! ich darf nicht! –
"Unglücklicher!" – rief er – als ich dies Bild mahlte; warst du schon ohne Rettung verloren. Ich gehe! mögest du dir selbst vergeben, so wie ich dir vergebe. Noch war ich zweifelhaft, ob ich dich verlassen dürfte; aber jetzt bin ich es nicht mehr. Ich habe nur gelobt, mich nicht von dir zu trennen, bevor du es selbst verlangtest. Du hast es verlangt – ich bin meines Wortes entbunden." lebe wohl! geniesse ein Glück, worauf ich um deinetwillen Verzicht getan hatte – was ich dir mit der Ruhe meines Lebens erkauft haben würde. lebe wohl und vergiss mich, wenn du kannst.
Siebentes Kapitel
"Vergiss mich, wenn du kannst – der Stolze!" – rief ich – "er weiss nur zu gut was er mir war! – aber bei Gott er wird sehen, dass ich ihn entbehren kann! – Noch ist nicht alles verloren! noch bin ich auch ein Mann! Fort, fort! hier ist doch alles tot! – ohne i h n – wollt ich sagen – ohne Marie" – setzte ich schnell hinzu. –
Ich will hin zu ihr! ich will ihr alles bekennen! sie wird mich nicht verstossen! sie wird mir den Mut zum Leben wieder geben! Ach wie war ihr ganzes Wesen so weiblich! nur bei ihr werde ich wahre Duldung finden.
O ich Tor! dass ich sie bei einem M a n n e , bei einem eben so harten und unbiegsamen Wesen als ich selbst suchen konnte! –
Ohne Gewalttätigkeit – sagt er – war ich nicht zu retten? – ach s i e würde mich gerettet haben durch die Gewalt der Liebe! durch eine andere Liebe als die Seinige, erhaben über Vorwürfe und Beleidigungen.
Aber sein Stolz war gekränkt; weil ich mich einigemahl vergeblich bitten liess, weil ich hart gegen ihn war, da er mich zurückhalten wollte. – Nein! nur in einem weiblichen Herzen wohnt die wahre Liebe! – der Mann liebt nur sich selbst."
Jetzt verliess ich den Garten, um Befehle zu meiner Abreise zu geben. Ich fürchtete Heinrich zu treffen und doch überfiel mich eine unaussprechliche Traurigkeit; als ich die Bedienten mit seinen Sachen beschäftigt sah, und von ihnen hörte: dass er selbst schon fort sei.
Ich eilte auf sein Zimmer und ward mir erst hier bewusst: dass ich noch an der Aussage der Bedienten gezweifelt hatte.
"Der Grausame!" – rief ich – "so konnte er mich wirklich verlassen? – er hat mich niemals geliebt! wie wäre es sonst möglich!" –
"Wohlan! keine Schwäche mehr! in Marien finde ich alles wieder.
Achtes Kapitel
Jetzt dünkte mich Alles den Schneckengang zu gehen. Meine Leute liefen sich aus den Atem, und doch hatte ich sie nie so unerträglich langsam gefunden. Endlich waren sie zur Abreise bereit, und mein Wagen flog auf den Weg nach Berlin.
Welche Tage! welche endlosen Nächte! ehe wir die geliebte Stadt erreichten. Wir waren noch zehn Meilen davon, und schon wollte mir die Brust vor sehnsucht und Ungeduld zerspringen. Ich bat, ich flehte, ich versprach, die Pferde stürzten, und wir waren noch immer nicht da. –
Endlich erblickten wir die Turmspitzen, und jetzt ward mir der Wagen zu enge. Ich eilte im Fluge vorauf, und in wenig Minuten stand ich vor Sophien, stumm vor Schmerz und Entzücken.
Holdselig lächelnd, reichte sie mir die Hand. Ich sah es: sie hatte mir vergeben und die Ruhe war in das schuldlose Herz zurückgekehrt. Ach ohne mich, wäre sie nie daraus gewichen! –
Sie kam meinen fragen nach Marien zuvor. Man sprach von einer Heirat welche die Mutter begünstigte; aber Marie hatte sich standhaft geweigert.
Das unbändige klopfen meines Herzens nahm zu, und ohne weiter Rücksicht auf Sophie zu nehmen, drang ich mit Ungestüm darauf Marien vorgestellt zu werden.
Sophie machte mehrere Schwierigkeiten. Ich überwand sie alle, und am folgenden Tage – doch wozu eine Beschreibung, welche die Wirklichkeit nimmermehr erreichen kann! ich sah sie wieder, und fühlte: dass man nur e i n m a l l i e b t .
Neuntes Kapitel
Ihre Schönheit hatte sich bis zum Idealischen, und meine Liebe bis zur Anbetung erhoben. Auch bemerkte ich: dass sie denselben Eindruck auf Andre machte. Die lauteste Gesellschaft verstummte bei ihrem Eintritt, und die sinnlichsten Männer nahten sich ihr mit schüchterner Ehrfurcht.
Kaum wagte ich den Gedanken: dass sie die Meinige werden könnte – jede Berührung schien mir Enteiligung – der Seligkeit einer Umarmung wäre ich jetzt noch erlegen.
Aber wie? Wenn ich sie verlöhre! – bei dieser Vorstellung verschwand jede Bedenklichkeit. Ich flog hin zu ihr, ich umfasste ihre Knie, ich stammelte unzusammenhängende Worte, ich benezte ihre hände mit Tränen der Angst, der Reue und des Entzückens. –
Sie verstand mich – ich ahnte es, und nun erst wagte ich es sie anzublicken. Doch aufgestanden wäre ich nicht; hätte sie mich nicht zu sich erhoben.
Jetzt lag ich sprachlos in ihren Armen – ihr Mund näherte sich dem meinigen, und bald wusste ich: dass ich das höchste Leben gelebt hatte.
Zehntes Kapitel
Mein Vermögen und meine Familie dienten mir statt aller übrigen Empfehlung. Die Mutter willigte ein, und ich versank in einen Taumel von namenlosen Entzücken.
Tausend Mal musste Marie mir wiederholen: dass sie