" –
"Wenigstens schienen sie es meinen Freunden zu sein."
"Ah ha! s c h e i n e n ! scheinen und s e y n ! mein geliebter Freund!" –
"Hier sehen Sie selbst," – sagte ich, indem ich meine Brieftasche öffnete. –
"Nun ja! nicht übel! – aber doch nicht hinreichend für Ihre Reputation, für Ihren Eintritt in die Welt." –
"Alle diese Häuser sind von einer Partei – zu monoton. – Verschiedenheit der Meinungen, Abwechslung der Gegenstände, d a s ist es, was einen jungen Mann bildet."
"Na! Na! lassen Sie mich nur machen! will Sie schon einführen. – Kenntniss des Terrains! Kenntniss des Terrains, das ist jetzt die Hauptsache. Um Gottes willen keinen Schritt ohne mich! könnten sich schrecklich embrouilliren!" –
"Nun wie ist es? – schon eine kleine Societé für diesen Mittag engagirt?" –
"Noch nicht."
"Hm – hm – schlimm – darf ich nicht zugeben – werden mir hypochondrisch – dürfen nicht allein essen. – Die vermaledeiten Einladungen! – hat man zehnmal abgeschlagen, muss man doch endlich einmal annehmen. Könnte ich mich nur losmachen! – nun, erwarten Sie mich bis zwei Uhr. Ich will mein Möglichstes tun. – Sans adieu! ich muss zu meinen Kranken!"
Jetzt meldete der Citoyen Provence eine Menge Kaufleute, Schneider, Schuster, Tanz- Musik- SprachFecht- und Gott weiss, was alles für Meister.
Diese nebst meiner Toilette unterhielten mich vollkommen bis zum Mittagsessen.
Man hatte aufgetragen und – wie rührend! – der Officier de santé erwartete mich schon an der Tafel.
Wir wurden durch zwei junge Citoyens bedient, welche mir mit sehr vieler Grace ankündigten: dass sie die Ehre hätten mir anzugehören.
"Wie ist das möglich?" – fragte ich etwas erstaunt. –
"Der Citoyen Lamare hat uns engagirt."
"sonderbar!" – fuhr ich fort –
"gewöhnlich! ganz gewöhnlich!" – wiederholte der Doctor. –
"Le Citoyen Baron kann ohne drei Leute kein Haus machen. Aber laissons cela! hier sind wichtigere Dinge! – Von wem ist der Wein?" –
Le Sieur Jasmin nannte zitternd den Namen.
"Poison infernal!" – rief der Doctor "dass man sich nicht unterstehe dem Baron dieses Geschmier vorzusetzen. Feder! Papier! – Hier" – fuhr er fort – "ist der Name eines ehrlichen Mannes. Hundert Flaschen, fürs Erste, bis ich selbst komme und ein ordentliches Assortiment für den Baron ausnehme.
Jasmin flog, und ich drückte dem Doctor dankbar die Hand.
Ce n'est rien mon enfant" – sagte er – "ich ärgre mich nur, dass man sich erfrecht, so etwas in einem haus zu unternehmen, wo ich ein und ausgehe. – Nichts mehr davon! Guillaume den andern gang."
Jetzt kam der Wein, und der Doctor bewies nun auf das Ueberzeugendste; dass er ihn für nichts weniger als schädlich halte.
Aus gefälligkeit für mich ward die Tafel ziemlich verlängert, und kaum dass wir noch bei meinem Banquier eintreten konnten, so hatte auch schon die Uhr zur Oper geschlagen.
Die Realisirung meiner Wechsel machte nicht die geringste Schwierigkeit, und der Doctor ward dadurch in eine wahrhaft rosenfarbene Laune versetzt.
Jetzt ging es in die Oper, und die armen hände des Officier de santé kamen nur in den Zwischenacten zur Ruhe.
Wie gern hätte ich ihm beigestanden, aber die fürchterlichen Rouladen der Primadonna und die grausenhaften Verrenkungen des ersten Tenors erschütterten mich so sehr, dass ich eine unüberwindliche Mattigkeit in allen Gliedern fühlte.
Der Doctor versicherte mir, dass es mehrerern Ausländern so gehe. Man müsse erst für die hohen Schönheiten dieses Meisterspiels empfänglich gemacht werden, um sie ganz zu geniessen.
Ich gab das zu, und versprach: mein Möglichstes zu tun. Indessen vertröstete er mich auf das Ballet, und machte mich besonders auf eine Tänzerin aufmerksam, welche ein Muster von uneigennütziger Liebenswürdigkeit sein, und sich durchaus von den Personen ihres Standes unterscheiden solle.
Ihre Figur war in der Tat sehr anziehend, und ich hatte nichts dawider, als der Doctor mir vorschlug, ihr, nach einem geendigten Solo unsre Aufwartung zu machen.
Hatten wir auf dem Teater ihre Lebendigkeit bewundert, so musste man gestehn, dass sie hinter den Coulissen alle Vorstellung übertraf.
Ein Dutzend junger Citoyens wurden dergestalt von ihr in Atem erhalten: dass sie alle Geistesgegenwart zu bedürfen schienen, um der schnellfüssigen Göttin nach Würden zu huldigen.
Aber ein Wink meines Begleiters, und sie hatten vollkommen Zeit neuen Weihrauch zu sammeln.
Der Citoyen Baron ward mit einer Teilnahme bewillkommt, die ihn freilich sehr stolz, aber auch herzlich verlegen machte.
Sein holprichtes Französisch ward jetzt noch ein klein wenig holprichter, und ein Pas de deux, wozu die Citoyenne Rose abgerufen ward, konnte nicht erwünschter für ihn kommen.
Wir eilten zurück in die Loge, und der Doctor vertraute mir: dass er die erlaubnis erhalten habe, mich noch heute zum Souper bei der liebenswürdigen Freundin einzuführen.
Wie viel Glück auf einmal! – Alle Ermahnungen des Doctors, die Kunst der Tänzer zu bewundern, waren vergebens. – Ich versank aus einem süssen Traum in den Andern, und nur die Besorgniss: ob ich mich auch angenehm genug darstellen würde, – konnte mich für eine kurze Zeit erwecken.
Jetzt war das