Schauspiel geendigt; unser Wagen rollte vor das Hotel der Citoyenne Rose, und wir wurden in einem mit asiatischer Ueppigkeit möblirten saal auf das Schmeichelhafteste bewillkommet.
Die Citoyenne stellte mir ihre Mutter vor. Auch ward ich mit einer Freundin des Doctors bekannt gemacht. Er war gütig genug, diese sogleich in eine lebhafte Unterhaltung zu verwickeln, wahrscheinlich um mir Zeit zu lassen, der liebenswürdigen Rose eine vorteilhafte Meinung von mir einzuflössen.
Mit der bewundernswürdigsten Leichtigkeit ergänzte sie meine schülerhaften Ausdrücke, und kaum war eine Viertelstunde vergangen, als wir uns so gut verstanden, als man sich nur immer verstehen kann.
Bei Tische musste ich an ihrer Seite sitzen, und da eine Partie Whist vorgeschlagen ward, erklärte sie durchaus keinen andern Teilnehmer haben zu wollen.
Der Champagner und diese berauschenden Aeusserungen waren freilich nicht sehr vorteilhaft für meine Börse. In Kurzem hatte ich 80 Louisd'or verspielt, und da meine schöne Nachbarin dei dem Verwechseln der Kleider ihr Geld vergessen hatte, so war der Doctor so gütig, mir eine Rolle von 50 Louis vorzuschiessen.
Die 80 Louisd'or hatte Mama in Sicherheit gebracht, die 50 gingen zu der Hausfreundin über, und da das Glück diesen Abend – wenigstens im Spiele – sich schlechterdings nicht für mich erklären wollte, so beschloss man mit seinen Launen bis morgen Geduld zu haben.
Die liebenswürdige Rose schenkte mir noch einen teilnehmenden blick, man packte mich in meinen Wagen, und meine drei Citoyens trugen mich zu Bette.
Zweiter Tag
Als ich am andern Morgen erwachte fand ich den Doctor bei meinem Bette mit der Untersuchung des Frühstücks beschäftigt. Er hatte schon einige Morgenweine besorgen lassen, und schien durch die Quantität der übrigen Nahrungsmittel, die von ihm getadelte Qualität für sich ersetzen zu wollen.
Es ward ein Spatziergang im Palais Egalite' beschlossen, und sobald meine Morgentoilette geendigt war, machten wir uns auf den Weg.
Welcher Anblick für einen Fremden! – die bunt neben einander gereihten Waaren, das verwirrte Geschrei von allen Seiten, das Getöse der Instrumente, die ewigen wiederholten fragen: ob man etwas kaufen, etwas verwechseln, etwas sehen wolle? – das alles betäubt in dem Grade, dass man es schlechterdings aufgeben muss, sich seiner Empfindungen deutlich bewusst zu werden.
In diesem Mittelpunkte aller Leidenschaften eilt die Zeit mit unerhörter Schnelligkeit dahin. Ich glaubte eine halbe Stunde gegangen zu sein, und hörte von Provence: dass unser Wagen uns erwarte, und dass wir drei volle Stunden verweilt hätten.
Wir kehrten zurück und fanden an der Tür des Hotels einen Major Saggs, der den Doctor erwartet hatte. Man bewillkommte sich auf das brüderlichste, und da man die Tafel gedeckt fand, so ward einmütiglich beschlossen, sich nicht von einander zu trennen.
Die Unterhaltung verbreitete sich grösstenteils über das ausserordentliche Glück, was einige junge Leute im Spiel gemacht hatten.
"Man schreit mit Unrecht" – sagte der Major – "über die grosse Schädlichkeit der Hasardspieler. Hier ist es, wo ein junger Mann gegen die Launen des Glückes abgehärtet, hier oder nirgends, wo er wahre Fassung sich erwerben kann."
Der Doctor fand die Anmerkung vortrefflich, und es ward gemeinschaftlich beschlossen: mich noch heute in diese Schult der Weisheit einzuführen.
Aber ich war zu der liebenswürdigen Rose eingeladen – nun, also auf den folgenden Abend. – Nachdem man dem Weine noch die gehörigen Lobsprüche erteilt hatte, trennte man sich auf das freundschaftlichste, um sich auf die Launen des Glücks vorzubereiten.
Noch einen gang in die freie Luft und wir befanden uns im Schauspiel, der Loge meiner göttlichen Rose gegenüber.
Schon wollte ich verzweiflungsvoll die Hoffnung aufgeben, da sah ich endlich die tür sich öffnen – ach und es war doch nicht meine Rose! – Eine durchreisende Fürstin, die Frau des ersten Consuls, so etwas konnte es sein – meine Rose war es nicht.
Der Doctor lachte –
"Sehen Sie doch nur recht zu! nehmen Sie doch ihre Lorgnette! rief er." –
"O Himmel wäre es möglich! – Wie? – diese person, die für mehrere hunderttausend Taler Juwelen an sich hat – das wäre Rose? –
D e r D o c t o r . Ist Mademoiselle Rose. –
I c h . Aber mein Gott! woher das Alles? –
E r . Woher? Glauben Sie denn, dass man eine solche person nicht zu schätzen weiss? – Der Lord P ... hat ihr das, und noch weit mehr gegeben, und ist dafür kaum eines Blickes gewürdigt worden.
I c h . Aber ich – – –
E r . Nun freilich Sie! – wenn mans nicht sieht, glaubt mans auch nicht. – Sie ist ganz ausser sich. – Sehen Sie nur die Augen. –
I c h . Ach bester Doctor! ob sie mich wohl liebt? –
E r . Liebt! – nun das nenne ich doch taub und blind sein! – liebt! – ich sage Ihnen, dass sie nur für Sie lebt, dass sie für alles Andere tot ist! –
I c h . O Gott! wäre es möglich!
E r . Möglich! – über den Ungläubigen! Nun warten Sie! ich will Ihnen die Bestätigung aus Röschens eigenem mund holen.
Bei diesen Worten verschwand er, und einige Minuten darauf sah ich ihn an Rosens Seite wieder erscheinen.
Welche Blicke! welche Winke! – Ich war wie berauscht. – Teater, Schauspieler, Zuschauer, alles verschwand vor