und Faulpelzwerk der linken Hand und zweier Füsse. Was Nicolai zu allem diesen sagt, möchte' ich wissen. Abgerechnet die wenigen Spinner mit zwei Händen – oder die Krippel, die einen guten Fuss schreiben, nicht eigenhändig (m. ppr.), sondern eigenfüssig (p. ppr.) – oder die Wilden, welche mit den Füssen stehlen und ausser den langen Fingern und Diebsdaumen noch lange Diebszehen haben und in einem andern Sinn Räuber zu fuss sind: so tun gerade drei Viertel am Menschen nichts, und er hängt voll Faultiere. Sapperment! kann nicht die Hand oben und der Fuss unten ein Paar Handwerke zugleich treiben? Ist der Tanzmeister, indem er unten mit den Füssen das Seinige tut, nicht zu gleicher Zeit der grösste Spieler oben auf dem Geigelein? Und könnte einer, der von oben herab Friseur, Stricker, Wollenkratzer, Former wäre, nicht zugleich von unten hinauf ein Läufer, Fusslanger, Tretrad-Wandler und Orgel-Balgentreter sein? – Wahrlich, der Staat könnte durch ein strenges Wegschneiden aller dieser Ess-, Bet-, Buss- und Gliederferien dahin hinaufgearbeitet und gezogen werden, dass er ein ordentliches grosses Raspel- und Arbeits-Haus würde, überall mit emsigem Sitz- und Greif-Fleisch ausgepolstert, alle darin schwitzend, keuchend, kartätschend, scheuernd und wütend, ohne sich nur umzugucken und ohne sich zu scheren um Lust und Liebe und Himmel und Hölle. – Ulrichsschlager! ihr seid fast die Leute dazu."
Ich werde sogleich fortfahren bei ihnen; ich will nur erst ein solches Arbeitshaus herzlich zu 10000 Teufeln wünschen und in die Hölle (eine solche Vorhölle) und vorher unter dasselbe einen hübschen Minengang zum Aufsprengen.
"Anlangend das Geld," (fuhr ich fort) "dieses Herz des inneren Menschen, so bedaur' ich seit Jahren die Staaten, die es verfressen und versaufen. Die besten schneiden ihren Festungs-Sassen nur das Kaffeewasser ab; aber warum lassen sie zu, dass der Kaffee seine Repräsentanten ins Unterhaus schickt, Zichorien, Eicheln, Rüben und den Satan? Warum stopft man – dieselben Gründe schreien – der Glückseligkeitslehre nur eine Quelle zu? Warum wird Tee, Wein, Fleisch, Bier, Gebacknes so frei zugelassen? Desgleichen Obst, Gemüse und alles nur Leckerhafte, da gesundes Brot seinen Mann ernährt? – Mit alle diesem könnte ja gehandelt werden nach auswärts und ein hübscher Pfennig Geld ins Inland gespielt – alle Waren würden, wenn mans täte, wie bei den edlen Holländern die französischen Bücher, nur spediert und verlegt, ohne das geringste Konsumo – Ulrichsschlager! würde dann nicht das Staatsgebäude ein grosser, blanker Silberschrank und alle Untertanen Preziosa für den Fürsten, die er angreifen könnte in der Not?" –
Ein geniessender Mensch nimmt mich zwar nicht ein, weil der Genuss das selbstsüchtige Selbst entblösset; aber ein sich Freuender erfreuet mich, weil die Freude ein reiner Äter ist, worin alle Sphärentöne klingen und fliegen können. Madame Helvetius wünschet, es gäbe Flüsse von Brei, damit nur der Magen in Ruhestand käme; wer würde dann an ihren Ufern wohnen? Offenbar Otaheiter, Griechen, Italiener, Hindus, zu denen die Grön- und Feuerländer und andere Türmer aus den beiden Hungertürmen der Pole herübergucken könnten.
Van der Haft und die übrigen Hafte fanden – ein paar Detail-Händler ausgenommen – meine Grundsätze ganz durchdacht, aber fast zu strenge und schwer ausführbar. – Der Grossonkel nahm mich nach dem Essen – er hatte 2 1/3 Glas Wein im alten Kopf – freundlich beiseite und bat mich, ihm ohne Scheu sub rosa zu entdecken, auf was ich eigentlich mit meinen äronautischen Versuchen hinzweckte. "Ich?" (sagt' ich) "auf nichts, auf Spass!" – "Ernstaft, Neffe! Höhenmessungen, astronomische oder meteorologische Versuche, Untersuchungen der Wolken können Sie mir ohnehin eingestehen; aber greifen Ihre mühsamen Reisen nicht mehr ins praktische Leben?" – "Wahrlich, bloss zur Lust lebe' ich oben und aus Ekel am Unten." – "Und deshalb setzen Sie Ihre Gesundheit in der kalten, feinen Luft zu?" – "Herr, die setzt jeder Schuster, jeder Autor, jeder Stubensitzer zu; denn um ganz gesund zu leben, muss man leben wie ein Vieh, wie ein Bär oder Hirsch." – "Und wenn Euch eine Gewitterwolke an sich zieht?" – "Darauf dachte' ich oft; dann wär's aus; aber ich werde wohl mein Ziel vorher fassen – warum will ichs meinem guten Grossohm nicht sagen? Ich reise als geographisch-militärischer Luft-Spion, nehme dann in Schwaben französische Dienste und versuche mein Glück, wenn mich keine Kugel trifft." – "Das hör' ich gern, Neffe!" sagte der Narr. – – O die Blinden! dem Magen darf man – sie erlaubtens – alles opfern, die Jahre, das Blut, sogar ein Stück Tugend; aber dem Herzen, der Lebensfreude nichts, als was jener vom Opferaltar ungefressen übrig lässt, und die heilige Psyche ist euch nichts als der Futtermarschall, Erzküchenmeister und Erbvorschneider, ach, der Küchenjunge des Magensacks! Geht, ich will wieder hinauf! – –
Ich könnte heute im Vielfrass keine Zeile mehr in mein Seebuch schreiben, aber hereinheften will ich ein herpassendes Aufwandsgesetz, das ich im Namen des Fürsten Saturns (sein Land kam oben vor) als expedierender Sekretär abgefasset.
Kleiderordnung für sämtliche einwohnende
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