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Andenken"! – wiederholte ich; und versuchte einen goldnen Ring von ihrem Finger zu ziehen. Das Geräusch verstärkte sich, ihre Hand konnte nicht widerstehender Ring war mein! – noch einen blick in das Himmelauge, und ich war verschwunden. Ach! am folgenden Morgen waren auch sie verschwunden, und keine Spur von ihnen zu entdecken. Da fällt eine Träne auf meine Handsie gehört der ersten Liebewer darf sie tadeln?

Zweites Buch

Erstes Kapitel

"Lassen Sie uns reisen! – sagte Heinrich, als wir eines Abends sterbens müde und abermals vergeblich von unsern Streifereien zurückkehrten – "lassen Sie uns reisen! hier finden wir sie doch nicht!"

"Du hast Recht!" – rief ichreisen wollen wir! gleich über Hamburg nach England; da müssen wir sie finden!

H e i n r i c h . Da gewiss am wenigsten.

I c h . Warum?

E r . Weil sie England mehr vermeiden als suchen werden. Mehrere Aeusserungen der Mutter verrieten das.

I c h . Aber Engländerinnen waren sie; das ist gewiss.

E r . Nach ihrer Aussprache kam es mir selbst so vor. Das widerspricht aber meiner Vermutung ganz und gar nicht. Glauben Sie mir, lassen Sie uns nach Berlin gehen.

I c h . Sollten sie d a sein? –

E r . Wer weiss! – überdem war es ja auch unser Plan über Berlin und Wien nach Italien zu reisen.

I c h . Ach Berlin, Wien, Italien, die ganze Welt ist mir zuwider, finde ich sie nicht; so ist mir das Leben eine Last.

E r . Fassen Sie Mut! es müsste ...

I c h . Mut! zu einem Leben ohne Liebe? –

E r . Wer sagt das?

I c h . Ihr, Ihr Alle! mein steifer Herr Hofmeister dazu. – Gottlob dass ich ihn endlich einmal los bin! – ginge es nach Eurem Willen, so sässe ich den ganzen Tag und schwitzte über grossen Quartanten. Ach das ekelhafte Gewäsch von Pflicht! wie ist es mir doch in den Tod zuwider! Pflicht! Pflicht und nichts als Pflicht! – der Henker hole Eure Pflicht! – meine erste Pflicht ist mich glücklich zu machen! –

E r . Mögten Sie nur den rechten Weg dazu nicht verfehlen; wenn Sie doch einmal nicht mehr als glücklich sein wollen.

"Nein bei Gott!" rief ich, mit einem bittern Lächeln – "mehr will ich nicht sein! Und mein hochweiser Herr Professor, womit könnten Sie denn sonst noch dienen? – was kann man denn mehr sein als glücklich?" –

Er. Gut.

"Höre!" – sagte ich ärgerlich – "nur nicht wieder mit deinen Rasereien! – mach Anstalt zur Reise! morgen will ich mit der Tante sprechen."

Zweites Kapitel

Meine Tante konnte und durfte nun freilich keinen andern Willen haben, als den Meinigen; gleichwohl tat ich dieses Mahl was sie wünschte, und nahm meinen Weg nach Berlin. Teils weil ich keine Hoffnung hatte, Marie in England zu finden, teils weil mich in Berlin ein angenehmer Zirkel von Freunden und Bekannten erwartete.

Ich bekam Empfehlungsbriefe die Menge und noch vor Ende des Junius waren wir vollkommen einheimisch daselbst.

Heinrich warf sich nun von Neuem auf seine Bücher, während ich auf den Spaziergängen herumstrich, und keinen Abend das Schauspiel verfehlte, um Marie wo möglich zu entdecken.

Das einzige, was mich noch etwa ausserdem beschäftigte: war Musik und geschichte. M u s i k , um für meinen Schmerz einen Ausdruck zu finden, und G e s c h i c h t e , um Heinrich durch Tatsachen niederzuschlagen; wenn er etwa für gut finden sollte, mir seine Puppe die Vervollkommung des Menschengeschlechts anzupreisen,

Ach meine, durch die Liebe genährte und unterdrückte Sinnlichkeit, und die beständig getäuschte Hoffnung Marie zu findenalles gab meinem Charakter jetzt eine Bitterkeit, welche bei dem gänzlichen Mangel an Selbstüberwindung oft in eine Art von Wut überging.

Mehrere meiner Empfehlungsschreiben waren schon abgegeben, aber noch hatte ich mich zu keinem Besuche entschliessen können. Im Gegenteil war ein alter Freund meiner Tante wirklich durch mich beleidigt.

Er begegnete mir auf einem Spaziergange, und erkundigte sich mit vieler Teilnahme nach meinem Befinden. Meine Tante hatte mich allentalben als krank angekündigt; und leider war es dem Herzen nah nur gar zu wahr.

Aber in dem Augenblicke, da ich ihm meine Dankbarkeit bezeigen wollte; ward ich ein Frauenzimmer gewahr, das mir eine auffallende Aehnlichkeit mit Marien zu haben schien. – Mehr bedurfte es nicht, um mich den guten alten Mann und alles was er mir sagte, vergessen zu machen. Ich eilte hinter dem Frauenzimmer her, und wurde erst spät meine grosse Unhöflichkeit gewahr.

Aehnliche Züge, besonders das anscheinend zwecklose Verfolgen der Frauenzimmer, erwarben mir bald den Nahmen des schönen Verrückten, und es wurde für die Damen ein interessantes Geschäft, sich einander zu erzählen: wann, wo, und wie oft, sie den schönen Verrückten gesehen hatten.

Jetzt drang man mit einer Menge Einladungen auf mich ein, und ich musste mich, ungeachtet meines grossen Widerwillens, entschliessen, wenigstens mit einem haus den Anfang zu machen.

Drittes Kapitel

"Ein Ball? – ja das lasse ich mir gefallen! – Mariewer weiss – o Gott wenn es möglich wäre! – ja! ja ich nehme es