kleinstädtischen Achtzehnjahrhunderter ohne Geister und Religion mitten in der Kammerjägerei ihrer Brotstudien, Brotschreibereien und ihres Brotlebens mit etwas Überirdischem (ich fahre z.B. als ein Engel durch den Saal) aus der Trödelbude ihres abgeschabten Treibens und Glaubens hinaussprengte, so dass sie sich lieber für toll hielten und für krank und sogleich nach dem Kreisphysikus schickten Ach, das sind sanfte IdyllenTräume!
Aber es geschah doch etwas, wenn ich füllte und in die Luft flog; es wurden mir doch, wenn ich so luftseefahrend weniger wie Howard durch die Kerker als um den grossen Kerker aller kleinen reiste, Mittel und Wege gezeigt, besser auf die Menschen zu wirken, es sei nun, dass ich einige Steine meines Ballastes auf sie werfe, oder dass ich als herabkommender révenant wie ein Falke auf ihre Sünden stosse, oder dass ich mich ihnen unsichtbar mache und fest in solcher Luftöhe und Barometertiefe.
Vorgestern am ersten Pfingsttag, wo der heilige Geist aus dem Himmel niederkam, verfügt' ich mich aus Leipzig in denselben und stieg. Vor dem Peterstore neben der Kirche spannt' ich meine azotischen Flügel aus – zum Glück in einer Viertelstunde. Denn der Portier des Tores und der der Kirche (der Küster) schlossen einen Verein und suchten die Polizei aufzuwecken, um es mir verstärkt zu wehren, damit ich nicht unmittelbar vor den langen Kirchenfenstern in die Höhe segelte und sie drinnen turbierte. Ich war aber bald über das zugesperrte Stadttor weggeflogen. Die Wache hatte vielleicht erwartet, dass ich mir es aufschliessen liesse. Denn es ist da die gute Einrichtung, dass man die Tore, wie Janus seine, zur Zeit des Gottesfriedens in den Kirchen völlig sperrt – damit die Zuhörer und noch mehr die Armenkatecheten darin nicht gestöret werden durchs Gehör – und solche nur dann aufmacht, wenn Wagen kommen, damit die Passagiere ebensowenig dabei leiden; – und so läuft Einfuhr der Ermahnungen und der Menschen gut nebeneinander fort.
Aber, o ihr Genien, warum schenk' ich hier diesem etwas antigenialischen Pleiss-Hanse-Aten – leider wollt' es sich auf dem Getäfel seiner Ebene mir gar nicht aus dem Gesicht verlieren – nur drei Worte über seine lackierte und getriebene Arbeit von Umgang, über seinen Mangel an Eisenfressern und Überfluss an Eisensäufern1 und über den Handelsgeist, der nie sagt: ich und du, sondern: ich et du? Warum lass' ich mich herab zu dieser Ebene? Erstlich weil mich ihre galanten Gelehrten ergötzen, die stets einen schönen Mittelweg zu halten wissen, es sei von der scientia media der Philosophie die Rede oder von den Mittelstimmen der Poesie2; und zweitens, weil sich die Stadt doch täglich einen frohen Tag macht und aufs Land geht. Sonst wächset an Handelszweigen mehr Holz als Blüte.
"Aber ich strecke meine arme (an meinem inneren Menschen und neuen Adam hängen beide) Dank-betend gegen dich aus, göttliche Sonne, und danke dir, dass ich dir näher bin und ferner von den Menschen, sowohl von den Sachsen als von allen andern! – Ich will sterben, schlaf' ich diese Nacht drunten. – Und doch möchte' ich an dem Steine liegen, wo du einschliefst, heiliger Gustav, und heute zu diesem Jakobs-Kopfkissen niederfahren!" – –
Das schrieb ich, da ich auf dem Schlachtfelde bei Lützen den Gedächtnisstein sah, den ausgeworfenen Ballast, als Gustav blutig höher fuhr; – – aber die Winde wurden meine Sänftenträger, und ich schlief über euerem Gewölke.
Mein Schiff hab' ich – da doch jedes so gut wie eine Glocke oder seine Mannschaft unter der Linie eine Taufe haben will – den Siechkobel getauft.
Zweite Fahrt
Endigung der ersten – die Krötenritter – Frosch- und
Mäusekrieg im Fürstentum Vierreuter
In Luftschiffs-Journalen muss Ordnung sein; ich fange wieder an.
Vorgestern am Auffahrtstage war ich um die Welt nicht her unterzubringen auf diese; vom unsteten Wehen liess ich mich über Sachsen hin- und herwürfeln. Ich oder der neue Trabant um die Erde mochte ihnen drunten etwa die scheinbare Grösse des alten haben. Mein Tischgebet verrichtete ich vor einem weichen Ei, das ich mir in Dintenwein3 auftrug. Ich könnte ein pläsantes Leben hier oben führen, wenn ich mich nicht den ganzen Tag über alles erboste, was ich mir denke und finde. Schon drunten war ich oft imstande, tagelang die stube auf- und abzulaufen und die Faust zu ballen, wenn ich über die böse Zwei (die böse Sieben für mich), über Ungerechtigkeit und Aufblasung reflektierte und mir die greuliche Menge der Schnapphähne und der Krähhähne vorsummierte, die ich in so vielen Ländern und zeiten muss machen lassen, was sie wollen, ohne dass ich den einen die Sporen, den andern den Kamm abschneiden, dort Köpfe, hier Fenster einschlagen könnte. O Bruder Graul, kennst du auch den Ingrimm, wenn der Mensch sich vergeblich ein paar Sündfluten oder Jüngste Tage oder einen mässigen Schwefelpfuhl wünscht, und es wie ein fauler Hund mit anschauen muss, wie zahllose Blut- und Schweinsigel, Kirchenfalken und Staatsfalken – in allen Ländern, Departements und den drei Zeit-Dimensionen – ungestraft saugen, stechen, stossen und rupfen; – wie sie, gleich dem grünen Wasserfrosch, der die bewohnten Schneckenhäuser verdauet, Häuser und Länder verdauen; – wie sie (die besagten Bestien) wie der Ochse des Phalaris sogar den Schrei des Menschenschmerzes in das Brüllen einer wilden Tierstimme verkehren? – O könnte man nur eine Woche lang als ein hübsches volles Gewitter über die Menschenköpfe ziehen