eines Fürsten – ach nein! sie schien keine Sterbliche mehr. Meine Hoffnung dünkte mich Wahnsinn, und mit brechendem Herzen stürzte ich dem onkel in die arme.
Der redliche Mann drückte mich wiederholt an seine Brust.
"Fassen Sie Sich" – sagte er – "es kann noch alles gut werden."
"Ja wohl!" – rief der Chevalier, der jetzt eben hereintrat. – "Es soll und muss alles gut werden! – Nun liebe Marie! geben Sie ihm eine Hand und sagen Sie ein Wort des Trostes dazu. Nicht wahr? Sie wollen seine Freundin, seine schwesterliche Freundin bleiben?"
Marie reichte mir schweigend die Hand und errötete.
"O Gott" – rief ich ausser mir – "ich bin verlohren! sie kann schon erröten! – Der Chevalier lächelte, und nun errötete ich selbst über die unbesonenen Worte.
"Was sie jetzt nicht könnte" – fuhr er fort – "würde sie sehr bald haben lernen müssen. Hier ist nicht der Ort, wo ein junges Mädchen mit ihren Empfindungen unbekannt bleiben kann. Ich glaube kein Verbrechen begangen zu haben, wenn ich Marien etwas schneller dazu verhalf."
"Sie hat mich ihren Vater genannt, und so seid ihr beide Geschwister. Will das Schicksal etwas mehr aus Euch machen, so habe ich nichts dawider: aber frei müsst ihr bleiben."
"Und nun, lieben Kinder, keine Seufzer, und keine Klagen! Mein sehen ist ein Mann, und meine Tochter ist ein liebes, sanftes, vernünftiges Mädchen. Jetzt zum Frühstück. Mein Sohn braucht Kräfte zur Reise. nachher sehen wir weiter." –
Aber das Frühstück blieb unangerührt vor uns stehen. Mariens Augen waren voll Tränen, und mir wollte die Brust vor Angst und Wehmut zerspringen.
Jetzt ertönte das Horn.
"Ich begleite Sie!" – rief der Chevalier – "Geschwinde ihren Hut! Ihren Mantel! Kinder gebt euch die hände! wir sehen uns glücklicher wieder!" –
"Marie!" – rief ich – "wir sehen uns wieder! tot, oder lebendig! wir sehen uns wieder!" –
Der Postillion hörte diese klägliche Apostrophe, und fing laut an zu lachen. Der Chevalier stimmte mit ein, die Mutter folgte nach, das verzweifelte Creshendo stieg mit jeder Secunde, und Marie sogar lächelte mit weinenden Augen. Ich selbst fühlte nun den Unsinn meiner Worte, und konnte nicht widerstehen. So kamen wir unter schallendem Gelächter in den Wagen.
"Fahr zu!" – rief der Chevalier – und Marie war aus meinen Augen verschwunden.