Krötenritterschaft nahm sich zusammen, und das Flugstechen fing nun erst, da die Ritter bisher öfters vom Geflügel überflügelt worden und der Übermacht gewichen waren, recht erbittert und glücklich an. – – Wahrlich das jetzige Geschrei der Weiber das Blinken der Stossgewehre – das Flattern der Fahnen und Mäuse – das Sturmlaufen der Froschmäusler – das Stehen der drei Minister, die den Flug der Vögel beobachteten als Augure – der erwürgte sinnlose Haushofmeister mit dem Messer, der noch schwenkte – das alles zusammen formierte ein Schauspiel, dergleichen man im Novitätentempel zwar kein braveres, aber auch kein terribleres je gesehen hat, ausgenommen etwa sein Ende. Denn der Ordens- und Obergeneral war so glücklich, den rechten feindlichen Flügel mit dem Hasenbrecher unter sich zu bringen und solchen wirklich zu erstossen; worauf sich sogleich – weil in derselben Zeit der Schelm Giannozzo den linken Flügel an dem rechten der Maus in geschickter Stechweite mit seiner Gabel aufspiesste und so alle Gefahr vorüber war – der sämtliche Hof in corpore zu dem Sieger und der Maus hinzudrängte und jeder ihm wie an einer Geburtstags-Cour seine Glückwünsche abstattete. Aus dem lebendigen Gefangenen an der Gabel und dessen Krummschliesser wurde, wie es schien, weniger gemacht, und der besagte Schelm mit seinem Vogel schien nur den roten Adler zu tragen an ihr, Serenissimus aber den schwarzen.
Ende des berühmten vierreuterischen krieges
Nach den Krötenritterspielen stand die Lust wie ein langes Morgenrot über der Tischgenossenschaft. Sie wollte noch ein Abendrot dazu haben, nämlich meine Auffahrt in der Nacht; und ich wurde daher allgemein geachtet, wie es Menschen pflegen. Ich sah oft "liebenswürdige herrliche Gesellschafter", die es darum waren, weil sie wie Hähne krähen, oder fünf Kartenkünste machen konnten, oder weil sie einen Pudel mit hatten, der halben Menschenverstand besass; so wurden meine beiden besten Kugeln, die im Kopf und die in der Brust, bloss durch die ärostatische gehoben. – Zur Belohnung bat ich den Hof, nach meiner Auffahrt eine Stunde lang achtzugeben, ich würde oben unter den Sternen dreimal den Novitätentempel umkreisen und mich senken.
Ich ging ins Wirtshaus und fuhr auf – und davon.
Dritte Fahrt
Das fisch-Eden – das Saturnianer-Land –
das Dörfchen Dorf
Den wahren Himmel auf Erden, sagt' ich oft, besitzt wohl niemand als ein Seefisch. Wär' ich einer, z.B. ein Haifisch, so könnt' ich unter dem Eishimmel des Nordpols hervorbrechen, vor der kalten Zone vorbeischwimmen, dann vor der gemässigten und am Gleicher halten und wie andere Normänner Menschen rauben – und dann meine Reise um die Welt fortsetzen. – Ich hätte überall etwas zu fressen, nämlich meine wasser-Sassen, die Stockfische, und wo ich fröre oder schwitzte, säh' ich mein gemässigtes Klima unter den Flossfedern, in das ich untertauchen könnte. Welches herrliche, freie, weite Reich, worin wir Hai- und andere Fische neben einigen gestrandeten Weltteilen und Inseln, wovon die wenigsten schwimmen, leben ohne Blitz und Überschwemmung, ohne Dürre und Misswachs und ohne Fischseuche! –
Fast wie einem solchen fisch im wasser war mir gestern nachts in der Luft, als ich herauskam aus dem Novitätentempel, welche lüftende Freiheitsluft gegen den Kerkerbrodem unten! Hier ein rauschendes Nachtluft-Meer, drunten ein morastiges Krebsloch! Ich machte die Sänftenfenster dem frischen Luftzug auf und blies vor Lust mit meinem Postörnchen hinaus. Drunten auf meinem zurückgelassenen Meersboden stieg ein Dieb in eine Kirche ein – unweit davon stieg ein Mönch aus einem Kloster als Selbstdieb heraus – in den Wald liefen Wilddiebe – auf dem feld Wächter gegen das diebische wild – ferner Reisende – Sentimentalisten u.s.w. Was ging mich das tiefe Volk an? – Ich ging zu Bette.
Saussure klagt schon über die Schläfrigkeit auf Höhen; auf meiner gedeihen die Mohnköpfe noch besser. Ich erwachte erst, da ich schon über dem Saturnianerlande schwebte. Es verdient seinen schönen Namen, da wirklich Saturns goldnes Alter sich da noch aufhält. Der Hof, der Hofprediger und die kammer sagen es dem Fürsten an Geburtstagen, weil sie das Land mehr bereisen und kennen als er. Wenn je ein saturnianisches Lustrum so auf der Erde weilte, wie Hesiod es beschreibt – sagen sie und schlagen den alten Sänger auf –, eines, wo die seligen Menschen ohne Ackerbau, ohne Gold und ohne Fleischessen lebten: so ist es hier in unser Land versteckt; wo ist, fragen sie, hier mühsamer Bau des Landes, das alle seine Gaben freiwillig gebiert, die freilich nicht von jedem zu geniessen sind? Wo wird weniger Blut vergossen und Fleisch gegessen als da, wo fast gar kein Viehstand ist? – Und was das Gold anbelangt, das eben in goldnen Zeitaltern erweislich nur im Namen steckt, so haben wir die echtesten Papiere in Händen, um das Alibi desselben zu dokumentieren; denn das Blei, das unlegiert im land rouliert, ist eben die rechte Gedächtnis- und Krönungsmünze des Saturns, den die Chemiker einmütig zum Namenszug dieses Metalles aufgestellt. In andern Ländern wird oft eine Regierung die glückliche unter dem Saturn genannt, weil dieser, wenn nicht seine Landeskinder, doch seine apanagierten Prinzen vor Liebe aufzuessen suchte.
Mittags fütterte ich im saturnianischen dorf "Dorf" sowohl mich (freilich mager genug) als das ganze Dorf für 2 Taler 48 5/8 Kreuzer ab. Sämtliche Dörfer kamen vor Erstaunen über die Mildtätigkeit eines so reichen Herrn – da der goldhaltige Paktolus sonst nur von unten, wo er entspringt, hinauffliesset, ich aber