Grillen! ich Törinn! Wie konnte ich nur einige Augenblicke an Ihrer Liebe zweifeln! Nein! Nein! Wir sind auf ewig verbunden!" –
Diesen Abend, mon idole! – –
Jetzt musste ich zu einem Freunde des Doctors eilen, wo ich zu Mittage gebeten war und unter mehrern Gästen auch den Major Saggs fand.
Er überhäufte mich mit Liebkosungen, und konnte mir nicht genug beteuern, wie unendlich er meinetwegen gelitten habe. Aber er tröste sich mit der Wandelbarkeit des Glücks. Man werde heute nach dem Essen wieder spielen, und es komme auf einen Versuch an. Er sei im haus bekannt und werde die Tische schon einrichten.
In der Tat, kaum waren wir aufgestanden, so lagerte sich alles wieder zum Spiele. Der Major wies mir einen Platz an, und nach einer Stunde hatte ich zweihundert Louis baar und funfzehnhundert aufs Wort gewonnen.
"A ça Baron!" rief der Major – "heute ist der glückliche Tag! geschwinde noch eine Partie!"
Aber Rose erwartete mich, und die Freundschaft des Herrn Majors war mir doch, bei aller meiner niedersächsischen Gutmütigkeit, etwas zweifelhaft geworden. Ich winkte dem Doctor und empfahl mich.
"Sehen Sie!" – rief dieser – "man muss nur nicht gleich mutlos werden. – Das Glück hat seine Launen. Heute so, morgen so." –
"Kann sein," antwortete ich etwas kalt. – "Fürs Erste werde ich aber nicht wieder spielen."
"Richtig! richtig!" fiel er ein, – "man muss sich nicht abandonniren. Ach die Deutschen! parlés moi de cela, das hat Festigkeit!" –
Jetzt kamen wir bei Mademoiselle Rose an. War es meine Heiterkeit, des Doctors blick, oder die Penetration meiner Geliebten – genug sie schien mein Glück erraten zu haben, und kam mir triumphirend entgegen.
Auch Mama war äusserst zärtlich, und gab mir eine gute Lehre über die andere.
"Spielen und spielen ist zweierlei" sagte sie – "ein kleines vingt-un bei uns – nun ja das lasse ich mir gefallen – da kommt man nicht aus der Fassung – aber so ein mörderliches Pharo – nein! Gott soll mich bewahren! das ist schändlich, unchristlich, abscheulich! – mich grauset schon wenn ich daran denke!" –
Jeden Ruhepunkt in Mama's Rede füllte Rose mit Einem: "H ö r s t du wohl, lieber F r e u n d ?" – und lehnte sich zärtlich auf meine Schulter.
Ihre Berührung würkte electrisch, – Kaum sah ich mich von Mama und dem Doctor befreit, so eilte ich mit dem Feuer der heissesten Dankbarkeit, ihr meine Liebe zu versichern.
Weis der Himmel, wie es zuging, aber die Rede kam immer wieder auf meinen Gewinnst. –
Eh' ich michs versah, lag er zu Rosens Füssen, und ich hatte keinen sehnlicheren Wunsch, als dass sie ihn annehmen mögte.
Anfangs weigerte sie sich zwar; aber von meinen dringenden Bitten verfolgt, wie hätte sie länger wiederstehen können! –
Es war sehr spät geworden – Mama und der Doctor kamen nicht wieder. – Alles schien uns zu begünstigen; – warum hätten wir uns trennen sollen? –
Fünfter Tag
Erst gegen Mittag konnte ich mich den Armen meiner Danäe entreissen. Der goldene Regen des vorigen Abends schien den Wachstum ihrer Liebe ausserordentlich befördert, und eine Menge neuer Liebkosungen für mich hervorgebracht zu haben.
Als ich zu haus kam, fand ich den Doctor.
"Gottlob!" rief er – "dass Sie da sind! ich habe eine Sache von der äussersten Wichtigkeit Ihnen mitzuteilen:"
"Der arme Mann, der die funfzehnhundert Louisd'or gestern verspielte, schickt mich zu Ihnen. Er ist in der schrecklichsten Verlegenheit."
I c h . Ich kann warten. Es eilt nicht!
E r . Bald gesagt, mein teuerster Freund! – aber die Ehre! die Ehre! –
I c h . Nun ich will schweigen. –
E r . Schön! grossmütig! vortrefflich! aber nicht befriedigend für einen so delicaten Mann, wie der Marquis. –
I c h . grosser Gott! was kann ich denn mehr tun!
E r . O davon ist gar nicht die Rede! Tun ja unendlich mehr als man von Ihnen verlangen kann. Aber für sich, für sich selbst könnten sie etwas tun.
I c h . Für mich? – lieber Doctor, Sie sprechen warlich in Rätseln! –
E r . Werden sich gleich lösen. – Haben Sie von der neuen Bank gehört?
I c h . Allerdings.
E r . Nun, sehen Sie, da wäre ein Hauptcoup zu machen. –
I c h . Aber wie kommt das hierher?
E r . Sehr gut. Der Marquis hat einen grossen teil seines Vermögens an diese Unternehmung gewagt. G e w a g t , sage ich! – Der Ausdruck passt nicht, denn wo man des Erfolgs so gewiss ist, da kann man eigentlich nichts wagen. Wollen Sie eine Kleinigkeit dazu hergeben; so treten Sie mit dem Marquis in Gemeinschaft, befriedigen seine Ehrliebe und sichern einen tausendfältigen Gewinnst.
I c h . Ich will es überlegen.
E r . Der unglückliche Mann! er sagte es wohl, dass Sie sich nicht dazu entschliessen würden! der Gram hat ihn aufs Krankenlager geworfen.
I c h . Nun wie viel muss ich denn beitragen?