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R o s e . Ach Schwarzedie möchte ich nicht! – Aber einen Zug Isabellen, mit himmelblauem Sattelzeug! das müsste was köstliches sein!

D e r D o c t o r . Der Lord P. – braucht nur eine Ahnung dieses Wunsches zu haben.

"Ich hoffe" – fiel ich beleidigt ein – "dass die Ahnungen des Lord P. sehr überflüssig sein werdenAuf Wiedersehn, liebste Rose!" – und so flog ich davon, um mit hülfe einiger hundert Louisd'or und meiner drei Citoyens mir und der ganzen Welt zu beweisen: dass ein deutscher Baron vor keinem englischen Lord, und vor keinem Zug Isabellen sich zu fürchten habe.

Ich wusste, dass ich in Paris warund dass es, wo nicht wahrscheinlich, doch wenigstens möglich sei, den Zug nebst dem Sattelzeug und den Wagen, noch vor Abend zu bekommen.

Dies ward zur fixen idee bei mir. – Toilette, Mittagsessen, alles ward vergessen. Meine drei Citoyens schienen von derselben Krankheit ergriffen, und wer uns begegnete, schien nicht wenig Lust zu haben, uns eine berüchtigte wohnung anzuweisen.

Die Uhr schlug fünf, und sechs Isabellen, gezügelt von einem gigantischen Schnurbart, rollten einen blau mit Silber ausgelegten Wagen vor Röschens Tür.

Fanchon riss das Fenster auf, und flog laut schreiend zurück, Röschen lag in einer süssen Schreckensohnmacht, und ich war glücklich wie ein von Weihrauch gesättigter Gott.

"Müssen in die freie Lust, Mademoiselle!" – rief Fanchon. – "Sie haben sich entfetzlich erschrocken! – Nach Bagatelle, nach Bagatelle! das wird Sie wieder herstellen."

Der Vorschlag ward angenommen und Röschen im Triumphe nach Bagatelle gezogen. Ich wollte folgen, aber der Doctor kam mir an der Treppe entgegen und erinnerte mich, dass ich für diesen Abend versagt sei.

Wir gingen zu einem Restaurateur im Palais Egalite, wo uns der Major Saggs, ein junger Engländer und ein Schottländer erwarteten.

Die Unterhaltung war anfangs politisch, aber sie verbreitete sich bald über angenehmere Gegenstände, und in kurzem war sie da, wohin sie unter Männern gewöhnlich kommt, wenn der Wein sie belebt.

"O!" – rief ein hinzugekommener Fremder – "die Tänzerinn Rose sollten Sie gesehen haben! – Sie fuhr in einem Wagen vom letzten Geschmacke nach Bagatelle! – und die Pferde! die Pferde! – wahrhaftig man hätte sie selbst darüber vergessen können!" –

"Sie scheinen sie wirklich darüber vergessen zu haben," – sagte der Engländer lachend. –

"Nun der Fehler wäre so gross nicht," unterbrach der pflegmatische Schottländer; – aber wer mag denn der Jungfer das alles zu Füssen gelegt haben?"

"Ich glaube, ein deutscher Baron," – antwortete der Fremde. –

"Gefangen! gefangen!" – rief der lebhafte Engländer. – "Baron, Sie werden ja rot bis an die Stirn."

"Wäre es möglich," – sagte der Schottländer erstaunt, – "dass sie eine so leichte Waare so teuer gekauft hätten? Herr Docter, Sie führen Ihren Telemach nicht gut! – Er wird uns alle die Prinzessinnen verderben." –

"Hier ist nichts zu führen, mein Herr" – antwortete ich empfindlich, – "was ich getan habe, ist aus freiem Willen geschehen, und ich verbitte mir alle Anmerkungen darüber."

"Schatz! Schatz!" rief der Major, – "wer will nun gleich so heftig werden! – lasst uns zum Spiele gehen! da sind alle die Kindereien vergessen."

"Zum Spiel! zum Spiel!" rief jetzt alles, und man lagerte sich um die grünen Tische.

Der Major gab Punsch, Liqueur und Champagner. Bald vermochten wir nicht mehr Karten und Gold zu unterscheiden. Der schnelle Gewinnst und das verwirrte Geschrei vollendete unsere Berauschung.

Der Engländer fing an zu verlieren und tobte, der Schottländer wagte fürchterlich und wühlte im Golde. Ich sah betäubt in die Karten, und die letzte deutliche Vorstellung deren ich mich erinnere, war: dass ich aufs Wort spielte.

Jetzt ward die Verwirrung allgemein. Ich begriff noch so viel, dass das Spiel geendiget sei, und dass ich mich in meinem Wagen befinde. Was nachher mit mir vorging, erfuhr ich nur durch die Erzählung der Bedienten.

Vierter Tag

Ich war gänzlich betäubt in mein Zimmer getragen, und erwachte erst den folgenden Tag um ein Uhr.

Ein fürchterlicher Kopfschmerz verwirrte noch immer meine Vorstellungen, und nur allmählich ward ich meiner schrecklichen Ausschw ifung mir bewusst.

"Man soll den Doctor holen," – rief ich – "er muss mir sagen, wie das alles gewesen ist."

Er kam und schien sehr gerührt.

"Armer junger Mann! Sie haben viel verlohren!" –

I c h . Viel! nun wie viel denn?

E r . drei tausend Louisd'or.

I c h . Was! und das liessen Sie mich verspielen?

E r . Winkte ich Ihnen denn nicht? tat ich nicht alles was ich konnte?

I c h . drei tausend Louisd'or! – Ich hatte ja kaum hundert bei mir.

E r . Mein Gott! Sie wissen nicht, dass Sie aufs Wort gespielt haben.

I c h . Tod und Teufel! der verfluchte Punsch! –

E r . Ach es war ja fürchterlich, wie Sie tranken! – Sie wollten nicht hören! –

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