Termin verfliessen lassen sollte. Auch habe Lord M. ... Anerbieten getan, die wenigstens einige überlegung verdienten."
I c h . Und der Herr Stockfisch antwortete nichts darauf? –
E r . Monsieur le Baron! Für Wen sehen Sie mich an? – Provence! ein Mensch um den sich Könige und Kaiser gerissen haben, wenn es auf die Leitung einer Affaire ankam! – Provence sollte nicht wissen, was in dergleichen Fällen zu sagen wäre!! –
I c h . Nur keine Tiraden! – Was du geantwortet hast, will ich wissen.
E r . Was der Herr Baron selbst geantwortet haben würde: – "Dass wir nicht gesonnen wären, jrgend Jemanden zu weichen, und dass der Lord so gütig sein würde, die Seegel einzuziehen, woferne ihm daran liege, französische Luft noch länger zu atmen." –
I c h . Nicht übel. – Aber was wolltest du eigentlich damit sagen? –
E r . Ach wie kann ich das jetzt noch wissen! – Ich geriet in solche Wut, dass Marton unter der Schminke erblasste. – Hätte sie mir nicht plözlich mit einem unbeschreiblich reizenden Kälberbraten, und mit ein paar Flaschen Champagner Einhalt getan – so mögte Gott wissen, was aus der Sache geworden wäre! –
"Grosmütiger Held!" – antwortete ich lachend – "erbarme dich jetzt über meine Garderobe! – Ich werde ja diesen Nachmittag sehen, wohin deine kühnen Fusstapfen mich führen."
In der Tat, es war äuserst notwendig durch meine Figur so viel als möglich zu imponiren. Lord M. ... hatte ein ungeheures Vermögen. – Ich war verlohren, wenn nicht in die andere Wagschale ein ansehnliches Uebergewicht gelegt werden konnte.
Aber Lord M. ... hatte auch wenigstens ein halbes Jahrhundert auf dem rücken, und das Gerücht fügte noch eine etwas critische gemahlin dazu. – Von dem allen wusste ich mich frei, auch war ich mit meinem Spiegel sehr wohl zufrieden, und hörte von Provence die wiederholte Versicherung: dass es heute schlechterdings unmöglich sei, mir zu widerstehen.
"Wohlan! nicht gewagt, nicht gewonnen! – ich hoffe Mademoiselle Amelie wird Augen haben!" – Mit diesen Gedanken trat ich in das Vorzimmer.
Niemand war da; aber die edle Unverschämteit ist sehr oft ein Reitz mehr für die Damen. – Ich beschloss Mademoiselle Amelie zu überraschen.
Sie lag in einem höchst reizenden Negligee auf ihrem Sopha, und schien über mein plötzliches Eintreten etwas betroffen.
Ich entschuldigte mich mit meiner sehnsucht, und war bemüht, durch die lebhafteste Zärtlichkeit meinen Fehler vergessen zu machen.
Aber bei jedem wiederhohlten Versuche wurde ich mit einer Kälte zurückgewiesen, die allen meinen Mut und meine Selbstgenügsamkeit zu überwinden drohte.
Noch einmal wollte ich es wagen. – Knieend bat ich sie jetzt, mir die Ursache dieser unbegreiflichen Abneigung zu entdecken. Mir zu sagen: warum sie die zärtlichste, die feurigste Liebe so grausam zurückstosse?
"Ach mein Herr!" – erwiderte sie – "alle diese Herrlichkeiten sind unbeschreiblich langweilig, wenn man so genau, wie ich, damit bekannt ist."
"Sie glauben jetzt mich zu lieben, nach einem Monate glauben Sie vielleicht das Gegenteil. – Das Eine kann zu seiner Zeit eben so wahr sein, als das Andere. – Aber wie können Sie sich einbilden: dass ich meine Zufriedenheit diesen abwechselnden Launen aufopfern werde?" –
"Nein, Sir Walters Liebe war von ganz anderer Art!" – –
I c h . Nimmermehr! Sir Walter konnte Sie nicht inniger, nicht zärtlicher lieben!
S i e . Ach Herr Baron, Sie kommen mir schon unbeschreiblich französirt vor! – Welcher Eigendünkel, Ihre Art zu lieben auf den Tron setzen zu wollen! – Genug ich sage Ihnen: dass Sir Walters Liebe unendlich von der Ihrigen verschieden, unendlich überzeugender war!" –
Bei diesen Worten stand sie auf, und suchte sich von mir los zu machen.
"Ah Mademoiselle!" – rief ich – "was soll ich, was kann ich tun, Sie zu überzeugen!" –
"Fürs erste, mich mit diesen antiken Ritterscenen verschonen."
"Ich wünsche allein zu sein, Herr Baron, und hoffe, Sie werden mich entschuldigen." –
Mit diesen Worten schlug sie die tür des Kabinets hinter sich zu, und überliess mich allen Quaalen einer getäuschten Erwartung.
Betäubt starrte ich die Wände an, und verweilte zu meinem Unglück auf einem grossen Spiegel, der meine ganze erbärmliche Figur zum Rasendwerden treu mir entgegenwarf.
Alles Apolonische war verschwunden – dafür aber war soviel Acteonisches in meine Physiognomie gekommen, dass ich unfehlbar den verwünschten Spiegel zertrümmert haben würde; wenn Mademoiselle Iris nicht in dem Augenblicke erschienen wäre.
"Mademoiselle!" – rief ich – "Sie haben schlecht für mich gesorgt! Man wirft mich mit einer Kälte, mit einer Härte zurück, die mein Innerstes emport!" –
M a d e m . I r i s . Ah mein Herr! Umstände verändern die Sache! – Sie sprachen von Liebe, und schienen geneigt sie zu beweisen – –
I c h . Nun mein Gott! Habe ich sie denn nicht bewiesen? –
M a d e m . I r i s . So viel ich schliessen kann, bis jetzt noch nicht.
I c h . Ach hätten Sie mich nur gesehen! – mit welchem Feuer, mit welcher inniger Zärtlichkeit. ...
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