1801_Fischer_014_8.txt

E r . Eine Kleinigkeit! – wie ich Ihnen sage, für Sie eine Kleinigkeit. Zehn bis zwölf hundert Louisd'or und die ganze Sache ist gemacht.

I c h . Freilich eine ansehnliche Summe. –

E r . Ja aber bedenken Sie auch den Gewinnstden sichern, unausbleiblichen Gewinnst.

I c h . Nun es sei

Und so war abermals meine Brieftasche merklich erleichtert.

Nach dieser so glücklich geendigten Negociation schlug mir der Doctor ein kleines freundschaftliches Mittagsessen im Palais Egalite vor.

Wir sollten heute noch einem glänzenden Souper beiwohnen, und konnten uns nicht besser darauf vorbereiten.

War es der gute Wein, die hinreissende Beredsamkeit des Doctors, oder lag es in der Sache selbst? – genug die neue Bank schien mir jetzt das vortrefflichste Ding von der Welt, und ich war entschlossen, allen meinen Freunden diese köstliche Speculation zu empfehlen.

Noch eine kleine Fahrt nach Longchamp zur Bewegung, ein paar Tassen in dem Tee literaire des Bürgers Millin zum relief, und die Stunde des Souper war da.

Nie hatte ich ein glänzenderes und geschmackvolleres gesehen. Wie plump fand ich jetzt unsre Hamburger Schmäuse, und wie ekelhaft die Unterhaltung, welche ihnen zur Würze dienen sollte.

Ich brannte vor Begierde, eine ähnliche Mahlzeit geben zu können, und ward durch den Doctor überzeugt: dass es mit seiner hülfe nichts weniger als unmöglich sein würde.

Es war nach Mitternacht, als ich aufbrach; aber vielleicht fand ich Rose noch wachendvielleicht war ich sehnsuchtsvoll erwartetauch hätte ich ihr so gern den Plan des grossen Souper mitgeteilt.

Wie glücklich! ich sah noch Licht in ihrem Zimmer, und befahl meinem Kutscher zu halten.

Fanchon kam mir entgegen, und schien etwas betroffen wegen meines späten Besuchs. –

"Mademoiselle erwartet Sie nicht mehr."

"Vortreflich, da werde ich sie überraschen!" –

"Sie schläft seit einer Stunde." –

"Ach herrlich, herrlich! ich werde sie wecken! –

"Sie ist gar nicht recht wohl. –

"Mein Gott, das sagst du mir nun erst? – Fort, fort! da muss ich sie schlechterdings noch sehen!"

Mit diesen Worten ergriff ich die Tür; als Fanchon ein durchdringendes Geschrei aussties, und da sie mit ihrem breiten rücken den Eingang nicht mehr schützen konnte, verzweiflungsvoll entfloh.

Jetzt eile ich betäubt durch die Vorzimmer; aber welch ein furchtbares Gepolter rasselt mir aus Rosens Schlafkammer entgegen! – Ich stürze hineinalles ist finsterich rufe: "Rose! Rose! um Gotteswillen, was ist das?" – keine Antwortdoch höre ich etwas atmen, schnaufen. – Zwischen den Stühlen, hinter den Tischen, da muss es sein. – Ich tappe umher und bekomme etwas menschenähnliches zu fassen. Es ist sehr parfumirt, hat aber ein paar derbe Fäuste. Es ächtzt, es sträupt, es wehrt sich, aber ich ziehe es ohne Barmherzigkeit in das Vorzimmer, bis unter den grossen Wandleuchter hinaus.

"Was! blendet mich die Flamme? – Tod und Teufel! das ist ja der Bürger Olivier! der grausame Armbands-Räuber! und o Himmel! nach der unvollkommensten Toilette von der Welt."

Während dieser Ausrufungen hielt ich ihn noch immer an der Brust, und war zweifelhaft ob ich ihn gegen die Mauer zerschmettern oder ihn fürs Erste die Kraft meiner Füsse empfinden lassen sollte. –

Er schien diesen Zweifel zu ahnen, und suchte unter wiederholten: "au nom de Dieu! misericorde!" sich von meiner unbequemen Hand zu befreien.

Aber dies mögte ihm schwerlich gelungen sein; wenn ihm nicht eine plözliche Erschütterung meines Zwergfells zu hülfe gekommen wäre.

Ich trug ihn, ohne die Stelle des Angriffs zu verändern, bis an die Treppe, und nachdem ich für den ersten Stoss gesorgt hatte, überliess ich es nun seinem eigenen Gutdünken, auf welche Weise er die übrigen Stufen hinunter kommen wollte.

Jetzt wünschte ich die göttliche Rose mit meinem Triumphe bekannt zu machen, aber ich fand ihre tür verschlossen, und so blieb mir denn nichts übrig, als nach haus zu eilen, um den Plan einer vollgenügenden Rache zu entwerfen.

Sechster Tag

Schon brach der Morgen an; aber noch war ich zu keinem festen Entschlusse gekommen. Wut und Verachtung, sehnsucht und Abscheu wechselten unaufhörlich bei mir ab. Plötzlich erschien mir dann wieder der Bürger Olivier, und es war mir unmöglich ein schallendes Gelächter zu unterdrücken.

Aber bald fing ich wieder an zu toben, und befahl nun mit donnernder stimme: dass man den Doctor augenblicklich holen solle. Kaum dass ich ihn vor brennender Ungeduld erwarten konnte.

Endlich stürzte er mit ungekämmtem Haar und verstörtem Gesicht herein.

"Mein Gott was ist denn vorgefallen? – Der verdammte Kerl! Provence! hat mich beinahe aus dem Bette gerissen. Aber grand Dieu! jetzt erst werde ich gewahr! welche Blässe! Welche schreckliche Veränderung! was in aller Welt kann sie hervorgebracht haben?" –

Diese und ähnliche Ausrufungen wurden nur durch Flüche beantwortet. Der Officier de santé begriff endlich, dass er einen guten teil davon der göttlichen Rose zueignen konnte, und schien nun alle Fassung verlohren zu haben.

Aber plötzlich ermannte er sich wieder, und goss eine so bittere Lauge über das ganze weibliche Geschlecht aus, dass er mich selbst dadurch zum Schweigen brachte.

Diese leidenschaftliche Teilnahme unterstützte aufs neue meinen wankenden Glauben, aber dennoch beschloss ich, die Führung des Herrn Doctors künftig etwas näher zu beleuchten