des Mastkorbes seine –, kennt Sie sehr gut und hat in der Luft alles gehört und behorcht. Sie Heuchler! – Springt man so um mit Gänslein, wie ganz gewiss das schwarze da unter mir in der Rotonde ist? – Braucht man das Herz zum Diebsdaumen – den Pegasus zum Schiesspferd gegen diese einfältigen Trappen – und die schöne Nacht zum Nachtgarn und den Sternenhimmel zum Lerchenspiegel? Herr Federschütz! Stellet ihr Spitzbuben nicht den Mond als Tellerfalle der Nymphen auf und den Regenbogen als Sprenkel? – Ich vermische die Anspielungen, aber ich frage jetzt den Teufel nach Stil, Herr Zensor, aber nicht morum! – Und die Tränen-Stückgiesserei! und das eigne Herz, das ihr so zerschnitten vormalt, wie es sonst die Hosen der Vorfahren waren. – – Magdalene sündigte doch, um zu weinen, aber ihr weinet, um zu sündigen, eine teuflische Antitese, aber im Handeln! – Wollte Gott, ich könnte mich nur aus der verdammten Schiessscharte, in die ich bloss hineinfeuern muss, hinabmachen. – Sie sollten mich kennen lernen. – – Warum defendiert sich niemand drunten? – Wo stehst du denn, stiller Spitzbube?" –
Aber da ich zufällig einen blick über den Park warf,