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meinen Augen, und als der Doctor wieder zurückkam, sank ich ihm sprachlos in die arme.

"Glücklicher junger Mann!" – rief er – "wie man Sie liebt! – Sehen Sie! ein prächtiges Etuis! ich habe es zum Andenken dieses Tages bekommen. – Sie sehnt sich unbeschreiblich nach dem Ende des Schauspiels. – Welch ein Abend für Sie!" –

Die Blicke aus der Loge hatten mich berauscht, diese Aeusserungen waren nicht geschickt mich wieder nüchtern zu machen. Taumelnd stieg ich in meinen Wagen, und nur in der Nähe der göttlichen Rose wurden alle meine Sinnen von neuem belebt.

Man trank sehr viel, man lachte noch mehr, und es war von keinem Spiel die Rede.

Der Doctor musste die Hausfreundin begleiten, versprach aber augenblicklich wieder zu kommen. Mama nickte schläfrig den Armen des Lehnsessels entgegen, und die göttliche Rose kämpfte augenscheinlich mit sich selbst, um nicht in die Meinigen zu sinken.

Ein paarmal erwachte Mama von dem Kampfe, und da sie immer wieder von ihrer Tochter einen schalkhaften guten Morgen bekam; so beschloss sie, sich diesen kindischen Neckereien zu entziehen.

Sie nahm ihr Licht, äusserte gehörig ihren Unwillen über des Doctors langes Aussenbleiben, empfahl Artigkeit und Sittsamkeit, und schlich in ihr Kämmerchen.

Wir vergassen Mama, den Schlaf, die Zeit und den Doctor, und würden sie wahrscheinlich noch lange vergessen haben, wenn uns nicht das Kammermädchen daran erinnert hätte.

Mademoiselle Rose schien heftig zu erschrecken, da sie hörte, dass es schon nach Mitternacht war; aber die kleine Soubrette wusste sie sehr bald zu beruhigen.

"Nun was wäre es denn für ein Unglück!" – rief diese – "der Doctor ist fort and kommt nicht wiederMama schläft und würde von der Trompete des jüngsten Gerichts nicht erwachen, und der Herr Baron ist hier vielleicht besser als zu haus aufgehoben. Lassen Sie mich nur machen Mademoiselle, und gehen Sie ruhig zu Bette. Für den Herrn Baron soll schon gesorgt werden." –

Sie gingen und ich blieb gedankenvoll zurück. – Wie? hatte ich die Winke des Kammermädchens recht verstanden? – sollte es möglich sein? – hoffte ich nicht zuviel mit einemmale? –

Fanchon riss mich aus dieser Ungewissheit. Zwar sagte sie kein einziges Wort und tat nichts, als dass sie mich aus der einen tür heraus und in die andre hineinschob. Es war sehr dunkel in dem Zimmer; aber meine Augen durchdrangen die Finsterniss, und alle Zweifel verschwanden.

Dritter Tag

Am andern Morgen erwachte ich von den Armen der göttlichen Rose umschlungen, aber kaum dass ich mich meines Glücks deutlich bewusst werden konnte, so hörte ich ein heftiges Pochen an der tür.

Röschen ergriff hastig die Klingel und Fanchon berichtete zitternd: der Bürger Olivier sei da, und schwöre diesesmal nicht von der Stelle zu weichen. –

"Ich Unglückliche!" – rief Röschen – "wo der Grobian meine Mutter weckt; so bin ich verloren! – Geschwinde meinen Mantel! lass ihn herein kommen!"

Dieser Befehl würkte gleich einem Zauber. Röschen lag im Mousselinmantel gehüllt, auf dem Sopha, und ich standfreilich etwas mangelhaft adonisirt daneben.

Le Citoyen Olivier erschien, und es ergab sich: dass der ganze Lärm wegen einer kleinen Rechnung von 2 tausend Livres entstanden war.

Mama sollte nichts davon wissen, und der Bürger Olivier nahm sich die Freiheit bei allen Teufeln zu versichern: dass woferne man ihn noch länger warten lasse, er genötigt sein würde andere Maasregeln zu ergreifen.

Fanchon zitterte jetzt nur vor Wut, und Herrn Oliviers Perücke schien in grosser Gefahr. Röschen lief verzweiflungsvoll zu ihrem Schmuckkästchen, und ihre Tränen benetzten ein paar Armbänder, die sie noch einmal um ihre schönen hände befestigte und dann hoffnungslos dem Herrn Olivier übergab.

Dieser war nun in einem Huy verschwunden, und Fanchon schien jetzt alle Mässigung zu vergessen.

"Grand Dieu Mademoiselle!" – rief sie – "welche Unvorsichtigkeit! Wissen Sie denn nicht, dass Sie morgen die Ariadne tanzen sollen? – Wenn Mama die Armbänder vermisst! – – nun ich mag nicht dabei sein."

Jetzt sah ich Ariadne ein Raub des Kummers werden, und mein Entschluss war gefasst.

"Keine Tränen!" – sagte ich – "geliebte Rose! ich will alles bezahlen, der abscheuliche Mensch soll die Armbänder zurückgeben.

"Ah le bon coeur! ah l'excellent jeune homme!" – rief Fanchon begeistertund in dem Augenblick war sie verschwunden, und Mons. Olivier stand wieder vor uns.

"Hier, Citoyen" – sagte ich – "ist das Geld. – jetzt die Armbänder zurück! Verstehen Sie mich!" –

"A merveille! à merveille Citoyen! ich wüsste nicht, dass ich jemals einen Menschen besser verstanden hätte.

Die Armbänder waren unser, Mr. Olivier empfahl sich, und Röschen schien liebender als jemals.

Jetzt trat der Doctor unter tausend Entschuldigungen herein. Man hatte ihn zu einem Kranken gerufen, und es war ihm unmöglich gewesen, wieder zurückzukommen.

"Da hätte ich bald ein Unglück gehabt" – fuhr er fort. – "Der Lord T... hat Mdlle. Clavier einen neuen Wagen mit sechs Pferden geschenkt. Der Kutscher probirt sie jetzt, und kann die Tiere gar nicht bändigen."

"Was sind es für Pferde?" – fragte Röschen. –

D e r D o c t o r . Schwarze! – sechs prächtige schwarze