auf Erden in einem Wirtshaus schlafen. Leider wollte der angebissene Mohnölkuchen, der Mond, gar nicht herauf, und ich konnte von der Stadt, wohinunter ich gedachte, nichts als die Talglichter erkennen. Ich sank ihr demnach langsam und guter Dinge zu, ohne zu merken, dass ich mich dem verfluchten Mülanz, dem ich den Galgenjubel nachgelassen, in den Schoss setze. Da ich nur sehr gemach – um mit den gläsernen Sänftendielen auf nichts aufzustossen – niederging und oft im Sinken hielt: so kam ich vor einem hellen Fenster im vierten Stock vorbei, durch welches ich den Zensor Fahland neben einem Bette knien sah, wovon nichts Schlafendes ersichtlich war als ein weisses Händchen, das der Beter hielt. Der Chemiker machte über die Brennbarkeit weiblicher Diamanten seine Versuche. Ich drückte leicht das Fenster (an dessen Kloben mich heftend) auf und wollte seine auf dem Sessel schlafenden Strümpfe und andere zum Untern seiner Karten gehörige Kleider herausziehen, um ihn vor der Welt ins erbärmlichste Licht zu setzen; – und es gelang auch – aber indem ich seine Effekten in die Sänfte hineinhatte, schrie der Diamant im Bette: "Ein Räuber!" (er war da, aber neben dir, dummer Juwel! -) und unter mir riefen drei Nachtwächter dasselbe aus. Hätt' ich nur noch drei Pfund Steine übrig gehabt – von meinen sentimentalischen Aussichten in die Abendsonne –, so konnte' ich mich heben; jetzt fiel ich samt der Fahländischen Verlassenschaft dem Nachtwächtertrio in die arme und Spiesse.
Ich werde mich eurentwegen nicht noch ärgern und meine nächtliche Galle wiederkäuen dadurch, dass ich euch weitläuftig meine Tätlichkeiten, die ich an den Nachtwächtern bloss mit dem Postörnchen verüben konnte, das Anrücken eines neuen Kontingents, mein wütiges Faustkämpfen und endlich mein gefängliches Abführen ins Rataus sehr auseinandermalte.
ist es euch nicht zur Last genug, dass ich da noch sitze in der Haft? – Man verschloss mich hier oben in diesen Saal, weil drunten alles besetzt ist durch den Wiener Schub, der mir endlich redlich nachgekommen. Eine hübsche Ehren- oder Schandwache vor der Saaltüre sieht auf mich. Verdammt! allerdings ist es sehr komisch; aber das ist eben verdammt. Mein Schiff und Geschirr sehe' ich neben mir in einer fest verriegelten kammer.
Eben lässt mich der Mülanzer Stadtrat auf 11 1/2 Uhr vor seine Session einladen.
Das Blut kocht mir auf; aber ich will einen Winter hineinwerfen und es kühlen; ich will mit der Konsulta scherzend umspringen; ich will überhaupt wie die confrérie de la Passion jede meiner Leidensgeschichten in ein Possenspiel einkleiden. Diese erbarmungswerten Aufklärer, die wie eine frostige Hökerin vor ihrem Lichtlein gekrümmt sitzen, das den Käufern ihre Äpfel und Pfeffernüsse zeigen soll, diese Ackerpferde der natur, wie werden sie horchen, wenn ich lächle und gelassen bleibe und sie auf- und herumziehe! – Sollten sie mir einen Eid antragen – nur der Teufel gäb' es ihnen ein –: so würde' ich in meiner gedachten Kälte um die Eidesverwarnung anhalten, und sobald sie aus wäre, ersuchen, mich stärker zu verwarnen, weil noch nichts durchschlüge, und zuletzt würde' ich dastehen, noch stärkerer Verwarnungen gewärtig, zum Meineid bereit. Himmel! es laufen hier vierzig Wege zum Scherz. Ich bin ein Honoratior. "Als solcher" (kann ich ganz schussfest sagen) "sehe' ich auf, dass man bei Schwüren, wozu man mich treibt, die tür zumache. Als solcher macht' ich mir von jeher auf einen Hausarrest Hoffnung, indes ein anderer sich mit öffentlichem behilft. Als solcher erwartete ich von allen Gerichten stehend eine gerichtliche Einladung zum Sitzen und unterscheid' es von einer gerichtlichen Ladung zu sitzen. Der Honoratior dringt jede Stunde darauf, schriftlich vernommen zu werden anstatt mündlich30; ich dringe ebenso und will hiemit nicht gehört sein, sondern gelesen und sage kein Wort weiter." O es kann mir noch mehr einfallen; wer prophezeiet die Spässe des Menschen! – Gleich bei dem Eintritt – angesichts der Sitzung – drück' ich, als bestäch' ich, dem Knorpelfisch, dem hagern Ratsdiener, nichts in die Hand als meine. Herrlich, jetzt schlägts! –
Nachmittags um 2, 3 oder 4 Uhr. Verdammt sei der Mensch samt seinen armen Hunden von Vorsätzen – und die Mülanzer Schafshäupter und alles! Nur in der Luft dreitausend Fuss hoch sind noch Minuten von einem guten Tage zu haben. O ich könnte jetzt auch droben unter den Raben und Lerchengeiern sein! – "Nun wird er", denkt die würdige Lesewelt, "ordentlich anfangen, uns seine Fatalitäten artistisch genug vom Händedruck des Knorpelfisches an bis zum Zornschaum des Stadtsyndikus Spöhr vorzutragen, damit es uns königlich ergötze." – Nein, edle Lesewelt der Schreibewelt, noch sind wenig Anstalten gemacht, dich zu dieser Buchpartie zu laden, zu diesem Armbrustschiessen auf mich auf der Stange. – – Freilich, überlegt man wieder flüchtig, dass es mir auf dieser Lesewelt unmöglich an Seelen fehlen werde, die ich durch mein Referat ebensosehr erbittere als den Mülanzer Schöppenstuhl – – Ja, ja, ich sehe' es für meine Pflicht an, folgenden treuen Bericht von der Sache abzustatten:
Die Session war schon lange zu Tisch gesessen, als ich mit meinen Hummerscheren erschien als letztes Gericht. Der Stadtsyndikus Spöhr, der sich nicht wie ein Scharfrichter ehrlich richtet, sondern unehrlich und dessen Gesicht die Schwefelpaste von den Diebsphysiognomien ist, die er in die Justizwaage geworfen, zeigt schon durch das nachgebliebene Äussere,