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so kann er dadurch fester, härter, aber warlich darum noch nicht besser werden.

"In jedem mann liegtnicht bloss in so fern er Mensch, sondern vielmehr in so fern er Mann, und je mehr er es istein Fond von Bösartigkeit, der nur durch die Liebe zu einem reinem weiblichen Wesen getilgt werden kann. Wehe! wenn ihm nie ein solches begegnet! Er wird in seinem funfzigsten Jahre nur wenig von einem Teufel verschieden sein." –

"Wir empfinden mit dem kopfdie Weiber denken mit dem Herzen. Sie üben, was wir lehren. Alles was herzlich an uns werden soll, muss durch sie gepflegt werden, oder es erstirbt. Grösser können wir vielleicht handeln, reiner nimmermehr."

"Ich hatte zwar Hoffnung; aber ich bekenne Ihnen: dass Sie einer Stütze bedurften. Ihr offnes Bekenntniss hat mir diese Stütze gegeben. Wenn die tugendhafte Liebe Sie begleitet; so habe ich nichts für Sie zu fürchten."

"Reisen Sie! und wenn ich Ihnen raten soll, reisen Sie noch morgen. In ihrer Nähe, und sie nicht sehenmögte Ihnen zu peinlich, vielleicht gar unmöglich werden."

"Aber" – rief ich – "wenn sie nun in meiner Abwesenheit ....

"Einen Andern fände?" unterbrach er mich – "das wäre freilich schlimmund doch glaube ich nicht, dass Sie es hindern dürfen."

"O mein Gott!" –

"Ja ich gestehe, dass es Ihnen schwer werden kann. Aber möchten Sie das liebe, unschuldige Mädchen übertäuben? – Sie ist eben so unbekannt mit der Welt, wie mit ihrem eignen Herzen und glaubt Sie zu lieben, weil Sie der erste Mann sind, der ihr huldigt. Nur dann können Sie ihren Empfindungen trauen, wenn Sie ihr Freiheit und Zeit gelassen haben, sie zu prüfen." "Ueberlegen Sie das, mein teurer Sohn, und sagen Sie mir morgen: ob ich Unrecht habe."

Vierzehnter Tag

"Ach er hat nur gar zu sehr Recht" – rief ich am andern Tage nach einer langen, schlaflosen Nacht. "Aber soll ich durch nichts sie binden; so will ich sie doch noch sehen, so will ich wissen, was sie antwortet, wenn ich nun sage: M a r i e , lebe wohl! l e b wohl, Marie, vielleicht für immer u n d e w i g ! – Bei Gott, das will ich wissen! und dann will ich reisen!" –

Jetzt schlug es acht und ich war frei. – Mit hastigen Zügen atmete ich die reine erquikende Luft. Mich dünkte, ich werde von neuem gebohrenes habe sich alles verwandelt. Der Himmel war blauer, die Sonne war heller, die Menschen schienen mir näher verwandt. Ich hätte sie alle umarmen und laut aufrufen mögen: "ich bin frei!"

Der Chevalier hatte mich bitten lassen, sein Haus wie das meinige anzusehen, und mich seiner Equipage sogleich zu bedienen. Aber ich hatte nur einen Gedanken: – Marie! – ich musste sie noch sehen! jetzt gleich musste ich sie sehen.

Der Kutscher rief und jagte hinter mir her, Aber die kindische Furcht, er möchte mich einholen, trieb mich immer vorauf. Jetzt war ich bei Mariens Tür, höchlich erfreut, früher als er gekommen zu sein.

"Marie!" – rief ich – "Marie ich bin frei! – aber Marie war nicht da. Ich lief in die Küche, in den Garten, rief einmal über das andre "Marie ich bin frei!" aber ich konnte Niemand entdecken.

Jetzt trat der Kutscher herein. "Sehen Sie wohl" – sagte er – "Sie sind nicht zu haus. Folgen Sie meinem Rate, und kommen Sie mit zum Herrn. Das Uebrige wird sich alles noch finden."

Ich lies mich bereden, und wir rollten davon.

Der Chevalier empfing mich mit offenen Armen.

"Willkommen!" rief er – "willkommen, zum neuen schöneren Leben! – Aber wo sind Sie denn so lange geblieben?" –

Jetzt verklagte mich der Kutscher. "Ei ei! Jaque" – sagte der Chevalier – "das war ein schlimmer Spas! – Du und deine Pferde, ihr hättet mit einemmale um eure ganze Reputation kommen können. – Einen Fussgänger nicht einzuholen!!" –

"Ja aber, w e l c h E i n e n !" – brummte Jaque, und zog schmollend in den Stall.

"Nun mein lieber Sohn" sagte der Chevalier – "was beschliessen Sie? – Wie fällt Ihr Urteil aus? Hatte ich Recht oder Unrecht?"

"Ach Sie hatten Recht!" – antwortete ich, und drückte ihm wehmütig die Hand – "Ich muss reisen, und habe Marie nicht gefunden." –

"Nun dazu kann Rat werden. – Amusiren Sie Sich so lange in meiner Bibliotek. Indessen werde ich Ihre Reise-Angelegenheiten besorgen.

Ich öffnete die Tür – O Himmel! Marie, ihre Mutter, und der Onkel! – Sprachlos und verwirrt starrte ich sie an. Jetzt hätte ich nicht rufen können: "Marie, ich bin frei!" Ach die Abreise! – sie lag wie ein drükkendes Gewitter auf meiner Seele. – Und dann, Mariewelche Verwandlung! – welch ein prächtiger geschmackvoller Anzug! – Sie schien die Tochter