1801_Fischer_013_5.txt

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I c h . Ach, Heinrich! du wirst sie lieben.

E r . Ei das versteht sich! ich liebe sie ja schon jetzt.

I c h . Sie wird dich wieder lieben. –

E r . Hahahaha! ich dachte gar! mich, den Pachterssohn! – mich in meiner grünen Jacke! –

I c h . Höre, Heinrich, du musst mir etwas versprechen.

E r . Nun?

I c h . Du darfst sie nie wieder anrühren. – Wie du schweigst? – Heinrich, was sagtest du vorhin? Du würdest nie etwas Schädliches tunsieh, dies wäre sehr schädlich; denn, bei Gott, dein oder mein Leben! –

E r . Nun! nun! nur nicht wieder so hastig!

I c h . Heinrich! liebst du mich nicht mehr?

E r . Das ist ja eben das Unglück! gerade weil ich Sie liebe

I c h . Wie? gerade deswegen wirst du nicht versprechen!

E r . W e r d e ich versprechen

"O Heinrich!" – rief ich, und schloss ihn aufs neue in meine arme – "was soll ich für dich tun? was willst du haben?"

E r . H a b e n ! – ich will doch nimmermehr hoffen

"O sei nicht böse! sei nicht böse!" – sagte ich, und zog ihn mit auf den Weg nach unserm Gute – "lass uns überlegen, was jetzt anzufangen ist."

Zehntes Kapitel

"Wecke mich ehe die Sonne aufgeht" – hatte ich zu Heinrich gesagt. Aber noch ehe Heinrich erwachte war ich auf dem Wege zu meiner Eiche. Ach Mariens Vorhänge waren dicht geschlossen, alles lag noch im tiefen Schlummer, auch die Sonne verweilte und nur der freundliche Haushund kam mir schmeichelnd entgegen gesprungen.

Ich bestieg meine Eiche, und beschloss: sobald die Sonne hinter dem Berge hervorgegangen sein würde, Marien mit meiner Flöte zu wecken. Aber schon lange war das liebliche Tal erleuchtet; und noch zitterten meine Lippen unentschlossen an der Flöte.

Wie? sollte ich ihren Schlummer unterbrechen! – ich konnte es nicht wollen, ich konnte es nicht lassenanfangs stahlen sich nur einzelne Töne aus der Flöte: aber ehe ich es gewahr wurde bewegten sich meine Finger unwillkührlich, und bald fand ich mich mitten in einem Adagio, in welches sich meine ganze Seele ergoss.

Mariens Vorhänge bewegten sich, meine Flöte schwieg, und von dickbelaubten Zweigen beschattet; starrte ich jetzt unverwandt nach ihrem Fenster. Jetzt öffnete es sich. O Gott! wie ward mir! Sie war es selbst. –

Ohne zu wissen was ich tat, breitete ich meine arme ausund ach, da liess ich meine Flöte fallen. Aber wie glücklich! Marie bemerkte es nicht, und noch ehe ich mich von meinem Schrecken erholen konntesah ich sie in den Garten treten: wahrscheinlich um den unsichtbaren Flötenspieler zu suchen.

Noch wehten die langen blonden Locken ungefesselt um den schönen Hals, und das dünne Morgengewand raubte mir keine Bewegung des reizvollsten Körpers.

Welch ein Zauber liegt doch in einer vollendeten weiblichen Schönheit! – jede tierische Begierde verstummt, die Seele versinkt in tiefe Ruhe, und der sinnlichste Mensch begreift bei ihrem Anblicke: dass es noch etwas wünschenswerteres als Sinnlichkeit gebe.

Marie durchsuchte den ganzen Garten. Endlich kam sie an eine kleine brücke die über den Bach nach der Wiese führte; wo mich meine Eiche vor ihren Augen verbarg. Sie schien unentschlossen: ob sie sich über die brücke wagen sollteaber ein Bologneserhund, der sie begleitete, war ihr schon zuvorgekommen. Er tummelte sich mit einem Stück Holze – o Himmel es war meine Flöte! – auf der Wiese herum.

"Eine Flöte!" – rief Marie; und eilte schnell hinter dem Hunde her. Aber jedes Mal wenn sie nahe daran zu sein glaubte ihn zu erhaschen; machte er sich plötzlich mit possierlichen Sprüngen auf und davon.

Jetzt näherte sich der Hund dem Bache, und jetzt wollte Marie das Aeusserste versuchen: aber indem sie sich hinüber beugte um die Flöte zu retten, verlor, sie das Gleichgewicht und sank tief in das hohe Schilf hinein.

Ein Schrei, ein Sprung, und sie lag in meinen Armen. –

Nein, dieser Augenblick war einzig in meinem Leben, und wird es bleiben.

Eilftes Kapitel

"O mein Gott!" – rief sie; und wand sich aus meinen Armen.

"Können Sie mir verzeihn!" – sagte ich und umfasste ihre Knie.

"Es wird unsre Abreise beschleunigen" – antwortete sie wehmütig, und wollte sich entfernen.

"Marie!" – rief ich ausser mirMarie! verlassen Sie mich nicht! verlassen Sie mich s o nicht!

S i e . Welche Unvorsichtigkeit von mir, hier her zu kommen! – aber wie konnte ich vermuten! – Sie hatten Ihr Wort gegeben.

I c h . Ich werde es halten! ich werde es von nun an halten; und sollte es mir das Leben kosten! – aber um Gottes Willen sprechen Sie nicht von Abreisen, von Entfernung!

S i e . Sie zwingen uns dazu, wenn auch unsre Umstände .....

I c h . Ach werde ich nie etwas davon erfahren? – werde ich nie wissen wem ...

S i e . Das hängt nicht von mir ab.

I c h . Marie! teure