unsers Landes
Wir etc. etc. etc. werden mit äusserstem Missfallen den Luxus innen, der in unsern Staaten um sich frisset. Bettler prunken schon in kouleurten humoristischen Habiten, aus einem teuern Gehäcke von allen Zeugen genäht, als wandelnde Farbenpyramiden wie Motten einher, indes ihr Stand ihnen zuruft, gleich Grazien und Würmern bloss den spartischen Schleier der allgemeinen Zucht um sich zu schlagen; wir wollen aber hoffen, dass es nur ausländische Bettler sind, welche freilich die spartische Nationalkleidung unseres Landes nichts angeht.
Allein bei den Büchern ist der Kleiderluxus ebenso klar als enorm. Geistliche, andächtige Werke, die sonst im bescheidnen Priester-Ornat und Trauermantel einherwandelten, kleiden sich wie Gecken nach englischem Schnitt und tragen Tressen und reden doch von Gott. – Juristen-Kinder gingen sonst wie die Schweine, nämlich in deren Leder, oder auch in Schafskleidern, oder ein hölzerner Skaphander war der Rock der Gerechtigkeit, und ihre vier Hufen waren mit Eisen beschlagen; jetzt springen sie uns als Halbfranzen, als Perlhühner entgegen, und wollen gleichwohl Leute en longue robe vorstellen. Es sind die alten Folianten gar nicht mehr, ob sie gleich ihre Sprache reden.
Die Ärzte gehen in Marmor anstatt wie sonst in Halbtrauer – Die historischen, die philosophischen Werke tragen sich, wie sie wollen – Andere sind im deminegligé broschiert – Einige laufen türkisch oder im türkischen Papier – Die sogenannten Monatsschriften haben zwar nichts an sich als die Haut, tätowieren sich aber diese bunt – Viele Romane kleiden sich so ausschweifend, z.B. in drap d'or, dass sie sich immer in Überröcke und Staub- und Pudermäntel stecken müssen.
Den ärgsten Unfug verführen aber die NeujahrsHausierer und Gratulanten, die Almanache. Diese zusammengebrachten Kinder schlagen ihren guten dürftigen Eltern, die selten etwas Ganzes anhaben, wenig nach, sondern schämen sich ihrer und treten in goldnen Gilets, in Seidenröcken oder als patres purpurati (in Maroquin) daher und schnalzen als Goldschleien durch die Finger. Diese Kreaturen sind ordentliche Schaltiere, sitzend immer in Rinden- oder Wachtäuschen, Sänften, elastischen Korsetts oder kleinen Selbstrepositorien39 woraus man sie erst kriegt und lockt, wenn man sie an ihrem bunten Schärpen- oder Ordensbande zupft.
Wir etc. etc. können nun nicht länger zusehen, dass das Gold und die Farbe, die sonst der Chrysograph und Rubrikator in die Bücher anbrachte, jetzt wie oft bei den Besitzern nur aussen an ihnen klebe – dass gutes Leder, das so sehr zu Hosen, Trommeln und Schreibtafeln den Menschen dienen kann, von Büchern getragen werde – dass das beste, stärkste Papier statt nützlicher patriotischer Waren Bücher einfasse, die ja selber um jene Waren gehören – und dass dieses gottlose Wesen so steige wie in London. – Sondern es soll jetzt von Uns verordnet werden, dass die sämtlichen Bücher-Schneidermeister, anstatt Tuchlieferanten zu sein, bei ihrer Heftnadel bleiben und nur Buchhefter, aber nicht Buchbinder sind, wie sie immer in den "Nachrichten an die Buchbinder" heissen. Die Nationalkleidung aller Werke soll natürlich und wie die der Zeitungen und vernünftigen Monatsschriften sein, nämlich entweder ein Schmutztitel vornen und das Ende und Bergleder (das Register) hinten, oder höchstens die beiden weissen Buchbinder- oder HemdBlätter.
Bloss diejenigen Werke, die an den Hof zur cour en robe gehen wollen, oder sogenannte Dedikationsexemplare sollen die gewöhnliche Buch-Toilette machen und in goldgestickten Anzügen und in feiner, weisser Wäsche erscheinen, worauf der Hofbuchbinder, der grand maitre de garderobe der Bücher, vorzüglich zu sehen hat. Denn da das Widerspiel der Biber, wovon die einsamen ein schmutziges abgerissenes Fell, die geselligen aber ein feines nettes haben, sowohl von den Menschen als den Büchern gilt: so ist gerade ein Hof der Ort, wo sich das feine Kleid eines guten Buches am besten konserviert, zumal vom fürstlichen Wappen gedeckt, und wo niemand Hand an das schöne Gold seines Bauches legt. etc. etc. etc. etc.
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Ich dürstete nach dem Meer; und siehe, ein Sturm arbeitet jetzt draussen, der mich noch heute über seine Wüste führen kann.
Elfte Fahrt
Das Meer und die Sonne
In Norden dämmerte die Sonne hinter den Orkaden – rechts nebelten die Küsten der Menschen – als ein stilles, weites Land der Seelen stand das leere Meer unter dem leeren Himmel – vielleicht streiften Schiffe wie Wasservögel über die Fläche, aber sie liefen zu klein und weiss unter dem Schleier der Ferne – Erhabene Wüstenei! über dir schlägt das Herz grösser! – Auch du gehst fort, bleiche Sonne, und als ein weisser Engel hinab ins stille Kloster der Eismauern des Pols und ziehest dein blühendes, auf den Wogen golden schwimmendes Brautgewand nach dir und hüllst dich ein! – Die Blasse im Rosenkleide! wo ist sie jetzt? Wird sie in ein warmes, reges Auge schimmern zwischen den Eisfeldern? – Ich schaue herab auf den finstern Winter der Welt! Wie stumm und unendlich ist es da unten! Das allgewaltige fortgestreckte Ungeheuer regt sich in tausend Gliedern und runzelt sich, und nichts bleibt gross vor ihm als sein Vater, der Himmel! – grosser Sohn! führest du mich zum Vater, wenn ich einmal zu dir komme? –
Welcher Goldblick! Im Abendrot glüht Aurora an. Was reisset so schnell das schwarze Leichentuch vom wasser-Orkus weg? – Wie brennen die Länder der Menschen wie goldne Morgen! O kommst du schon wieder zu uns, du herrliche, liebe Sonne, so jung und rosenrot, und willst wieder freundlich