mich liebe, dass sie die Meinige werden wolle, dass das Alles kein Traum sei – ach ich zweifelte dennoch daran. Der Tag wo wir verbunden werden sollten, erschien, und mein Zustand gränzte an Wahnsinn.
Ich sah sie ankleiden, ich sah den Kranz auf ihre Locken befestigen, man ermahnte mich zu eilen, man wiederholte mir alle Augenblicke: dass man auf mich warte, dass ich noch in meinen gewöhnlichen Kleidern sei. – Ich begriff nur halb was man von mir wollte, und wahrscheinlich würden die Gäste wieder davon gegangen sein; wenn man nicht Marie vermocht hätte mich in mein Zimmer zu schicken.
Eilftes Kapitel
So hatte sich dann der kühnste meiner Träume in Wirklichkeit verwandelt! – vor den Augen aller Neider durfte ich sie mein nennen – aber dennoch zitterte ich vor ihnen. Ich führte den Engel schnell in mein väterliches Erbe, und ein Paradies blühte um mich auf. –
Sophie hatte uns begleitet, und wollte sich nicht mehr von uns trennen. Ihr liebendes Herz war zu gross für die Eifersucht, und ihre entusiastische anhänglichkeit für alles jugendliche und Schöne, verbunden mit ihrer Kenntniss der Mahlerei, machte, dass sie Mariens tadellose Gestalt beinahe noch mehr als ich zu schätzen wusste.
Täglich zeichnete sie das reizende Weib in andern Stellungen, und alles Feuer der Jugend und der hohen Begeisterung strahlte von ihrem gesicht, wenn sie der äterischen Gestalt mit ihrem Pinsel gegenüber sass.
Sie behauptete: nie etwas Vollkommneres gesehen zu haben, und forderte mich immer von neuem auf, Marien mit den griechischen Urbildern der Schönheit zu vergleichen.
"Ich muss Sie noch Zeichnen lehren!" – rief sie – "damit Sie wissen: was Sie an ihr haben."
Zwölftes Kapitel
Ach, mein Glück war keines Zuwachses, aber wohl einer Abnahme fähig! –
Marie schien nicht ruhig – und, o Gott! endlich musste ich es mir gestehen – Marie schien nicht glücklich. – Sie leugnete das; aber es war nur gar zu sichtbar. Sophie selbst bemerkte es, und forschte mit mir vergebens nach der Ursache.
Sie suchte die einsamsten Spaziergänge – und wenn ich sie dann überraschte; so waren ihre Augen von Weinen entzündet, und aus ihren Zügen sprach die trostloseste Schwermut.
Meine Bauern verehrten sie wie eine wohltätige Gotteit, und es war zum Gesetz bei ihr geworden jeden Abend einen gang durch das Dorf zu machen, um den Bedürfnissen dieser guten Leute augenblicklich abzuhelfen.
Vormahls kehrte sie mit himmlischer Heiterkeit von diesen Spaziergängen zurück – jetzt ward ihre Schwermut sichtbar dadurch vermehrt.
O Gott! was sollt' ich glauben? – ich ahnete mein Unglück, und dennoch suchte ich mich immer zu täuschen. Aber mein böser Geist verführte mich endlich ihr eines Abends unbemerkt zu folgen.
Sie nahm wie gewöhnlich den Weg zum dorf, und nachdem sie sich kurze Zeit bei einem Greise, der ihr laut segnend mit den Augen folgte, verweilt hatte, sah ich sie in ein Hüttchen treten, wo ein junges Weib sie an der tür empfing.
Sie gingen in das Stübchen, dessen niedrige Fenster mir nichts von dem was darin vorging verbargen. Schon brannte das dunkle Lämpchen auf dem altvätrischen Tische und ein Kind von kaum zwei Jahren, stützte das Engelköpfchen auf den Rand desselben, und sah unverwand in die Flammen.
Marie trat leise ihm gegenüber, und winkte der Mutter sich still zu verhalten. In der Tat, der Anblick hatte etwas unbeschreiblich Anziehendes. Alle Ahnungen des verwickelten Erdenlebens, und seiner rätselhaften Bestimmung, schienen durch die Flammen in der Seele des Kindes geweckt zu werden, und ich selbst vergass, über den holdseligen Knaben was mich hier her geführt hatte.
Aber ein laut der innigsten Wehmut aus Mariens mund erinnerte mich daran. Mit einer Heftigkeit, die ich niemals an ihr bemerkt hatte, riss sie das Kind an ihr Herz, und bedeckte es mit Tränen und mit zahllosen Küssen.
"Ach wenn Sie doch auch so Eins hätten" – sagte das junge Weib; und winkte dem Knaben, der sich los machen wollte, zu bleiben.
"Nimmermehr! nimmermehr!" – rief Marie laut weinend. Der Knabe floh in die arme seiner Mutter, und ich in den nahen Wald; als wollte ich der rächenden natur entfliehen. –
Von Heinrichs Hand
So weit schrieb mein unglücklicher Freund; als eine gefährliche Krankheit ihm auf lange Zeit jede Geistesanstrengung unmöglich machte.
Zwar fanden wir noch manche abgerissene Aufsätze von seiner Hand; welche uns überzeugten: dass er ein sechstes Buch den vorhergehenden fünfen habe hinzufügen wollen. Aber teils waren sie so unleserlich geschrieben, dass es unmöglich schien, einen vollständigen Sinn heraus zu bringen; teils verriet das Wenige was wir entziffern konnten, eine so ungerechte Strenge gegen sich selbst: dass wir uns an seiner Asche versündigen würden, wenn wir es mitteilen wollten.
Aber wenn er seine Verirrungen schilderte; so fordern uns Dankbarkeit und Gerechtigkeit auf: seine Rückkehr zur Tugend, und seinen Edelmut nicht zu verschweigen.
Wo die Wahrheit so schön, und so rührend ist, da kann man des Schmuckes entbehren. – Dieser Gedanke gibt mir Mut den Faden seiner geschichte wieder aufzunehmen. Mariens geheimnis war verraten – und mein unglücklicher Freund trug die Hölle in seinen Busen. – Er hatte in Stunden der innigsten Vertraulichkeit meiner Neigung zu ihr erwähnt, und wenn Marie jetzt bei meinem Namen errötete; so gesellten sich alle Qualen der Eifersucht zu den Martern der Selbstverachtung, und der trostlosen Verzweiflung. –
Er ward krank, glaubte sein